[anklickbarer menubar]

Ausgabe #7

Locus Ausgabe Nr.7



Spotlight on Wissenschaft

Die Gaußsche Klammer

Wir schreiben das Jahr 1798. Deutschland versinkt im braunen Sumpf. Nein, die Nazis waren da noch nicht erfunden. Aber die Richtung stimmt schon in etwa.
Gemeint ist die schönmarmorierte Paste, die während unserer Mußestunden auf dem Klo unserem Mastdarm entquillt. Bloß damals gab es hinterher dann ein Problem. Runterspülen ging nämlich nicht, denn Wasserklos gab es noch nicht. Das Klo bestand nur aus einem Brett mit einem Loch drin und darunter ein kleines Emailletöpfchen, in das man mehr oder weniger geschickt hineinzielte. War das Töpfchen übergelaufen, machte man das Küchenfenster auf und schüttete das Leipziger Allerlei kurzerhand auf die Straße, wo es sich zu den anderen Hinterlassenschaften gesellte.
Auch 'ne Art der Entsorgung, mag jetzt der eine oder andere denken, aber es machten eben alle so. Somit stand die Scheiße einen halben Meter hoch in der Straße. Das hatte zwar den Vorteil, daß man, wenn man stolperte, weich fiel, bloß war das Durchkommen äußerst schwierig. Was heute der Stau besorgt, bewirkte damals die braune Pampe - die Leute kamen zu spät zur Arbeit.
Deshalb hatte der königlich preußische Hoferfinder am Hofe Friedlich des Groben, Karl Heinz Schaufelrad, den nach ihm benannten Schaufelraddampfer erfunden, der einfach wie auf'm Mississippi die Straßen rauf und runter schipperte. Das spritzte natürlich mächtig, und wenn die Leute, die Parterre wohnten, mal das Fenster aufhatten, um frische Luft von der Straße reinzukriegen (muß ja sein), spritzte immer mal was in die gute Stube (muß nicht unbedingt sein).
In solch einer Paterrewohnung lebte der 21 - jährige Karl Friedrich Gauß, genannt Karlchen, mit seinen Eltern. Karlchen aß für sein Leben gern Vanillepudding, den seine Mami immer für ihn kochte, wenn er aus der Sonderschule heimkam. Dann saß er am Küchentisch und ließ es sich schmecken. So saß er eines schönen Nachmittags wie immer auf seinem Stuhl am offenen Fenster und betrachtete gerade seinen köstlichen Pudding, der dampfend vor ihm stand, um ihn gleich zu verspeisen. Doch plötzlich fuhr draußen der Schaufelraddampfer vorbei und - FLOP - landete ein bräunliches, stinkendes Etwas auf seinem Pudding. Das ist nicht schön, dachte Karlchen so bei sich - Pudding mit Schlagsahne kannte er ja, aber Pudding mit Scheiße - das paßte irgendwie nicht zusammen, das stach sich farblich und geschmacklich zu sehr.
Von diesem Tag an passierte das jedesmal, wenn er von seinem Pudding aß. Das ärgerte ihn furchtbar, denn der Pudding schmeckte gar nicht mehr, ja er schmeckte geradezu schlimm. Also rührte er ihn jedesmal gründlich um (das sah dann wie Karamelpudding aus) und hielt sich beim Löffeln die Nase zu. So schmeckte er den Pudding einfach nicht mehr. Toll was (kleiner Tip für's Schulessen)? Aber das war auch nicht das blaue vom Ei, denn womit sollte er sich jetzt den Pudding aus dem Gesicht wischen? Karlchen traf nämlich mit dem Löffel nicht immer nur den Mund, sondern es ging auch mal was ins Auge, aber es war schon besser geworden, früher hatte er nicht mal den Kopf getroffen. Das war ein echter Nachteil: Löffel nehmen, essen - Mist - Löffel hinlegen, abwischen, Löffel nehmen, u.s.w.. Da kam ihm eine blendende Idee. Er nahm sein Taschenmesser, holte aus dem Keller eine Mausefalle, lockte die Maus raus (reimt sich), nahm dann zwei Holzstäbchen. Danach befestigte er zwischen ihnen die Feder (Mac Geifer ist ein Scheißdreck dagegen) und - die Nasenklammer war geboren. Die klemmte er sich einfach auf die Nase und hatte so beide Hände frei und konnte von Stund an wieder ungestört essen. Da bemerkte er auch den Doppeleffekt - man schmeckte weder das Essen, noch roch man den Fäkaliengeruch von draußen. Von da an aß er einfach alles, was seine Mami kochte. Schnell wurde Karlchens Idee bekannt und bald sah man auf der Straße niemanden mehr ohne Nasenklammer waten. Zwar sprachen dann alle wie Kermit der Frosch, aber was ist schon eine korrekte Aussprache gegen frische Luft? Bald gab es dann teure Designerklammern, die man/ frau zur Schau trug, doch bei Fielmann gab es schöne auf Rezept ohne Zuzahlung.
Zwei Jahrzehnte später kam dann irgendein Schwachkopf auf die Idee, eine Nasenklammer zum Halten von Wäsche auf Wäscheleinen zweckzuentfremden und so weiß heute kaum noch einer etwas über die Herkunft der Wäscheklammern.
StS


Spotlight on Wissenschaft Die Relativitätstheorie