Modernes Grafik Design

von Conrad Seifert
ku 12 (Paproth), Mai 1996



Inhalt
1. Was ist Graphic Design?
2. Anfänge des Graphic Design
3.1 Beginn des modernen Graphic Design
3.2 Modenes Graphic Design
4. Der Flyer: Analyse eines Designobjekts
5. Persönliche Stellungnahme

Was ist Graphic Design?

Graphic Design ist eine visuelle Sprache, die uns in unserem täglichen Leben umgibt. Sie beschäftigt sich mit der Präsentation von Ideen die durch Verbindung von Text und Bild übertragen werden sollen. Theoretisch gibt es dabei keine Regeln und Vorschriften. Das Graphic Design ist aber ein zweckgebundener Prozeß, der durch sein technische Faktoren bestimmt wird, so konnte z.B. Ende des 19. Jahrhunderts noch nicht mit Fotos gearbeitet werden. Deshalb muß der Designer die Ansprüche und Forderungen des Adressaten und des Auftraggebers beachten. Andererseits muß er sich natürlich auch selber einbringen und seine Gefühle und Inspirationen umsetzen.

Die Anfänge des Graphic-Design

Mit der Industriellen Revolution beginnen die Ursprünge des Graphic-Design. In den Straßen der expandierenden Städte des endenden 19. Jahrhunderts waren Kunstposter der Ausdruck des aufblühenden wirtschaftlichen und kulturellen Lebens. Die Poster sollten zum Kaufen anregen und Zuhörer für Theater, Revuen und Shows werben.
Sie zeichneten sich besonders durch ihre Farbigkeit aus, mit der sie die Aufmerksamkeit der Passanten erlangen sollten. Den Künstlern dieser Poster war vorallem der ästhetische Anspruch wichtig. Aus diesem Grund spricht man von Kunstpostern. In diesen gab es keinerlei Tiefe, da Licht und Schatten nicht vorhanden waren und ein einfarbiger meist dunkler Hintergrund hinter den Figuren lag. Deshalb bestimmte die Zweidimensionalität die Poster, auf denen hauptsächlich mit gemalten Bildern gearbeitet wurde. Diese wurden per Hand auf die Oberfläche der Lithographiedrucksteine ( für jede Farbe einer) gebracht. Dieses Lithographiedruckverfahren, mit dem bis 1960 gearbeitet wurde, gab den Künstlern die Möglichkeit, ihre eigene Schrift zu setzen, bisher hatte dies der Drucker übernommen. Diese Kontrolle über das Produktionsverfahren bedeutete Ende des !9. Jahrhunderts den Anfang des Graphic Design. Die Vertreter dieser Grafikkunst waren Lautrec und Chéret.
Im Jugendstil oder Art Nouveau trat auf dem Blatt Papier die Schrift mehr und mehr in den Vordergrund der Arbeiten. Diese waren hauptsächlich aus dem Mittelalter und der Renaissance. Ornamente und Verzierungen wurden zu Bestandteilen des Graphic-Design dieser Epoche zwischen 1890 und 1914. Bekannte Industriedesigner wie Morris und Mackintosh machten auch Graphic Design. Sie gestalteten Bücher und Journale, in denen sie Dekoration, Illustration und Text verschmelzen ließen.
In Deutschland arbeiten neben Peter Behrens, der die Logotype der Firma AEG designte, die Designer Hans Rudi Erdt und Julius Gipkens. Sie wurden durch ihren Stil "Sachplakat" bekannt. Ihre Poster beschränken sich auf das Objekt für das Reklame gemacht wird und auf den Markennamen.
Das Poster für die Automobilfirma Opel von Erdt hatte nur flache Farben (schwarz, blau, grau und zwei verschiedenen Brauntöne), denn sein Hauptaugenmerk lag auf der sehr großen und schweren Schrift. Besonders auffällig war dabei das O im Logo, denn es war kreisrund. Normalerweise hätte es schmaler sein müssen, aber es sollte einen Reifen symbolisieren.

Beginn des modernen Graphic Design

Mit dem Bauhaus, das im Jahre 1919 gegründet wurde, vollzog sich auch im Design der Schritt von Expressionismus hin zu Funktionalismus vom Kunsthandwerk zu Design für maschinelle Produktion. Bauhausbücher, die hauptsächlich vom ungarischen Maler Laszlo Moholy Nagy designt wurden, besaßen alle die gleichen typische Elemente, was als Bauhaus-Typographie bezeichnet wurde- eine Sans-Serif-Type, übergroße Nummern und horizontale und vertikale Balken. Die Basis dieser Elemente war eine strenge Geometrie, denn Geometrie ist die Basis der Funktionalität. Die Schrift wurden alle geometrisch entworfen. Dadurch entstand eine Klarheit in der Gestaltung. Das Ziel dieses typographischen Layouts war die Kommunikation, für die Graphic das Medium war.
Nach 1945 machten sich die Graphic Designer in den USA zu einem akzeptierten Teil der Kommunikation zwischen den Firmen und ihren Kunden, denn die Wirtschaft und die Industrie brauchten sie. Hinzu kam eine neue Drucktechnologie. Die Druckerpresse mit ihren Metallplatten löste die Lithographie ab. Über Folien , welche die Designer selber herstellten, wurden und werden heute noch die einzelnen Druckplatten mit vielen kleinen Punkten hergestellt, dadurch lassen sich sehr genaue Abstufungen in den einzelnen Tönen erreichen.
Eine zweite wichtige Strömung, welche die Grundlage des Layouts von Zeitungen und Zeitschriften unserer Zeit bildet, ist die " Schweizer Typographie ". Karl Gerstner ein Schweizer Maler, der mathematische Ideen und Systeme in das Graphic Design einbrachte. Für ihn hatte Graphic Design nichts zu tun mit Kunst. 1957 entwickelte er die kontrollierten Raster, um die Ideen seines Layout besser kontrollieren zu können. In seinem Design verlor die Dekoration an Bedeutung und man konzentrierte sich auf das Wesentliche. Der Ausdruck einer Idee stand im Vordergrund und nicht der ästhetische Anspruch.

Modernes Graphic Design

Während der 60iger Jahre baute das Graphic Design seine wichtige Rolle in der Wirtschaft weiter aus. So war z.B. Kanada 1960 das erste Land, das beschloß, daß sie mehr als eine Flagge benötigten. 1980 war Kanada das erste Land mit einer eigen Logotype. Dieser Trend, der heute überhaupt nicht mehr wegzudenken ist, setzte ungefähr 1970 ein. Graphic Design mußte durch eine Logotype ein Image geben, an das sich jeder Mensch wenn er sie sieht erinnern kann. Dies zeigt welchen wichtigen Stellenwert Graphic Design in unserer Konsum orientierten Wirtschaft übernommen hat. Heutzutage ist Graphic Design ein wichtiger Bestandteil des Marketings einer Firma. Durch ein Logo präsentiert sie sich und erhält ihr Image. Sehr großen Einfluß auf das Graphic Design der 70iger Jahre übte die klare und übersichtliche Schweizer Typographie mit ihren Rastern und serifenlosen Schriften aus.
Mit der Einführung des Computer in das Graphic Design spricht man von einem Quantensprung, denn dadurch stiegen die Möglichkeiten der Designer ins Unvorstellbare. Außerdem wurde der breiten Masse ein leicht zu beherrschendes und bezahlbares Equipment in die Hand gegeben und jeder konnte im Prinzip Graphic Design machen. Es entstanden zwei verschiedene Strömungen als Antwort auf die "Schweizer Typographie". Eine die sich auf mit einer kulturellen Strömung verband und eine die Elemente aus der Schweiz übernahm und weiterentwickelte. Diese hieß " New Wave". Dieser Stil war hauptsächlich in den USA und in Holland weit verbreitet. Dort wurden die Photographie und die neue elektronischen Möglichkeiten genutzt, um sich von den alten Formen zu lösen, so daß ein roher, improvisierter und unverfrorener Stil entstand. Mit den Computer konnten die Designer einen komplexen Sinn schaffen. Sie schichteten und blendeten Bilder und Text ein, anstatt sie in die horizontalen und vertikalen Raster einzubinden. Wolfgang Weingart war der Begründer dieses Stiles, in dem Schrift und Bild mit Hilfe der neuen Technologien nach belieben manipuliert wurden. Er spielte mit den formalen Elementen der Schweizer Typographie, wie Schrift gesetzt werden mußte und verwendete serifenlose Schriften. Er hatte großen Einfluß auf die in Detroit ansässige Schule Cranbrook Academy of Art, deren Leiterin Katherine McCoy war und an der auch Charles Eames in den 40iger Jahren gelehrt hatte. Eine Studentin Weingarts April Greiman, die Art Director des California Institut of Art ist, bestimmte vorallem das kalifornische Graphic Design. Sie wurde durch ihre Collagen, in denen sie Bilder sich überlappen ließ, so daß eine Perspektive entstand, weltberühmt.
Im Gegensatz dazu entstand in Großbritannien in Verbindung mit der Punkkultur ein anderer Stil, dessen Wunsch es war zu schockieren. Man arbeitete mit aus populären Zeitungen herausgerissenen Texten und Bildern und verband diese miteinander. Außerdem nutzen die Designer das alte Druckverfahren der Lithographie wieder. Dieser Stil wurde auch als Anti-Design bezeichnet. Die ab 1980 erscheinende Zeitung "The Face" und ihr Art Director Neville Brody zähmten diesen Stil und brachten ihn in eine konsumentenfreundliche Form. Er belebte das konventionelle Layout von verbraucherorientierten Magazinen, indem er die Überschriften in bizarre Formen brachte und die herkömmlichen Textformen ohne eine bestimmte Form manipulierte. Neville Brody hat z.B. die Logotypen der Fernsehsender Premiere und 3 Sat designt.

Die Analyse des Flyer, ein Modernes Grafik Designobjekt



Der Flyer ist ein Berliner Stadtmagazin. Es gibt allen Partygängern und allen anderen die gerne Weggehen wichtige Tips, was man unternehmen könnte. Der Flyer entstand aus einer Idee heraus vor ungefähr eineinhalb Jahren, die Initiatoren wollten alle Flyer zusammentragen und den Leser Zeit abnehmen nach allen möglichen Flyern der Stadt zu suchen. Durch den Flyer hat der Leser aktuelle und allumfassende Informationen über Parties, Konzerte und Filme Berlins. Der Anspruch Informationen zu übertragen ist seine Hauptaufgabe. Da alle Flyer in diesem Heft zusammen getragen sind, ist es sehr ökonomischen und umweltfreundlichen. Jedoch wird die Kreativität von Grafik Designer, die Flyer designen, wird nicht eingeschränkt, denn es werden auch Flyer direkt abgedruckt.

Das A6 große Heft beginnt auf seinem Cover mit einem Bootleg (Veränderung) des Designs eines Markenartikels. Es trägt die Aufschrift des Namens des Heftchens, den Zeitraum der Gültigkeit und die Orte in denen es erhältlich ist. Die Idee einen Markenartikel zu verändern, war am Anfang nur Spielerei, denn uns umgeben täglich irgendwelche Marken in unserer Konsumgesellschaft. Anfänglich gab es mit dem Cover auch öfters mal Probleme und die Firmen haben gegen die Verteilung des Heftchens eine einstweilige Verfügung gerichtlich eingeklagt. Auf der ersten Innenseite befindet sich eine Anzeige. Das Vorwort heißt Abflug und ähnelte in den ersten Ausgaben einem Flugticket. Auf den darauffolgenden Seiten befinden sich in verschiedene Rubriken eingeteilt wichtige Informationen zu Clubs, Musik, Kunst und Geschehnissen, Polaroids von Partys, Partydaten, DJ-Vorstellungen, Plattentips und -kritiken, Filmtips und die wichtigsten Adressen. Die Daten der Partys sind in einer Wochenübersicht in der Mitte des Heftchens abgedruckt, denn sie stellen die Hauptinformation des Flyers dar. Diese Informationen bestehen aus dem Datum, Wochentag, Beginn der Party, Club sowie den DJs der Veranstaltung. In den Clubs ist hauptsächlich Techno/House und Hip-Hop/Acid Jazz zu hören.
Das Layout der Texte ist immer verschieden und versucht schon in der Überschrift einen Hinweis auf den Inhalt des Textes zu geben. Dabei ist Schrifttype der Überschrift eines Textes meistens die gleiche. Eine Ausnahme bilden die Überschriften in der Rubrik News, dort besitzt jeder Text seine individuelle Schrifttype für die Überschrift. Die Texte sind unter der Rubrikenleiste mit verschiedenen Ikons (Zeichen), die die Rubrik symbolisieren, mehr oder weniger an konventionelle Rasterformen gebunden abgedruckt. Die Schrift der Texte ist immer die gleiche serifenlose, da der Inhalt des Textes am wichtigsten ist, und mit einer Größe von 5 Punkten gut zu lesen. Tiefe besitzt das Layout nur sehr selten wie z.B. in der Wochenübersicht der Clubdaten. Die Farbigkeit ist durchwachsen teilweise sehr farbig und etwas verwirrend, jedoch ist der Text immer zu lesen, denn die Lesbarkeit steht im Vordergrund, da man Informationen vermitteln will. Schrift und Bild sind so miteinander verbunden, daß sie versuchen die Blicke des Lesers auf sich zu ziehen, wobei entweder das Foto oder der Text mehr betont wird, was von der Aussagekraft der einzelnen abhängt. Um eben die Information nicht zu stark zu vernachlässigen, ist der Untergrund sehr flach und nur geringfügig betont.


Persönliche Stellungnahme


Mir persönlich gefällt das Layout des Flyer sehr gut, es versucht sich von herkömmlichen Informationsmagazinen zu lösen und trotzdem gut die Informationen zu transportieren. Dabei hat der Flyer einen eigenen Stil entwickelt der sich an den Adressaten anpaßt. Da dies hauptsächlich junge und lebendige Menschen sind, ist auch das Layout dementsprechend farbenfroh und lebendig. Der Flyer versucht auch immer neue Maßstäbe in Bezug auf Jugendmagazin Layout zu setzen, ähnelt aber in gewisser Hinsicht auch anderen Zeitschriften der Techno und Housekultur. Dies ist eine Kultur, die sehr von visuellen Ausdrucksformen lebt. Trotzdem versucht man sich aber von diesen abzuheben, den der Einsatz von Farbe ist auf ein gewisses Maß begrenzt, so daß ich das Heft gerne lese. Auch finden nicht allzugroße Experimente mit der Schrift statt, so daß mehrere Schriften hintereinander gelegt werden, denn die Lesbarkeit ist oberstes Maxim.
Andererseits ist der Flyer ein typisches Beispiel für modernes jugendorientiertes Design. Die Designer versuchen ihr Design ständig zu ändern, dies gelingt dem Flyer relativ gut. Der Flyer hält den Mittelweg zwischen klar strukturierter Informationspräsentation und anspruchsvollen Graphic Design. Meiner Meinung nach hängt die Präsentationen von Informationen aber immer noch zu stark an herkömmlichen Formen wie man sie in Tageszeitungen findet. Natürlich hat man sich schon davon gelöst, aber die Grundzüge des Raster sind trotzdem vorhanden. Von diesen kommt der Flyer wie viele andere Magazine nicht so recht weg. Aber wahrscheinlich ist dies gar nicht ihr Anliegen, denn durch den Flyer sollen ja auch Informationen verbreitet werden und das ist vielleicht auch gar nicht anders möglich. Doch sollte zumindest auch der Versuch unternommen werden Innovationen zu starten. Ein anderes Problem des Modenen Graphic Design sind besondere Effekte, die von jedem Graphic Designer eingebaut werden möchten. Dabei verläßt man sich dann auf die Zufälligkeit des Computers. Genau dies ist absolut falsch, denn jeder der das macht wird bald an seine Grenzen stoßen. Ein letztes Beispiel für einen Graphic Designer, der immer neue Innovationen einbringt, ist David Carson. Er war Profisurfer und hat kein herkömmliches Kunststudium gemacht. Er versucht durch gezielte Regelbrüche Neues zu schaffen. Eine seiner Maxime ist es, nie etwas zweimal zu machen. Denn sobald man etwas zweimal macht wird es langweilig. In seinem Buch mit dem Titel "The end of print" kritisiert er dies und eben jene, welche die Möglichkeiten der neuen Technologien an die Stelle der eigenen Kreativität treten lassen und auf Zufälle des Computers hoffen oder sogar andere Designer kopieren. Er beweist, daß Innovationen im Graphic Design wohl nur noch von außen kommen können, da sich in der grafischen Tradition nicht sehr viel bewegt. Anfangs wurde sein Design mißachtet, doch heute gewinnt er einen Preis nach dem anderen und große Firmen wie z.B. Nike und Pepsi möchten durch ihn präsentiert werden.

Quellenangabe:
- "Graphic Design - a concise history", Richard Hollis, Thames and Hudson 1994
- "The end of print" David Carson,
- "The graphic language of Neville Brody"
- Ausgabe 16/95 der "EYE"
- Ausgabe 19/95 der "EYE"