Der Berliner Dom

Autor: Andreas Körner
12. Klasse (schriftliche Hausarbeit)
Kunst Basiskurs 1994/95

Berlin, der 30.10.1994


Inhaltsverzeichnis

  1. Kritik
  2. Die Vorgeschichte des Berliner Doms
  3. Analyse des Bauwerks
    Einbindung in das städtebauliche Ensemble und in die Landschaft
    Die Erscheinung des Baukörpers
    Die äußere Gestaltung des Baukörpers
    Die innere Gestaltung des Baukörpers
    Die Einbeziehung plastischer und malerischer Mittel in die architektonische Gestaltung
    Stillistische Einordnung
  4. Quellennachweis


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Kritik



Die Berliner Architektur beinhaltet die verschiedensten Stilrichtungen. Dies begründet sich aus der Geschichte Berlins. Berlin war über 40 Jahre geteilt, dies bemerkt man auch in der Architektur, der in der Zeit entstandenen Gebäude. Zu erwähnen wäre zum Beispiel die Karl-Marx-Allee. Diesen Architekturstil findet man in ganz "West-Berlin" nicht noch einmal. Der Stil wurde nämlich von der UDSSR übernommen. So orientierte sich der östliche Teil Berlins an der Architektur der UDSSR, und der westliche Teil orientierte sich an der Architektur der Westmächte.
Aber auch vor der Teilung war Berlin eine Stadt, die im Rampenlicht der Welt standte. Berlin war im 18. - 19. Jh. die bedeutendste Stadt überhaupt in Europa. Deutschland breitete sich in dem Zeitraum sehr weit aus, einigte sich und wurde so zur einer führenden europäischen Macht. Was auch der Hauptstadt dieses neu entstandenen und erstarkten Deutschland zu gute kam. In dieser Zeit boumte die Wirtschaft und damit auch der Bau neuer Gebäude. Ein Gebäude, welches in dieser Zeit entstand ist der "Berliner Dom". Er wurde von 1894 bis 1905 erbaut. Der Architekt dieses Bauwerks war J. Raschdorff.
Beim Anblick des "Berliner Doms" möchte ich mit Fontane sagen:"Es ist die Geschichte dieses Platzes und nicht seine Schönheit, die mich an ihn fesselt...". Der Dichter sagt das zur Westminster-Abtei in London, einem für den Kenner keineswegs überraschenden, sondern zulässigen Vergleichsbeispiel zum "Berliner Dom". Die Geschichte des Berliner Doms ist eng mit der Geschichte des deutschen Kaiserreiches verbunden. So ist auch zu verstehen warum so lange über einen Neubau des Doms geredet wurde. Mit jedem politischen Ereignis, was Deutschland erreichte, änderten sich auch die Pläne zum Domneubau.
Die große politische Bedeutung, welche Bauten im allgemeinen zukommt, zeigt sich an einer Aufgabe wie dem Berliner Dom, die auf so unmittelbare Weise aus langer Tradition mit Herrschertum und Macht verbunden war. Zweimal haben Revolutionen die Einstellung der Bautätigkeit erzwungen. 1848, als die begonnenen Fundamente des stülerschen "Basilika"-Baus unfertig liegengelassen werden mußten - weil die königliche Selbstherrschaft und damit die Grundlage der Finanzierung beseitigt war, so daß bis 1893 das "theuerste Gras von Berlin" darauf wachsen konnte; und 1918, als die Novemberrevolution das Ende der Beziehung Dom-Kaiserhaus herbeiführte, wodurch das Gebäude in Teilen der Ausstattung bis heute unvollendet erhalten blieb.
Die Bezeichnung "Dom" drückt eine Besonderheit aus. Der Berliner Dom ist weder eine Bischofskirche noch eine städtische Pfarrkirche, sondern eine Schloß-Pfarrkirche, der besondere Funktionen zukamen. Neben seiner liturgischen Funktion dient er von Anfang an als Zeremonial-, seit dem 16. Jahrhundert als Memorialstätte. Von da an verkörpert das Gebäude mehr die Staatlichkeit und eine protestantisch- politisch Gesinnung, als eine Predigtkirche. Die Neubauerwartung des frühen 19.Jahrhunderts war darauf gerichtet, durch den Dom ein Nationaldenkmal entstehen zu lassen. Diese Aufgabe wird danach von unterschiedlichen Positionen, sowohl auf das Königtum als auch auf die Nation, bezogen. Mit diesem Vorgang bildet sich die mehrteilige Funktion heraus, die dem Berliner Dom seither zu Grunde liegt: Predigtkirche, Zerermonierraum, nämlich als ein "Staatsfesthaus", sowie Memorialstätte. Unklarheiten über die Zuordnung dieser Aufgaben zu einem Übergeordneten Ganzen haben den Neubau von 1822 bis 1892 als Hauptursache verschleppt. Der Dombau mußte auf besondere Schwierigkeiten stoßen. Erst Friedrich III. hat sie Überwunden, indem er begann - Wilhelm II. hat es dann vollendet -, im Alleingang die von Raschdorff verwirklichte Bündelung der Aufgaben vorzunehmen.
Der vorhandene Dombau, so wie er jetzt zu sehen ist, ist das letzte Glied einer langen Kette von Dombauten, die seit dem 17. Jahrhundert gebaut wurden. All diese Bauten zusammengenommen spiegeln die Geschichte der deutschen Baukunst wieder, da die meisten deutschen Architekten ihren Beitrag zu ihm leisteten. Bis zum heutigen Dombau vergingen Jahrhunderte, in denen bedurfte es großer gesellschaftlicher und künstlerischer Anstrengungen, um die große Aufgabe zu verwirklichen.
Viele Betrachter des Doms sind erstaunt, daß der Berliner Dom eine so lange Vorgeschichte hat und das ihm viele Vorgänger vorrausgegangen sind. Es war aber immer ein kontinuierlicher Vorgang, dies kann man anhand der Pläne und Entwürfe feststellen. Allerdings spricht auch etwas dagegen, denn der heutige Dom ist ein völliger Neubau, vor dessen Errichtung der Vorgängerbau abgetragen wurde. Durch die zentrale Lage des Doms in der Innenstadt und früher am Schloß, kommt ihm eine große städtebauliche Bedeutung zu. Diese Bedeutung entsteht aus der engen Beziehung von Landesherrschaft und Monarchie. Heute ist der Dom Teil eines Bauensembles, dessen wesentliche geschichtlich gewachsene Struktur durch eine neue Gesellschaft und damit eine neue Sichtweise gekenntzeichnet ist. Auch die Funktion der historischen Gebäude hat sich Teilweise geändert (z.B. Museum für deutsche Geschichte im ehemaligen Zeughaus, (ehemaliges Kronprizenpalais, ehemaliger Marstall). Die Geschichte des Dombaus vollzog sich an verschiedenen Stellen. Erst nördlich des ehemaligen Schloßbaus und dann südlich des Schloßbaus. Deshalb ist das städtebauliche Umfeld besonders interessant, denn warum wird ein Standpunkt für ein solches Bauwerk ständig geändert? Dazu kamen noch über hundert Pläne und Entwürfe die zu einem Dombau führen sollten. Die Architekten wollten mit ihren Plänen aber kein einzelnes Bauwerk schaffen, sondern sie wollten mit der Fertigstellung des Bauwerks zugleich eine Wirkung auf die Stadt anstreben. Dabei mußten die Architekten die aktuellen politischen Ereignisse beachten. Im 17. Jahrhundert konnten die Architekten wie selbstverständlich noch von einer engen Beziehung von Dom und Schloß ausgehen. Aber dann im 19. Jahrhundert änderte sich die politische Situation und die Architekten mußten sich mit ihren Entwürfen anpassen. Die politisch motivierte Frage, ob Dom und Schloß einen eigenständigen Bereich und damit ein streng monarchisches Zentrum des Staates verkörpern sollten oder ob der Dom gar versetzt und der Bürgerstadt zugeordnet werden sollte, wird bis zuletzt immer wieder gegensätzlich beantwortet. Auch Raschdorff mußte sich diesen Hindernissen stellen. Dabei ist die Baugestalt die Raschdorff dem Berliner Dom gab kein Werk von Zufällen, sondern sie ist mehr aus dem Sinngehalt seiner Zeit und dem Ambitionen ihrer politischen Kräfte hervorgegangen. In Fachkreisen wird noch vielfach für die Bauten des Historismus angenommen, daß sie mehr aus Zufall entstanden sind, was aber nicht für jedes Bauwerk dieser Kunstepoche zutrift.
Raschdorff versuchte wie auch alle anderen Architekten seiner Zeit sich an Vorbildern oder Idealen zu orientieren, denn sie fühlten sich stilistisch der Vergangenheit verplichtet. In künstlerischer Hinsicht wird ein entsprechendes Bauwerk einmal von seiner Funktion her gestaltet. Zum anderen aber trachtet der Architekt, es an eine vermeintliche Idealität heranzuführen, die er über die Annäherung an ein geschichtliches Vorbild gewinnt, so daß als Ergebnis die Erscheinung sich von der Aufgabe löst.
Die Aufgabe bestand darin, für die Zwecke der Domkirche sowie der Begräbnisstätte einen räumlich- und künstlerischen Rahmen zu schaffen. Am ende des 19. Jahrhunderts steht diese Aufgabe unter dem Zwang, verschiedene Traditionen zu waren, die sich gegenseitig überlagern und durchdringen. Das ist einmal die Wahl der Neorenaissance als eines repräsentativen Absichten und Zeremoniellen Ansprüchen genügenden Vorbildstiles, welcher der Funktion gegenüber Anpassungsfähig ist, der keine bloße geschichtliche Form verkörpert, wie etwa die "Basilika" zu Zeiten Friedrich Wilhelms IV. oder die "Kathedrale" in den 60er Jahren. das ist zum anderen zweifellos das gesteigerte Interesse nach einer Kirche als "Staatsfesthaus", um sich derart in der Phase äußerster sozialer Konflikte selbst darzustellen.
In der Geschichte des Dombaus gab es drei rezipierte Baugestalten. Als erstes die mittelalterliche Kathedrale, zunähst im Verständnis städtebürgerlicher Baukunst; die altchristliche Basilika, im Verständnis der christlichen Monarchie; sowie der Kuppelbau nach dem Vorbild der italienischen Renaissance. Der als letztes erwähnte Kuppelbau spielt in der Baugeschichte des Berliner Doms seit 1810 eine besondere Rolle.

Die Vorgeschichte des Berliner Doms


Der Berliner Dom ist nicht als Bischofskirche entstanden. Sein einzigartiger Entwicklungsweg beginnt zwei Jahrhunderte nach der Gründung der Doppelstadt Berlin/Cölln. Im Jahre 1442 unterwirft Friedrich II die Stadt. Die Bevölkerung gibt ihm das Recht die Museumsinsel zu bebauen. Darauf baute sich Friedrich II eine wehrfähige Burg, die bald darauf von der Bevölkerung Schloß genannt wurde. Zur damaligen Zeit gehörte zu jeder Burg auch eine Andachtsstelle. So wird gleich daneben die Eramuskapelle gebaut. Sie ist also der Urururgroßvater des Berliner Doms. 1449 wird Cölln zur ständigen Residenz der brandenburgischen Kurfürsten. Dieses Ereignis macht einen sehr wichtigen und bedeutenden Mann auf Berlin/Cölln aufmerksam, den Papst. Er erhebt die Kapelle zur Pfarrkirche. Dies war schon etwas besonderes. Friedrich II hatte auch enge Verbindungen zum nächsten Papst Nikolaus V. Der erhob dann die Kirche zum Kollegiatstift. 1466 wurde die neue Kirche zum ersten Mal urkundlich als "Domkirche auf dem Schloß zu Cölln" bezeichnet. Die aufgestiegene Burgkapelle erfüllte die Funktion von Pfarrkirche und Stiftskirche gleichermaßen. Zur Domkirche wird sie in dem Zusammenhang, da Nikulaus V. den Kollegiatstift einrichtet. Die ist aber äußerst ungewöhnlich, weil die Architektur nicht den damaligen Normen für eine Domkirche entsprach.
Die Zweiteilung der Aufgaben ergab zwischen Landesherrschaft und dem auch als Domkirche bezeichneten Kollegiatstift eine enge Verbindung. Friedrich II wandelte 1469 den Kollegiatstift in einen Domstift um. Dieser Domstift tritt am 20.1.1469 ins Leben, und er erreicht in den darauffolgenden Jahren die führende Stelle in Berlin und Cölln.
1536 wird der Domstift in das benachbarte Dominikaner-kloster, dessen Kirche etwa 1300 gebaut wurde, verlegt. Im Jahre 1538 vollzieht sich ein geistlicher Wandel, denn die Domkirche wird protestantisch. Wenige Jahre später erhält sie eine neue Funktion . Seit 1545 dient der Dom als Grabgelege der Hohenzollern. Die politischen Ereignisse und die Reformierung der Kirche im Mittelalter machen auch nicht vor der Domkirche halt. Als Folge dieser Ereignisse wird die Domkirche 1614 nach lutherlicher Art reformiert.
Dann bleibt es fast 100 Jahre still um den Dom. Im 17 Jahrhundert betreiben die Hohenzollern den Ausbau Berlin/Cöllns zur königliche Residenz. In diesem Zusammenhang werden auch Pläne für einen Neubau gemacht. Mit genaueren Entwürfen werden Schlüter, Broebes und Jeamn de Bodl beauftragt. Ihre Entwürfe enthalten auch Planungen zum Domneu- oder Domumbau. Von all diesen Entwürfen wird allerdings keiner verwirklicht. 1747 muß die alte Dominikanerklosterkirche, wegen baufälligkeit, gesprengt werden. Damit wird ein Neubau unumgänglich. Daraufhin wird Johann Boumann d.Ä. 1747-50 beauftragt einen neuen Dom zu entwerfen und zu bauen. Dieser wird dann auch endlich gebaut. Als Platz entscheiden man sich für den Lustgarten, wegen der Nähe zum Schloß und aus gesellschaftlichen Gründen, da der Lustgarten damals eine Art Treffpunkt für die obere Schicht Berlins war. Dieser Dom besteht dann auch bis 1893 (Alter Dom), nachdem er sich vielen Umbaumaßnahmen beugen mußte. Das Gebäude war als ein sehr einfacher Bau, von Johann Boumann dem Älteren, geplant, so daß das Verlangen nach einem neuen prunktvolleren Domneubau im 19 Jahrhundert wächst.
Von 1810 bis 1888 werden die verschiedensten Entwürfe von den verschiedensten Architekten gemacht. Schinkel ist einer der ersten, der sich mit zahlreichen Entwürfen am "Berliner Dom" beteiligt. Er fertigte etliche Pläne an. Sein erster Plan von 1810 sah einen Sakralbau vor, der den Dom zum bedeutendsten Bau der Stadt hätte werden lasse. 1817 wird das Innere des Doms nach Plänen Schinkels umgestaltet und 1822 auch der Außenbau. 1823 entsteht der Entwurf zu einer Kuppelhallenkirche. Dieser Entwurf geht als Musterkirche in die Geschichte ein. Bis 1835 fertigte Schinkel noch Pläne für einen Umbau an. Diese beinhalteten Pläne für einen Zentralbau und einer dreischiffigen Basilika. Der Basilikagedanke wurde von Wilhelm IV unterbreitet. 1835 verabschiedet sich Schinkel von den Planungen mit seinem Entwurf "Basilika neuen Typs". Als 1840 Kronprinz Wilhelm IV. die Regierunggewalt übernimmt, ist verstärkt mit einem Domneubau zu rechnen.
Nach seinen Anweisungen beschäftigen sich zahlreiche Architekten mit dem Dombau. Zur Verwirklichung wird die fünfschiffige Basilika von Schlüter bestimmt. Mit dem Bau am Camposanto wird dann 1845 begonnen. Als erstes werden die Fundamente gelegt. Mehr schaft man aber nicht, da 1848 die Revolution kam. Nach der Revolution vermochte es die Monarchie nicht den Domneubau voranzutreiben. In den darauffolgenden Jahren mehrten sich die Entwürfe, die einen Zentralbau vorsahen. Architekten wie Gropius und Quast arbeiteten an neuen Entwürfen, diese gelangten aber nie zur Ausreifung. 1866 bringt der Sieg Preußens über Österreich die Dombaufrage erneut in Bewegung. 1867 verlangt daraufhin der König mehr Entwürfe, so daß 1868 die Dombaukonkrruenz ausgeschrieben wird. Zu diesem Wettbewerb kommen 51 Architekten, die 53 Entwürfe der Komission unterbreiten (Spielberg, Gropius, Heyden, Adler, Ebe u.a.). Aber keiner der Entwürfe wird zur Ausreifung bestimmt. Nach weiteren Unterbrechungen durch Kriege und der Einsicht das der Dombau nicht möglich zu seien scheint, beschließt man 1871 wenigstens den Camposanto fertigzustellen, damit wird W. Salzenberg beauftragt. Kronprinz Wilhelm will eine erwürdige Fürstengruft schaffen. In diesem Zeitraum soll auch eine größere Umgestaltung der Innenstadt erfolgen. Es soll zu Beispiel eine neue Kaiser-Wilhem-Straße gebaut werden. Damit kommt auch ein neuer Standpunkt für einen Domneubau in frage. 1880 wird der Kölner Dom fertiggestellt. Damit wird die Dombaufrage erneut belebt. Daraufhin wird Julius Carl Raschdorff vom Kroprinzen mit Entwürfen 1881 beauftragt. Raschdorff fertigte drei Entwürfe an. Nach zahlreichen Diskussionen entschließt man sich zur Umsetzung des dritten Planes. 1888 wird Friedrich III. Deutscher Kaiser und gibt seine "Ordre zum Umbau des Berliner Doms". Leider stirbt er nach nur 99 Regierungstagen. Sein Sohn Wilhelm II. führt das Vorhaben seines Vaters weiter, muß allerdings einige Kürzungen an den Bauplänen aus Kostengründen vornehmen. 1893 geht es dann endlich los. Der Alte Berliner Dom wird abgerißen. Ein Jahr später am 17.6.1894 wird der Grundstein für den Neuen Berliner Dom gelegt. Nach 10 Jahren Bauzeit wird der Neue Berliner Dom am 27.2.1905 eingeweiht. Bis zum Jahre 1917 wird an der Inneneinrichtung gearbeitet. 1944 wird der Berliner Dom durch einen Bombentreffer schwer beschädigt, dabei wird die Kuppellaterne zerstört. Der Wiederaufbau ist bis 1961 ungeklärt.

Analyse des Bauwerks


Die gesamte Analyse des Berliner Doms beziehen wir auf den Zeitraum bis zur Zerstörung des Doms im Zweiten Weltkrieg.

Einbindung in das städtebauliche Ensemble und in die Landschaft


Der Berliner Dom liegt im Zentrum der ehemaligen Fischerinsel (heute Museumsinsel). Er ist in nordwestlicher und südöstlicher Richtung durch jeweils eine große Straße begrenzt. Die südöstliche wurde auf Befehl vom Kaiser 1880 gebaut. Die ist die Kaiser-Wilhelm-Straße. Er wollte die Hauptstraße direkt an seinem Schloß vorbeiführen lassen. Raschdorff entschied sich deshalb auch für diesen Platz zum Domneubau. Ihm kam nämlich die Nähe zum Schloß und die bessere Einsehbarkeit durch diese Straße entgegen. Im Osten verläuft die Spree als natürliche Begrenzung. Gegenüber dem Lustgarten beziehungsweise dem Alten Museum ist der Berliner Dom wiederum durch eine Straße abgegrenzt. Er liegt in zentraler Lage des damaligen Berlins, da er genau neben dem Schloß stand, was damals der Mittelpunkt Berlins war und auch verkehrsmäßig dadurch sehr gut erschlossen war. Dies erfolgte besonders durch die Verlängerung der Straße Unter den Linden zur Kaiser-Wilhelm-Straße. Der Berliner Dom ist eigentlich in keiner Richtung stark abgegrenzt, da er durch seine Höhe und Ausmaße ein weithin sichtbares Bauwerk ist und dies auch darstellen sollte.
In Richtung des Lustgartens und der Spree nimmt der Berliner Dom angesichts des Höhenunterschied zu den beiden genannten Punkten eine Dominanz ein. In Richtung des Stadtschloßes bildet dieses ein Gegengewicht zu Turm des Stadtschloßes wobei der Dom jedoch auch hier das dominantere Bauwerk ist.
Der Hauptausgang des Berliner Doms ist zum Lustgarten hin gerichtet. Dabei ist ein gegliederter Treppenaufgang auf ca. 2/3 dieser Domseite festzustellen. Dadurch ist ein Zugang einer großen Anzahl von Menschen in relativ kurzer Zeit in den Dom möglich, denn immerhin fanden im Dom fast 2000 Menschen einen Sitzplatz. Weitere Ausgänge befinden sich zur Seite der Spree und des Stadtschloßes, welche allerdings kaum genutzt wurden. Deshalb waren sie jedoch nur von untergeordneter Bedeutung. Die Sitzanordnung ist so gestaltet, daß es zu keiner Abgrenzung eines einzelnen Menschen kommen kann. Aber dennoch eine gewisse Differenzierung der sozialen Oberschichten Bezüglich des nichtöffentlichen Bereichs innerhalb des Doms kommt. So hat z.B. der Kaiser eine eigene Loge, die er auch über eine gesonderte Treppe erreicht. Eine stärkere Abgrenzung gegenüber des öffentlichen Raumes ist, aufgrund der Geschloßenheit des Baukörpers zu erkennen.

Die Erscheinung des Baukörpers


Dem Berliner Dom als Bauwerk mit monumentalem Charakter kommt eine besondere Wirkung zu gute. Diese Wirkung entsteht, da das Bauwerk relativ frei steht und keine anderen Bauten konkurrenzfähig sind. Als Begründung dafür, daß dies auch so von Raschdorff geplant wurde, stehen der Entwurf und die Planung von großen Freiflächen und Parks um den Dom herum. Ausnahme ist nur das Stadtschloß, welches allerdings im Zusammenhang mit dem Dom als Einheit gesehen werden kann.
Die überwältigende Erscheinung wird durch die große Höhendifferenz zwischen Kuppellaterne und Umgebung besonders zur Spreeseite und zum Lustgarten, welche auch gleichzeitig die Seiten sind, welche am imponierensten geschmückt worden sind, hin ausgelöst, da beide Seiten unbebaut sind und der Berliner Dom eindeutig als monumentales Bauwerk hervor sticht. So entsteht die sogenannte Höhendominanz, welcher der Dom mit seiner übergroßen Kuppel unterliegt.
Trotz der übergroßen Maße des Baus wirkt er keinesfalls als unbeweglicher Felsbrocken, vielmehr wurde eine Bewegung ins Domäußere gebracht. Zu dieser Bewegung tragen die vier aufgesetzten Türme und auch die Verzierungen in Form von Engeln, Reliefs und Pfeilern bei. Die Verzierungen liegen jedoch im Detail und sind auch als solche kaum zu erkennen, so daß das Gebäude seinen erhabenen und ehrwürdigen Charakter beibehält ohne lachhaft zu wirken. Die Gliederung des Doms gibt ihm seine besondere Wirkung. Auf einem quaderförmigen Grundbau sind die vier Türme und die durch einen Zylinder verlängerte Kuppel aufgesetzt. Die Kuppel des Doms ist allein schon durch ihre Höhe und Formgebung dominierend. Diese Dominanz wird von der oben aufgesetzten Laterne als höchsten Punkt des Doms und von dem am Kuppelrand befindlichen Plastiken noch erhöht. Die Kuppel ruht auf einem zylinderförmigen "Sockel", wodurch eine größere Höhe erreicht wurde. Diesem Sockel merkt man zur heutigen Zeit gar nicht an, daß er das Ergebnis von Einsparungen ist. Dadurch bildet die Kuppel das Zentrum des Bauwerks. Sie ist auch schon von weitem sichtbar aber zur Unterstützung der Einsehbarkeit ließ der Kaiser die Kuppel erhöhen obwohl er einsparen mußte. Die vier Türme, die sich jeweils am Rand des Bauwerks befinden, geben dem Dom sein typisches Aussehen. Dabei scheint es so als ob die Türme die Kuppel in ihrer Wirkung unterstützen. Innerhalb des Doms ist im gesamten Bereich, der der Öffentlichkeit zugänglich ist, eine klare Gliederung zu erkennen. Hinter der westlichen Vorhalle, die auch das Eingangsportal beinhaltet, erstrecken sich Tauf- und Traukirche, Predigtkirche und Grabkirche. Man kann bezüglich des Innenraumes eine offensichtliche Unterscheidung der Funktionen des Berliner Doms feststellen. Zum Beispiel ist der Hauptaltar durch eine Treppe vom übrigen Raum getrennt. Zu einer Durchdringung der verschiedenen Teilraumkörper kommt es nur in geringem Maße und auch nur wenn man einen Teilraumkörper verläßt und sich in einen Raum mit einer anderen Funktion begibt. Im Bereich der Predigtkirche erfolgt dies nur, weil sie das Zentrum des Berliner Doms, und sie die Hauptfunktion der verschiedenen Funktionen darstellt. Durch die spezifische Bauart des Berliner Doms wird dem Betrachter nicht einfach gemacht die Gliederung des Bauwerks zu erfaßen, da es zu einer besonderheit des Bauwerks gehört, daß jede Seite ihren eigenen Aufbau besitzt.
Das Aussehen und die Gliederung des Doms verhindern den Aufbau einer "privaten Atmosphäre" zum Betrachter, was ja auch nicht beabsichtigt war. Da das Bauwerk aufgrund seiner Größe eher ein distanziertes Verhältnis zum Betrachter unterstützt und auch die monumentale Wirkung eher erstaunen als Bewunderung auslößt, würde ich sagen das er überladen wirkt. Dies war auch die Meinung der Zeitgenossen. Die Bevölkerung konnte sich von Anfang an nicht mit dem Dom identifizieren.

Die äußere Gestaltung des Baukörpers


Die äußere Gestaltung zeigt deutlich, daß der Berliner Dom im Historismus gebaut wurde. Das wird besonders ersichtlich in der Vielfalt der stilistischen Mittel, die an der Außenfassade zu sehen sind. Da wären z.B. die Engel die auf die Renaissance hindeuten. Das Bauwerk ist in vier kleine Türme, den Grundbaukörper und die Kuppel gegliedert, wobei der Baukörper zweigeschossig ist. Gesimmse trennen die einzelnen Etagen voneinander ab. Die Türme der Vorderseite sind größer als die der Rückseite. Daher befinden sich die Turmpaare der Vorderseite in einem anderen proportionalen Verhältnis als die kleineren Türme der Rückseite. Diese Behandlung des Höhenunterschieds in den Türmen macht den Kompromißcharakter des gesamten Bauwerks deutlich. Als Begründung dafür kann man die Dreiteilung der Aufgaben des Doms sehen. Die östlichen Türme gehören eher zur Kuppel, als die westlichen, die zur Begrenzung der Vorhalle zum Lustgarten hin entstanden sind, um die Dreiteilung des Gesamten zu verschleiern. Jede der vier Fassaden, die durch die vier Türme voneinander abgegrenzt werden, weist eine eigene Gestaltung auf, wodurch der Dom an Abwechslungsreichtum und Bewegung gewinnt. Dabei bedingen sie sich aber nicht gegenseitig, sind also eigenständig. Die zwischengetellten Turmaufsätze finden nur unzureichend eine Bindung zur Fassade. Die Seite zum Lustgarten wurde aufwendiger gestaltete, da dort auch das Hauptportal liegt und die freie Fläche des Lustgartens noch als Vorplatz genutzt wird. Dabei ist diese Fassade am Großzügigsten gegliedert. Ein weiterer Grund für die aufwendigere Gestaltung liegt im Aufbau von evangelischen Kirchen. Bei ihnen liegt wie auch bei fast allen anderen Kirchen dem Altar gegenüber das Hauptportal, welches immer in südliche Richtung weist.
Die Hauptportale sind in einen Triumphbogen eingefaßt, an dessen Seiten sich einzelne korinthische Säulen befinden. Die aufgesetzten Türmchen ruhen auf Sockeln, die jeweils an den vier Ecken des Baukörpers zu sehen sind. An der Nordseite des Berliner Doms ist die eingeschossige Grabkirche angefügt. Die eingeschossige Taufkirche, sowie eine überbaute Zufahrt und das dahinter liegende kaiserliche Treppenhaus sind an der Südseite zu sehen. Trotz der angefügten Bauten, die aber nur eine untergeordnete Rolle in den Funktionen des Berliner Doms spielen, ist die Predigtkirche mit der Kuppel der Mittelpunkt des Doms. Jedoch steht hier die Kuppel im Vordergrund. Da sie allein durch ihre Höhendominanz gekenntzeichnet ist. Die Kuppel wurde auf ein Tambour gesetzt, so daß ihre Größe, die Einsehbarkeit und Proportionswirkung wächst. Das Tambour besitzt an der Außenseite Fenstergruppen, die jeweils aus drei verzierten Fenstern bestehen, die durch Säulen voneinander getrennt wurden. Zwischen den Säulen befinden sich Statuen, die aber nur eine untergeordnete Rolle spielen. Alle Säulen tragen ein Gebälk, auf welchem sich ein Umgang befindet. Am Rand befindet sich eine Balustrade, in die jeweils über den vorstehenden Wandteilen Sockel eingefügt sind. Hinter den Sockeln sind jeweils zwei Gurtrippen aufgesetzt. Diese tragen die Plattform, auf der sich die Kuppellaterne befindet. Der Kuppellaterne kommt eine besondere statische Aufgabe zu gute. In ihr laufen alle Druckkräfte der Kuppel zusammen. In der Außenwand der Kuppel sind kleine runde Fensteröffnungen eingefügt. Diese bilden zusammen mit den Fenstern im Tambour und in der Kuppellaterne die natürlichen Lichtquellen des Doms.
Die Kuppellaterne besitzt eine Zierbalustrade und ein oben aufgesetztes Kreuz. Das Dach der Laterne wird von einigen schmalen Säulen aus Metall getragen. Es verjüngt sich nach oben bis zum Aufsatz des Kreuzes. In der weiteren Gestaltung des Baukörpers vor allem der Außenhaut zeigen sich auch Merkmale für einen "Stil"-bruch. Die Bauplastik und die Bauornamentik mit ihrer Gliederung führen zu einer Dekoration die nicht, der eigentliche Stilsetzung der italienischen Renaissance entsprach.

Die innere Gestaltung des Baukörpers


Der Berliner Dom ist hinsichtlich seiner Ausstattung, seines Umfangs und seines Dekors eine Reduktion, trotzdem entsteht der größte deutsche Kirchenbau des 19. Jahrhunderts. Der Innenraum verfügt mit den Emporen über fast 2000 Sitzplätze und die Höhe der Kuppel beträgt bis zur Laternenbekrönung etwa 100 Meter. Hinter des westlichen Vorhalle reihen sich Tauf-, Trau-, Predigt- und Grabkirche aneinander. Der Keller (Gruftgeschoß) dient den Hohenzollern zur Aufstellung ihrer Grabdenkmäler. Eine konstruktive Besonderheit ist das Fundament. Wegen der Spreenähe mußte das Bauwerk auf Grundmauern aus Eisenbeton auf einen Sockel von Granit gebaut werden. Damit dieser Sockel aber nicht Sichtbar wird, wurde dieser von der Vortreppe versteckt. Über dem Predigtraum, der gleichzeitig der größte und auf das reichhaltigste ausgestattete Raum im Dom ist, erhebt sich "auf polygonalen Tambour" eine mächtige Kuppel. Taufkirche und Vorhalle sind tonnengewölbt. Die Grabkirche ist auch gewölbt und erscheint wie ein Chor, um den sich ein Umgang legt.
Das Innere des Doms ist stark gegliedert. Ein Prdigtraum sollte damals immer sehr imponierend wirken. Dies errichte Raschdorff indem er mit Hilfe der den vier gewaltigen Pfeilern vorgestellten Pilaster und zwischengestellten Säulen. Die inneren Proportionen sind gewaltig und ein Mensch fühlt sich im Innenraum verloren und sehr klein. Den Kuppelraum betritt man nachdem man durch die tonnengewölbte Vorhalle geschritten ist. Danach eröffnet sich dem Betrachter dieser imponierende Raum mit Blick auf den prunkvollen Altar. Über dem Altarraum befindet sich ein oben belichtetes Kuppelgewölbe. Die Hofloge für den Kaiser befindet sich an der westlichen Seite über dem Eingang mit direkten Blick auf den Altar. In den Diagonalen sind weitere Emporen angelagert, in einer der nördlichen halbkreisgeschloßenen Emporen ist die Kanzel. In den anderen Nischen sind weitere Emporen angelegt. Der Innenraum ist in acht Nischen oder Emporen aufgegliedert. Diese Aufgliederung nennt man Oktogon. Der Tambour ist der äußerlichen Gestaltung des Doma angepaßt, ist aber im Innenraum ein wenig proportional Verschoben. Die Kuppel folgt auch dieser Proportionsverschiebung. Zur Lichtführung verwendet Raschdorff die Tambourfenster, Umgangsfenster und Oberfenster. Sie füllen den Kuppelraum mit Licht. Der Raum wirkt mit der Kuppel und der Lichtführung sehr geschlossen und einheitlich. Das Baudekor bezieht sich im Inneren der Prdigtkirche auf die Funktion als Staatsfesthaus. Dennoch mußte Raschdorff Einschränkungen an der Aufwendigkeit der Innenausstattung vornehmen. Aber deswegen ist sie nicht weniger prunkvoll Ausgestattet als vergleichbare protestantische Kirchen. Sie ist sogar aufwendiger Gestaltet. Raschdorff versuchte mit den wenigen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, einen dennoch repräsentativen Eindruck des Innenraums zu hinterlassen. Er nutzte dazu farbigen Marmor und andere Gesteinsarten zur Verblendung der Wandflächen. Teilweise sind die im Marmor gehaltenen Teile nicht Massiv, sondern sie sind nur mit einer Marmorschicht überzogen. So spart Raschdorff Kosten ohne an der Ausstattung oder der prunkvollen Wirkung zu sparen. Dies verlangt allerdings eine große Baufähigkeit und Fertigkeit der beteiligten Baumeister. Ikonographisch ist das Gesamtdekor auf Protestantismus sowie auf das Kaiserhaus bezogen. Raschdorff verwendete die verschiedensten Materialien aber meistens nicht Massiv. So verwendete er Carrara und Siena für die Emporen, schwarzes Labrador für die Stützsäulen und braunroter Marmor für die Wandsäulen und Pilaster mit den vergoldeten Kapitellen des Altarraums. Ebenso ist die gesamte Ornamentik vergoldet.

Die Einbeziehung plastischer und malerischer Mittel in die architektonische Gestaltung


Der Berliner Dom ist reich an stilistischen Elementen aus der Plastik und Malerei. So gehen auf einen Entwurf von Anton von Werner, die drei Fenster des Chorraumes mit Glasgemälden der Geburt, Kreuzigung und Himmelfahrt Christi, zurück. Vom Motiv her und von der malerischen Umsetzung des Gedankens passen sie stilistisch in die italienische Hochrenaissance. Oberhalb des aufgehenden Mauerwerks sind alle Gewölbezonen, in Mosaik oder Flächenrelief, reich mit bildnerischen Darstellungen geschmückt. Ich sehe zwar die Reliefs als sehr gelungen, aber bindungsarm und spanungslos, an. So stehen auch an viel zu hoher Stelle, nämlich im Kuppeloberraum, wie vergessen zwischen zahlreichen Engeln, acht Statuen. Diese Statuen waren eine Stiftung des Domkirchenkollegiums. In diesen Statuen sind die bekanntesten Leute der damaligen Zeit aus Adel und Kirche verkörpert. Da wären Luther und Melanchthon zu seiten des Chorraums von Pfannenschmidt, Zwingli von Janensch, Colvin von Calandrelli; dazu als fürstliche Bekenner: Friedrich der Weise von Sachsen von Karl Begas, Philipp der Großmütige von Hessen von Schott, Joachim II. von Brandenburg von Magnussen und Herzog Albrecht von Preußen von Baumbach. In den Gewölben der durch Pfeiler ausgesparten Nischen sind Mosaiken mit Darstellungen der vier Evangelisten angebracht. Diese wurden auch nach Entwürfen von Anton von Werner angefertigt. Über den Bogenöffnungen der Nischen befinden sich vier kleine Reliefs. Diese Relief sind ein Beitrag Lessings. Sie zählen zu den Besten was der Dom künstlerisch zu bieten hat. Es sind Themen aus der Apostelgeschichte, die wie in einen alten deutschen Bilderbuch in zeichenhafter Verknappung illustrativ erzählt werden: Pauli Bekehrung, Paulus in Athen, Petrus und Johannes heilen die Lahmen und die Steinigung des Stephanus. Dabei ist stilistisch zu bemerken, daß man bereits von einer Vermischung von Renaissnace und Jugendstil reden kann. Das die Anregungen für diese Reliefs von der Renaissance stammen aber dennoch die Linearität des Jugendstils beinhalten. Auch die Kuppel ist in das bildnerische Gesamtwerk einbezogen. Es ist eine besondere Leistung des Historismuses ein solches Bauvorhaben in nur einem Jahrzehnt zu vollenden und dennoch die künstlerischen Elemente nicht zu kurz kommen zu lassen. Die Kuppel ist wegen ihres tektonischen Aufbaus in acht gleichartige Kompartimente unterteilt. In diesen Teilen findet man Mosaike, die Seligpreisung der Bergpredigt darstellen.
Zwischen diesen Mosaiken findet man weitere überlebensgroße Engelsfiguren, die scheinbar die Abschlußrippen zu tragen scheinen und so einen inneren Abschluß der plastischen und künstlerischen Gestaltung bilden.

Stilistische Einordnung


Der Berliner Dom trägt die Handschrift der verschiedensten Architekten und kaiserlichen Vorstellungen. Der Sieger der endlosen Auseinandersetzungen zum Neubau des Doms war Raschdorff. Allerdings mußte er, wenn er auch Sieger war, Einschränkungen an seinen Vorstellungen machen. So wurden ihm gewisse Stilelemante einfach vom Kaiser vorgeschrieben. Diese Stilelemente wurden ihm vom Kaiser in Form von Skizzen oder Notizen gegeben, denn der Kaiser (Kronprinz) beteiligte sich intensiv am Dombau mit eigenen Vorschlägen. Die kaiserliche Oberschicht war mit dem Dombau zufrieden aber der Beifall des aufstrebenden Bürgertums hielt sich in Grenzen. In den 80er-90er Jahren erlebte Deutschland und damit auch Berlin einen enormen Aufschwung und nahm nach England den zweiten Platz im Welthandel ein. Die äußerst gute wirtschaftliche Stellung Deutschlands gab auch dem Kaiser die notwendige Macht um sich ein Denkmal zu setzen. Der Dombau mußte nun dieses aufstrebende Deutschland mit seinem Kaiser repräsentieren. Also auch Macht, Reichtum und Glorie ausstrahlen. Damit dies der Fall war durfte der Bauherr keine Einschränkungen erhalten. Der Kaiser gab ihm eine persönliche Machtbefugnis weit über die Verfassung hinaus. Raschdorff war mit seinen Planungen niemanden außer dem Kaiser Rechenschaft schuldig. Daher gründet sich auch der besondere Stil des Bauwerks. Der Dom entsprach nicht den architektonischen Wünschen des Bürgertums oder des Parlaments, sondern nur den der alten aristokratischen Schicht. Dies sieht man auch am Dombau selbst die Wirkung und die Ausstrahlung des Bauwerks weist eindeutig eine monarchische Symbolisierung auf. Die Unerschütterlichkeit der Monarchie ist nur eine Deutung dieser Symbole. Eine andere wäre die des monumentalen Charakters des Bauwerks. Wilhelm II wollte sich mit diesem Bauwerk identifizieren. Er teilte die Absicht auf körperliche Größe, auf gebieterische Massen mit dem allgemeinen Volkssinne. Er meinte die Macht des Staates, der Reichtum des Volkes und die Größe der deutschen Monarchie suchten nach Darstellung im Gebäude. Pathos in Verbindung mit Prestige und Renommiersucht entstehen, die zuweilen auch als "Wilhelminismus" apostrophiert werden. Dabei handelt es sich -nicht nur beim Domgebäude- um eine politisch gemeinte Architektur im Dienste des kaiserlichen Staates. Sie trägt dem Bemühen zu, "den deutschen Gedanken in die Welt" auszudrücken. Der Dom steht mit seiner Zeit im Widerspruch, da er nur den Interessen des Kaisers entsprechen mußte. Dazu kam noch der Fakt, daß sich die "moderne" Architektur in der Zeit nicht mehr am Königsstil orientierte sondern ihren eigenen Weg ging. Allerdings damit konnte auch der Kaiser losgelöst von den allgemeinen Erwartungen seinen eigenen künstlerischen Weg gehen. Zeitgenossen wie Paul Seidl dokumentieren den Dombau wie Folgt: "...in erster Linie handelt es sich bei ihm (dem Dom K.-H.K.) um ein sichtbares, Gott geweihtes Denkmal, der großartigen Entwicklung, die Brandenburg-Preußen unter der Führung der Hohenzollern...genommen". Der Domprediger Konsistorialrat Kritzinger schreibt 1911 über die Beweggründe der Errichtung des Doms durch den Kaiser: "Der...Grundgedanke war der, Gott zu Ehren ein würdiges Denkmal zu schaffen für die Einigung der deutschen Stämme und für die Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches".
In der Grundidee ging Raschdorff bei der Konstruktion von der Funktion aus. Diese Grundidee mußte er aber bald wieder verwerfen als er sich zu sehr Stilistisch Gebunden und dem Historismus unterworfen hatte. Die Grundidee und dieser Stilzwang dem sich Raschdorff unterwarf gaben dem Dom diesen einzigartigen Charakter. Er sah sein Ziel nicht im modernen Bauen, sondern im geschichtlichen Vorbilddenken verhaftet. Raschdorff orientierte sich wie auch bei all seinen anderen Bauten strikt an Normen und weicht kaum von ihnen ab. Für ihn sind Bauen und "Stil"-Denken deckungsgleich. Er verstand unter "Stil" die sichtbare formale Übereinstimmung mit einem geschichtlichen Vorbild. Viele seiner Zeitgenossen wie "Schinkel" orientierten sich bei der Konstruktion an dem Zweck des Bauwerks, dies war aber Raschdorff fremd. Er wechselte oft die Ansichten was den Dombau betraf. Raschdorff behandelt die Vorbilder sehr frei, er fühlt sich nur dem System verpflichtet. An der Kuppel erkennt man diese Orientierung am besten. In ihr versuchte sich Raschdorff zwar allg. an ein Renaisancevorbild zu binden, aber ohne sich von konkreten Einflüssen binden zu lassen. Dieses Denken verkörpert die Grundidee des Historismus wieder. Historismus bedeutet nämlich die übermäßige Anlehnung an ein geschichtliches Vorbild. Das ist aber nicht neu, bereits in der Renaisance orientierte man sich an der Kunst alter Kulturen (Antike) und übernahm diese Schöpferisch. Im Historismus tat man das selbe, aber nicht nur von einem Vorbild und auch nicht nur von einem Stil. Man machte einen Kompromiß zwischen älteren Stilen und neueren Stilen. Der Historismus ist ein typischer Stil des 19. Jahrhunderts. Er fand aber nicht die nötige Anerkennung, da das Volk, was auch in der Kunst eine immer größere Rolle spielte, sich mit diesem überladenen Baustil nicht identifizieren konnte und für nicht schön befand.
Raschdorff hatte ein Hauptvorbild, die Renaisance. Dieses Vorbild liegt vor allem in der historischen Suche nach der geschichtlichen Form (St. Peter, St. Paul) begründet. Die Vorliebe des Architekten und die Tatsache das sich der Dom auch stilistisch von anderen Kirchen abheben sollte kommen hinzu. Diese Abhebung ist vor allen Dingen im Grundaufbau des Doms zu sehen. Viele Kirchen hatte verschiedene Schiffe und entsprachen so den allg. Normen der damaligen Zeit. Diese großen Schiffe sucht man vergeblich im Dom. Ein weiter Grund für die Renaissance als Vorbild darf in der Tatsache gesehen werden, daß Raschdorff auf dem Gebiet der Renaisancerezeption große Erfahrungen und sicher auch eine innere Zuneigung hatte. Die Kuppel ist ein wichtiges Merkmal der italienischen Renaisance. Viele berühmte Gebäude der italienischen Renaisance haben eine ähnliche Kuppel wie der Dom. Zu erwähnen wäre da z.B. der St. Petersdom in Rom (Entworfen von Michelangelo). Der Kupelgedanke für sakrale Bauten reicht aber noch viel weiter in die Vergangenheit. Bereits im alten Rom hatte man die Kuppel als Symbol für die Einigkeit des Himmels im Pantheon verwendet.
Auch die plastischen und malerischen Elemente deuten auf die italienische Renaisance hin. An der Kuppel und auch im Innenraum finden sich viele Beweise dafür. Da wären z.B. die Engelsfiguren die überall zu finden sind und auch ein eindeutiges Merkmal für diese Stilrichtung sind. Die Säulengestalltung der Vorderfront zum Lustgarten hin, mit den korinthischen Säulen, die ein großes Portal säumen, weist ebenfalls in diese Richtung.
Man findet aber auch andere Stilrichtungen im Dom. Da wäre z.B. die deutsche Renaisance. Er konnte sie nicht in der Baugestaltung einbinden, da sie zu bürgerlich orientiert ist. Aber im Innenraum gibt er ihr eine wichtige Position. Die Orgel ist vollkommen in deutscher Renaisance gefertigt.
Als Zusammenfassung könnte man sagen der Berliner Dom ist ein typischer Historismusbau. Er fand von Anfang an keine richtige Anerkennung, des Stils wegen. Die Wirkung, das er zu Überladen ist, kommt noch dazu. Als Hauptorientierung diente Raschdorff die Renaisance.

Quellenangabe


Quelle 1
"Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR"
(Hauptstadt Berlin I)
Verlag: Henschelverlag Kunst und Gesellschaft
Berlin 1984
Gesamtredaktion Heinrich Trost

Quelle 2
"Das Zeitalter Wilhelms II."
Julius Posener
München 1979

Quelle 3
"Die Pläne von Berlin von den Anfängen bis 1950"
Paul Clauswitz
Berlin 1950

Quelle 4
Gespräch mit dem Pfarrer des Berliner Doms

Quelle 5
öffentliche Führung durch den Berliner Dom und durch die Gruftgewölbe

Quelle 6
"Der Berliner Dom"
(Bauten,ideen und Projekte)
Verlag: Union Verlag Berlin
Karl-Heinz Klingenburg

Quelle 7
"Der Berliner Dom"
Schümann, C.-W.

© 1996 by Andreas Körner, alle Rechte vorbehalten




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