Archenhold entstammt einer alten jüdischen Familie und wurde am 2. Oktober 1861 in Lichtenau/Westfalen geboren. Nach dem Abschluß des Realgymnasiums nahm er in Berlin ein Hochschulstudium der Philosophie, worunter man damals auch die Naturwissenschaften verstand, auf. Er besuchte ein breites Spektrum von Vorlesungen, interessierte sich aber besonders für die Astronomieseminare des Direktors der Berliner Universitätssternwarte, Wilhelm Förster. Für kurze Zeit setzte er seine Studien in Straßburg fort, kehrte aber im November 1884 an die Berliner Universität zurück. Bereits 1889 wurde Archenhold Mitarbeiter der Berliner Urania-Sternwarte und arbeitete intensiv an der von der Urania-Gesellschaft herausgegebenen illustrierten naturwissenschaftlichen Monatsschrift "Himmel & Erde" mit. Dort veröffentlichte er mehrere Artikel. Später richtete Archenhold eine förmliche Aussenstelle der Berliner Universitätssternwarte im Grunewald ein. Dort entdeckte er 1891 durch Anwendung von Photographie den Perseus-Nebel, den man im Fernrohr nicht sehen konnte. So beschloß er, für den Bau eines neuen grossen Fernrohres zu werben. Anläßlich der Gewerbeausstellung 1896 in Berlin errichtete man das Archenholdsche Riesenfernrohr im Treptower Park. Zusätzlich sollte ein Holzgebäude mit Ausstellungsräumen und einem Vortragsraum gebaut werden. Damit war praktisch die spätere Volkssternwarte im Treptower Park gegründet. Bereits wenige Jahre nach der Gründung rief Archenhold eine Zeitschrift ins Leben, die unter dem Titel "Das Weltall" erschien.
Nach einem Vortrag Einsteins über die Relativitätstheorie an der Treptower Sternwarte im Jahre 1915 hielt Archenhold auch weiterhin Kontakt zu dem berühmten Physiker.

Archenhold unternahm besonders am Anfang des Jahrhunderts viele Reisen zum Zwecke der Forschung. Er besuchte Algerien, die Sund-Insel Hven, England, Schottland, Spanien und später dann die Vereinigten Staaten. Während des ersten Weltkrieges bekannte er sich zu den Zielen einer kleinen Gruppe von Kriegsgegnern, engagierte aber auch danach noch intensiv in einer wissenschaftlichen Vereinigung, die unter der Losung "Nie wieder Krieg!" arbeitete. Es handelte sich hierbei um die "Panterra", die jedoch unmittelbar nach Machtantritt der Nazis verboten wurde.

Im Jahre 1931 bestand die Treptower Sternwarte 35 Jahre und Archenhold verabschiedete sich siebzigjährig als Direktor dieser Einrichtung. Sein Sohn, Dr. Günther Archenhold, übernahm von diesem Zeitpunkt an die Leitung der Sternwarte. Nach der Regierungsübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 begann eine Reihe von Angriffen gegen die Familie Archenhold. Man forderte die Absetzung der "jüdischen" Direktion der Sternwarte. Zuerst verbot man allerdings die von Archenhold herausgegebene Zeitschrift "Das Weltall". Im Juni 1936 mußte Günther Archenhold aus seinem Amt als Leiter der Treptower Einrichtung ausscheiden. Er wurde 1938 in der Reichskristallnacht abgeholt und nach Sachsenhausen gebracht. Später gelang es ihm, seine Entlassung zu bewirken und nach England zu emigrieren. Die Frau Friedrich Simon Archenholds und deren Tochter Hilde kamen im KZ Theresienstadt ums Leben. Friedrich S. Archenhold starb im Alter von 78 Jahren am 14 Oktober 1939. sein Sohn, Dr. Günther Archenhold, starb am 21. Februar 1999 in Bolton/ GB. Das letzte Mal als er in seine Heimat zurückkehrte, war 1995, als er unsere Schule auf ihren heutigen Namen taufte.

(Aus: Dieter B. Hermann: Friedrich Simon Archenhold und sein Wirken an der Treptower Sternwarte.)
 
 
 
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