Das Lebensende als Triumph
einer Philosophie
Im Jahre 1980 nahmen Frankreich und die Welt Abschied
von Jean-Paul Sartre. 50.000 Menschen geleiteten seinen Sarg zum Friedhof
Montparnasse. Dies wollten die anteilnehmenden Menschen symbolisch verstanden
wissen. Neben der Trauer um den Toten wollten sie zum Ausdruck bringen,
daß Sartres Vision einer verantwortlichen, engagierten Lebensführung
breitenwirksam geblieben ist. Denn die Zeitzeichen standen wieder einmal
auf Umbruch. Die Dauerkrise der westlichen Volkswirtschaften mit Auswirkungen
wie hoher Arbeitslosigkeit und enormer Staatsverschuldung hatte eine Atmosphäre
sozialer Kälte heraufbeschworen. Sozialistische und sozialreformerische
Theorien und Politikkonzepte drohten ins Hintertreffen zu geraten. In England
und Amerika feierte ein kaltschnäuziger Konservativismus Wahlerfolge.
Die Opfer der ökonomischen Krise wurden in der Sichtweise konservativer
Politikauffassung zur lästigen Konkursmasse einer notwendigen Modernisierungs-
und Umstrukturierungsphase. Die Menschen, die auf dem Weg zum Friedhof
Montparnasse dem Toten ihre letzte Ehre erweisen, demonstrieren gleichzeitig
im Geiste Sartres gegen den Geist der Zeit. Verantwortung für die
eigene Existenz ist immer auch Verantwortung für den anderen, zumal
dann, wenn seine Position eine schwache ist. Dies wollen die Trauernden
der Macht ins Gewissen schreiben. Sartre wird zu Grabe getragen. Doch die
Philosophie des Engagements lebt weiter.
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