Der Philosoph und die Schule
Im Jahre 1931 tritt Sartre eine Stelle als Gymnasialprofessor
in Le Havre an. Orientiert von seiner Moral der Besitzlosigkeit bezieht
er bewußt ein schlichtes Hotelzimmer im proletarischen Hafenviertel
und lebt dort in den folgenden fünf Jahren, ohne Versuche zu machen,
sich bürgerlich zu etablieren. Sartre findet an seinem Gymnasium eine
Schulkultur, die den Geist der Kathederpädagogik atmet. Die Lehrperson
doziert von erhöhter Position Wissensstoffe, die der Schüler
zu pauken hat, ohne eigene Interessen anmelden zu dürfen. Sartre dagegen
wird eine Pädagogik praktizieren, welche sich an den Bedürfnissen
der Schüler orientiert und kreatives Denken stimuliert. Ein Schüler
erinnert sich: "Die übrigen Lehrer hatten uns wie kleine Bengel
behandelt, Sartre aber sprach uns als Erwachsene an ... und zwang uns zum
eigenständigen Denken." Alle fünf Abiturientengenerationen,
die Sartre als Lehrer hatten, berichten voller Sympathie von ihm.
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