Bauhaus

Das Bauhaus 1919 bis 1933






Inhaltsverzeichnis


Ursprünge und Vorgeschichte
Die Gründung des Bauhauses
Anfänge (1919 bis 1923)
"Kunst und Technik - eine neue Einheit" (1923 bis 1925)
Das Bauhaus in Dessau (1925 bis 1928)
Die letzten Jahre (1928 bis 1933)
Schlußgwort
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Ursprünge und Vorgeschichte


Das ideelle Ziel des Staatlichen Bauhauses, das von 1919 bis 1933 existierte und als "Volkseinheitsschule auf der Basis des Handfertigkeitsunterrichts" (Gropius) verstanden werden wollte, bestand in der Schaffung einer Werkeinheit. Sie war für den Architekten Walter Gropius, der erster Leiter des Bauhauses war, die Voraussetzung für eine moderne Architektur, die als Gemeinschaftswerk aller Künste mit der Architektur verstanden werden sollte. Kunst und Industrie sollten keine Gegensätze bilden, sondern sich gegenseitig inspirieren.
Das Vorbild des Bauhauses bildete somit die mittelalterliche "Bauhütte", bei deren Bau die Verbindung der Kunst und dem Handwerk noch vorhanden und der Stoff selbst Anlaßg der Gestaltung war. Diese Verbindung ermöglichte die künstlerische Gestaltung innerhalb jeden Lebensbereiches, denn Kunstwerke entstanden auf die selbe Weise wie die einfachen Gebrauchsgegenstände. Dagegen entwickelten die staatlichen Manufakturen des späten 17. Jahrhunderts das Prinzip der rationellen Fertigung von Waren, bei denen der Stoff ausschließglich das Rohmaterial des zu schaffenden Produktes darstellte. Mit der Industrialisierung des frühen 19. Jahrhunderts verselbstständigte sich die Herstellung eines Gebrauchsgegenstandes völlig. Die maschinelle Produktion war darauf ausgerichtet, soviel Gewinn wie möglich zu erzielen. Folglich entstanden zwei vollkommen verschiedene Formen des Schaffens. Zum einen die des Arbeiters, der in der Manufaktur einen Teilvorgang der Herstellung übernahm oder in der Fabrik die produzierende Maschine bediente und zum anderen die Form des Künstlers, der an den Akademien ausgebildet wurde. Diese Zeit bestand hauptsächlich aus Einzelleistungen in der Kunst und beschränkte sich vor allem auf die Malerei. Die Weltausstellung 1851 war ein erster Schritt einer Vermittlung zwischen künstlerischem und industriellem Schaffen.
Gruppierungen wie der "Deutsche Werkbund" oder die Architekten und Designer Adolf Loos, Henry van de Velde, Frank Lloyd Wright, Louis Sullivan, Richard Riemerschmid, Bruno Paul, Joseph Maria Olbrich und Peter Behrens kritisierten die rückwärtsgewandte Verehrung des Handwerks zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die rationellen Herstellungsverfahren der Industrie mußgten mit den handwerklichen Gestaltungsweisen verbunden werden. Die Zusammenarbeit von Künstlern, Architekten und Designern unterstützte diese Entwicklung, unter anderem arbeitete Peter Behrens für die Berliner AEG als Gestalter (Turbinenhalle, 1909) und Hermann Muthesius entwarf sachliches Design zur industriellen Fertigung.


Die Gründung des Bauhauses


Mit dem Bekenntnis zur Maschine war der Weg frei zu neuen Kunstrichtungen und somit auch zum Bauhaus.
1894 schrieb der Belgier Henry Clemens van de Velde: "Durch das mächtige Spiel ihrer Eisenarme werden sie (die Maschinen) Schönes erzeugen, sobald die Schönheit sie leitet." Man strebte nun nach Sachlichkeit und Nützlichkeit eines Produktes. "Kunst und Maschine" bedeutete natürlich auch "Kunst und Industrie", 1906 begannen die "Deutschen Werkstätten" (gegr. 1894) mit der industriellen Herstellung von Möbel "aus dem Geist der Maschine". Durch Typisierung wollte man die Produktivität und den Gewinn steigern. Mit diesen Vorstellungen wurde der "Deutsche Werkbund" 1907 gegründet. Ihm gehörten viele Künstler und Unternehmer an (u. a. Walter Gropius, 1912). Das elementare Ziel des "Deutschen Werkbundes" war die "[...] Qualität nach Material, Technik und Form, erzeugt durch Zusammenarbeit von Handwerk, Industrie und Handel mit dem Künstler." Dieses Zusammenwirken in den Werkstätten sollte die Herstellung funktionaler Gebrauchsgegenstände von hoher ästhetischer Qualität und die industrielle Massenproduktion ermöglichen. Die Architekten und Gestalter sollten wieder an die Tradition des Handwerks herangeführt werden, welches das Fundament für die Schönheit der Industrieprodukte bildete. Diese Ideale des Handwerks und der Bezug zur Industrie übten großgen Einflußg auf das spätere Bauhaus und sollte dessen Grundidee bis in die 20er Jahre hinein bleiben. Einen wichtigen Impuls erhielt das ideelle Ziel des Bauhauses, der Bau als Gesamtkunstwerk, auch von der Darmstädter Künstlerkolonie Mathildenhöhe, die von dem Großgherzog Ernst-Ludwig von Hessen 1898/99 gegründet wurde und viele bedeutende Künstler wie Peter Behrens und Joseph Maria Olbrich vereinte. Die handwerkliche Produktion und die Formensprache des Jugendstils sollten zu einer Einheit gelangen. Weiteren Einflußg übten deutsche und internationale Bewegungen, die sich vor und kurz nach dem Ersten Weltkrieg gegründet hatten, auf das Bauhaus aus, dazu zählten "Der Sturm" um Herwarth Walden, der "Arbeitsrat für Kunst", die "Novembergruppe", die Gruppe "De Stijl" (Piet Mondrian, Theo van Doesburg) und verschiedene Gruppierungen des russisch-sowjetischen Suprematismus und Konstruktivismus. Sie wendeten sich zur Realität, damit auch zu der Neubestimmung der Rolle des Künstlers und übten Kritik gegen die Ausbildung an Akademien und der Kulturbürokratie.
Das Bauhaus baute auf der Tätigkeit Henry Clemens van de Veldes in Thüringen auf. 1902 ging dieser nach Weimar und leitete ab 1908 die dortige Kunstgewerbeschule. Durch den Krieg mußgte der Belgier seine Tätigkeit einstellen. Als Nachfolger schlug er den Architekten Walter Gropius vor, der durch den Bau der Fagus-Schuhleistenfabrik in Alfeld und durch die mit Adolf Meyer geschaffene Modellfabrik mit Bürohaus auf der Werkbundausstellung von 1914 in Köln Aufmerksamkeit erregt hatte. Am 1. April 1919 trat Gropius sein Amt als Leiter der Kunstgewerbeschule an, die in "Staatliches Bauhaus in Weimar" umbenannt wurde. Durch den nicht unerheblichen Widerstand gegen die neue Kunstausrichtung und speziell gegen die künstlerische Ausbildung konnte Gropius erst nach dem Krieg beginnen. Als Ziel seiner späteren Arbeit nannte er 1916 die Schaffung einer "Arbeitsgemeinschaft zwischen Künstler, Kaufmann und Techniker, die, dem Geist der Zeit entsprechend organisiert, vielleicht imstande sein könnte, auf die Dauer alle Faktoren der alten individuellen Arbeit zu ersetzen: Denn der Künstler besitzt die Fähigkeit, dem toten Produkt der Maschine Seele einzuhauchen: seine Schöpferkraft lebt darin fort als Ferment. Seine Mitarbeit ist nicht Luxus, nicht gutwillige Zugabe, sie mußg unentbehrlicher Bestandteil in dem Gesamtwerk der modernen Industrie werden."


Anfänge (1919-1923)


In der ersten Phase des Bauhauses sammelte Gropius eine Reihe von Persönlichkeiten, unter anderem den Schweizer Kunstpädagogen Itten, den Plastiker Marcks, den Architekten Meyer, den Graphiker und Maler Reininger. In dem Zeitraum von 1920-1923 kamen die Maler Schlemmer, Klee, Kadinsky und Moholy-Nagy hinzu. Das erste gemeinsame Werk war die Schaffung einer Ausbildungsform, die dem Ziel des Bauhauses angemessen war. Als erster Grundsatz der Lehre galt, daßg Kunst nicht erlernbar ist, wohl aber ein Können der Hand und ein gründliches Wissen als Vorraussetzung für alle gestaltende Arbeit, für die Leistung des einfachen Arbeiters ebenso wie für die des genialen Künstler. Man praktizierte die Einheit von wissenschaftlich-theoretischem und künstlerisch-praktischem Unterricht und bezeichnete die Ausbildung als "Schlagader der Bauhausarbeit" (Gropius).
Die Ausbildung umfaßgte eine dreijährige Lehrzeit, die gleichermaßgen eine Werk- und eine Formlehre beinhaltete. Durch die Werklehre sollte der Lehrling in unmittelbaren Kontakt mit den Industriebetrieben geraten und den Produktionsprozeßg einschließglich der wirtschaftlichen Vorgänge kennenlernen. Sie endete mit dem Erhalt des öffentlichen Gesellenbriefes. Am Anfang der Ausbildung stand eine Vorlehre, die Arbeit in verschiedenen Werkstätten und eine elementare Formlehre umfaßgte. Sie sollte dem Lehrling helfen seine individuellen Ausdrucksmittel zu erkennen und richtig einzuschätzen. Der letzte Abschnitt der Bauhauslehre war geprägt durch die kollektive Arbeit. Die Gesellen experimentierten im Entwurfsatelier und auf dem Probierplatz, bildeten sich in den Werkstätten für Stein, Ton, Holz, Metall, Gewebe, Farbe und Glas weiter. Schließglich arbeiteten sie an den Bauaufgaben des Bauhauses mit, die sie gemeinsam und mit Hilfe der Ausbildungszweige lösen sollten. Die Ausbildungsweise des Bauhauses fand auch Kritik, welche sich dadurch äußgerte, daßg Vertreter der freien Kunst und der freien Künstlerindividualität das Bauhaus 1923 verließgen und eine konkurrierende Kunsthochschule gründeten. Weiterhin meinte man, daßg die handwerkliche Orientierung der werkmäßgigen Ausbildung ein Widerspruch zum Ziel der industriellen Produktion ist. Aber auch politischer Druck wurde auf das Bauhaus ausgeübt. Gropius verbot jegliche politischen Tätigkeiten innerhalb des Bauhauses, um Schwierigkeiten durch staatliche Institutionen oder politische Gruppen zu vermeiden.
Dieser erste Abschnitt wird als "expressionistische" Phase charakterisiert. Gropius formulierte im Manifest des Bauhauses 1919: "Das Endziel aller bildenden Tätigkeit ist der Bau! Bauen wir also eine neue Zunft der Handwerker ohne die klassentrennende Anmaßgung, die eine hochmütige Mauer zwischen Handwerkern und Künstler errichten wollte! Wollen, erdenken, erschaffen wir gemeinsam den neuen Bau der Zukunft, der alles in einer Gestalt sein wird: Architektur und Plastik und Malerei, der aus Millionen Händen der Handwerker einst gen Himmel steigen wird als kristallenes Sinnbild eines neuen kommenden Glaubens." Die (Bau-) Projekte des Bauhauses konnten nur als Gesamtkunstwerk definiert werden, nicht aber als funktionelle, die Lebenspraxis gestaltende Bauten. Ein Beispiel eines Versuchs der Verwirklichung des Gesamtkunstwerkes war das Blockhaus Sommerfeld in Berlin, das von Walter Gropius und Adolf Meyer gebaut wurde und an dem die Werkstätten für Holzbildhauerei, Tischlerei, Wandmalerei und Glasmalerei beteiligt waren.


"Kunst und Technik - eine neue Einheit" (1923 - 1925)

Um sich an die industrielle Produktion anzupassen, gab man das ursprüngliche Ziel der Einheit von Kunst und Handwerk auf und widmete sich der Erarbeitung der technischen Grundlagen für die industrielle Serienfertigung. Die neue Losung hießg ab 1923: "Kunst und Technik - eine neue Einheit". Die Grundlage der Ausbildung, die handwerkliche Praxis, blieb allerdings erhalten. Man entfernte sich von der Vision des "Gesamtkunstwerkes". Durch den Einflußg des Konstruktivismus und des Funktionalismus, vor allem durch die "De Stijl"-Gruppe und dem russisch-sowjetischen Konstruktivismus, sowie die These von Le Corbusier vom "Haus als Wohnmaschine" wurde der Begriff des "Gesamtwerks" durch Moholy-Nagy geprägt. Oskar Schlemmer: "Abkehr von der Utopie. Wir können und dürfen nur das Realste, wollen die Realisation der Ideen erstreben. Statt Kathedralen die Wohnmaschine. Abkehr also von der Mittelalterlichkeit und vom Begriff des Handwerks, und zuletzt des Handwerks selbst, als nur Schulung und Zweck der Gestaltung. Statt Ornamentationen, in die ein unsachliches oder ästhetisches, von mittelalterlichen Begriffen geleitetes Handwerk notwendig verläuft, sachliche Objekte, die Zwecke dienen."
1923 fand eine Austellung der bisherigen Arbeit statt, durch die das Bauhaus international bekannt wurde. Im Mittelpunkt stand ein überblick über die moderne Architektur, welche vom Amerikaner Wright, dem Schweizer Le Corbusier und dem Holländer Oud repräsentiert wurde. Das Neue im Gebäudebau war die Verlagerung der tragenden Funktion der Wände auf ein Stahlbetongerüst, das eine größgere öffnung des Baues durch Glaswände ermöglichte. Außgerdem gewannen die Raumachsen und scheibenförmige Durchbildung des Raumkörpers an Bedeutung. Das Bauhaus war mit einem Modellhaus für eine Siedlung aus industriell gefertigten Bauelementen vertreten. Die gesamte Einrichtung wie Möbel, Lampen, Bodenbelege und Türklinken wurden in den eigenen Werkstätten hergestellt, der Teamgeist am Bauhaus spielte eine großge Rolle.
1924 wurde das Etat des Bauhauses um 50% gekürzt, die Institution in Weimar wurde am 1. April 1925 aufgelöst.


Das Bauhaus in Dessau (1925 - 1928)


1925 siedelte das Bauhaus nach Dessau über. Die Stadt befand sich in einer schnellen wirtschaftlichen und industriellen Entwicklung, bietete dem Bauhaus optimale Aufgaben. Fabrikanlagen, Siedlungen und Wohnungen für Arbeiter und Angestellte mußgten geschaffen werden.
Als Gemeinschaftsleistung entstand nach dem Entwurf von Gropius das Bauhausgebäude mit sieben Meisterhäusern. Es wurde am 4. Dezember 1926 eingeweiht. Das Gebäude mit seiner Glasfassade und seiner Stahlbetonkonstruktion gilt auch heute noch als Meilenstein des Neuen Bauens.
Ab 1926 konnte sich das Bauhaus "Hochschule für Gestaltung" nennen und die Meister wurden zu Professoren ernannt. Neue Werkstätten für Typographie, Reklame und Fotographie sowie die plastische Werkstatt wurden eingerichtet, zudem kam 1927 eine Architekturabteilung.
Die wirtschaftliche Stabilität ermöglichte eine rege Tätigkeit, die Popularität und Anerkennung wuchs. Dies wurde unterstützt mit der publizistischen Tätigkeit durch die "Bauhausbücher" und Zeitschriften, welche sich einen eigenen Arbeitsbereich bildete. Viele Entwürfe der Werkstätten wurden in Lizenz hergestellt, unter anderem Industriedessins (Muster) für Möbelstoffe, Bodenbeläge, Wandbehänge, Kleidung, Tapeten, Lampen, Geschirr, Möbel - raumsparende Konstruktionen wie Klapptisch und -bett und die Stahlrohrsitzmöbel von Marcel Breuer.
Die zentrale Aufgabe des Bauhauses war die Entwicklung des modernen Siedlungsbaus als ästhetisches und soziales Problem. Dazu wurden in Dessau-Törten Einfamilien-Reihenhäuser errichtet.
Das Kennzeichen der Produktivität des Bauhauses war der Funktionalismus. Man versuchte "durch systematische Versuchsarbeit in Theorie und Praxis die Gestalt jedes Gegenstandes aus seinen natürlichen Funktionen und Bedingtheiten herauszufinden... . Die Lebensbedürfnisse der Mehrzahl der Menschen sind in der Hauptsache gleichartig; Haus und Hausgerät ist Angelegenheit des Massenbedarfs, ihre Gestaltung mehr eine Sache der Vernunft als der Leidenschaft." Mit dem Konzept der "Wesensforschung" wollte man die größgtmögliche Funktionalität des Gebrauchsgegenstandes gewährleisten können. Das Bauhaus verstand sich zu dieser Zeit als akademisch-orientierte Hochschule für Architektur und industrieller Formgestaltung.


Die letzten Jahre (1928 - 1933)


Rechte Parteien und Gruppierungen gewannen seit 1927 immer mehr an Einflußg. Dies hatte Auswirkungen auf das Bauhaus. Es wurde als Brutstätte des Kulturbolschewismus verketzert und vom Dessauer Kleinbürgertum als Gefahr für die öffentliche Ordnung angesehen. Am 1. April 1928 übergab Walter Gropius die Leitung an den Architekten Hannes Meyer ab. Mit Gropius verließgen Moholy-Nagy, Herbert Bayer und Marcel Breuer ebenfalls das Bauhaus. Meyer kritisierte das Bauhaus und bekämpfte den Bauhausstil. Die Synthese von "Kunst und Technik" im Sinne eines "Gesamtwerkes" wurde aufgegeben. Die Organisationsstruktur war durch einen Dualismus geprägt, Ausbildungsziel war zum einen Künstler, bei dem die Intuition also das "Herz" im Vordergrund stand und zum anderen "Betriebs-" bzw. "Bauingeneur", bei denen mehr der Intellekt also das "Hirn" beansprucht wurde. Außgerdem führte Meyer einen samstäglichen Sportunterricht ein und der Produktionsbetrieb in den Werkstätten wurde erweitert. Höhepunkt unter seiner Leitung war der Entwurf und Bau der Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftbundes (ADGB) in Bernau, der ein gutes Beispiel für die auf die Realität bezogene Arbeit des Bauhauses war. Meyers Motto war "Volksbedarf statt Luxusbedarf", die Produktion wurde auf die kostensparende industrielle Massenproduktion und die Verwendung von billigen Materialien ausgerichtet, die die Erzeugnisse für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich machte. In der Möbelwerkstatt entstanden zusammenklappbare Stühle und Tische, ergonomische Untersuchungen führten zu den gerundeten Formen bei Sitzflächen und Lehnen von Stühlen, 1929 wurden in der Malereiwerkstatt die Bauhaustapeten entwickelt und die Weberei untersuchte die Schaffung strapazierfähiger "Gebrauchsstoffe".
Hannes Meyer wurde aufgrund seiner sozialistischen überzeugung und dem Druck gegen die "syrisch-jüdische Wüstenarchitektur" und den "kunstlosen Edelbolschewismus" des "roten Bauhauses" 1930 entlassen.
Die letzten drei Jahre des Bauhauses in Dessau und später in Berlin (ab 1932) standen unter der Leitung von Ludwig Mies van der Rohe. Arbeiten von ihm waren der "Barcelona"- und "Tugend-hat"-Sessel und der deutsche Ausstellungspavillon von 1929 in Barcelona, bei dem sein besonderes Verhältnis zum Material deutlich zum Vorschein kam. Der Pavillon bestand aus geschliffenen Wandscheiben in Travertin, grünem Marmor und Onyx, farbig getönten Glasflächen und glänzend verchromten Stahlträgern.
Die ehemalige "Hochschule für Gestaltung" beschränkte sich auf einen akademischen Lehrbetrieb und auf die formgestaltende Arbeit. Die Architektur gewann an Bedeutung während die Werkstattarbeit vernachlässigt wurde. Der Produktionsbetrieb der Werkstätten wurde vollkommen eingestellt, was mit der Wirtschaftskrise und der daraus folgenden finanziellen Bedrängnis des Bauhauses zu tun hatte. An realen Projekten wurde nicht gearbeitet.
Trotz der Arbeit in der Stille und politischen Wohlverhaltens trat das Ende des Bauhauses am 20. Juli 1933 ein. Es beschloßg die Auflösung nachdem die erstarkenden Nationalsozialisten die Gleichschaltung von Lehrkörper und Lehrplänen gefordert hatten.


Schlußgwort


Das Bauhaus nimmt in der Reihe der Kunstschulen eine Sonderstellung ein. Die Qualität der "Hochschule für Gestaltung" und die geschaffenen Werke weiteten die Perspektive für die moderne Architektur und Kunst. Der Versuch einer "Werkeinheit" war sicherlich ein wichtiger Schritt, der im 19. Jahrhundert entstandenen Spaltung zwischen industrieller Produktion und dem Handwerk entgegenzuwirken. Die Architektur war revolutionär, die tragende Funktion der Wände wurde auf ein Stahlbetongerüst verlagert, die Bauten erhielten durchgehende Fensterfronten und Blockformen, sie waren nicht verputzt und hatten kaum Verzierungen, hinzu kam die Verwendung neuer Baumaterialien wie Beton und Eisen. Die Lehren zur Werkkunst und Gestaltung waren stilbildend für das 20. Jahrhundert. Nach der Emigration vieler Bauhauskünstler (Albers, Breuer, Gropius, Mies van der Rohe) aus dem faschistischen Deutschland gaben sie ihrer Schule eine weltweite Ausstrahlung. In den USA gründete Moholy-Nagy 1937 in Chicago ein "New Bauhaus", welches das heutige Institute of Design ist.





written by Rene Simon '96