Horrorfilm und Psychothriller verbindet eine Gemeinsamkeit: die Lust an der Angst.
Allerdings beschränkt sich das Wirkungsfeld der Gattung "Gothic Movies" auf zwei Bereiche: die äußeren und die inneren Dämonen; dazu gehören Dracula, Godzilla, Hexen, Zombies und vor allem unser Unterbewußtsein. Das Zuletztgenannte ist in der Umsetzung des Thrillers das Spannendere, da sich ein breites Spektrum an Abgründen, Ängsten und Monster in uns eröffnet. Der Schauerfilm ist heute greller und schrecklicher inszeniert als zu Frankensteins Zeiten. Heutzutage beherrschen bockbeinige Teufel, böse Fratzen und blutige, schleimige Ungeheuer die Filmszenerie. Sie kriechen aus allen Ecken in unsere Hirne, tanzen durch unser Bewußtsein und drohen unsere Köpfe zu zersprengen. Grausige Figuren werden Wirklichkeit. Figuren wie Freddy Krueger, Robocop oder das "nette" glitschige Alien im Raumschiff "Nostromo" werden zum Kult erhoben. Die Nacht der lebenden Toten hat begonnen. Die Spezialisierung des Horrorfilms - der Horrorthriller - hat mehrere feine und exquisite Abteilungen. Da gibt es Ungeheuer in uns, Ausgeburten einer kranken Psyche oder Folge schrecklicher Erlebnisse. Sie balancieren immer auf einer Kante zwischen Wahn und Wirklichkeit. Ein Beispiel hierfür ist Adrian Lynes "Jacob's Ladder". Hier entstammen die Tagträume des Helden einem ganz handfestem Hintergrund.
In einem SF-Film wie "Alien" hat sich das Monster verselbständigt, man könnte es als das Böse in der Welt schlechthin definieren, das die Zukunft zu beherrschen droht. In einer weiteren Abteilung des Horrorthrillers finden sich religiöse Reliquien, feiert das Obskure sein schwarzes Nachtmahl. Hexenwahn, Teufelaustreibung wie in "Der Exorzist", exotischer Voodoo-Zauber mit Tieropfern und blutigen Ritualen dienen als Motive. "Cat people" oder Menschen, die sich in Tiere verwandeln, haben schon Kafka fasziniert. Die Fliege summt nervend über die Leinwand. Bestimmte Tiere erzeugen schon durch ihr unappetitliches Erscheinungsbild Erschrecken, man denke da an Rieseninsekten, Spinnen oder Ratten.
Die schönsten Horror-Thriller kommen ohne große Masken aus, ohne Blut, ohne Latex und spinatspuckende Hexen. Denn "nichts ist schrecklicher als die menschliche Phantasie" (Edgar Allen Poe). Doch was macht einen Film zum Horrorfilm? Zuerst ist da der Schock der Bilder. Es beunruhigt, daß dort Licht im Dunkeln ist, daß sich etwas bewegt und aussieht, als sei es ein Teil der Wirklichkeit. Man wird gefesselt und gleichzeitig abgestoßen, von dem was sich nicht greifen läßt. Die Nuancen und Zwischentöne zeichnen einen Horrorfilm aus. Die Gegensätze von gut und böse, schön und häßlich, männlich und weiblich, von Ekel und Faszination bestimmen einen Horrorfilm. Das Interessante ist, wie sich solche Gegensätze annähern und sich zu berühren scheinen. Es gibt kein hell und kein dunkel, nur Schattierungen.
Allmähliche Veränderungen von Mensch zum Tier, von der Sanftmut zur Raserei, von Freude zur Verzweiflung, vom Traum zur Wirklichkeit, Pubertät, Sex, Geburt, Alter, Krankheit und Tod dürfen in keinem Horrorfilm fehlen. "Der wirkliche Horror ist, in einen Spiegel zu schauen und festzustellen, daß das eigene treulose Fleisch an den Knochen fault, daß der Tod schon an der Arbeit ist..." (David Cronenberg).
Der Schrecken ist unmittelbar mit dem Mitleid verbunden. Gemeint ist damit auch das Mitleid mit den Monstern, Ungeheuern, Ketzern, Ausgestoßenen und Wesen der Nacht. Die Faszination an Monstern und gefallenen Engeln, ihre Leiden und Qualen fesseln uns, trotz ihrer schrecklichen Taten. Ein Horrorfilm würde sonst keine 15 Minuten dauern, weil ihn niemand länger sehen will. Die Helden sind zumeist blaß und belanglos. Happy Ends sind fast ausgeschlossen. Der pure Horrorfilm (Vampirfilm, Werwolffilm, Dämonenfilm, Slasterfilm etc.) spielt mit unseren Ängsten. Er läßt uns jenseits aller Handlungsmuster vor allem schaudern, so wie uns der Sexfilm in Erregung versetzen will. Reine Horrorfilme haben eigentlich nie einen Schluß: sie sind Filme der Sehnsucht, deshalb gibt es kein Ende. In der Unendlichkeit ihrer Bilder kann man sich seine eigenen Geschichten ausspinnen.
Horrorfilme sind immer kleine Mutproben. In die Hammer-Horrorfilme, die meist erst ab 18 Jahren freigegeben waren, habe ich mich damals hineingeschmuggelt, und dabei ganz cool, ganz erwachsen getan. Stolz habe ich sie dann denen erzählt, die sie nicht gesehen hatten, und jedes grausige Detail ausgemalt. Zu Hause hat man sich, besonders wenn man allein war, mit dem einsamen Monstern identifiziert. Und man hat die wohlige Spannung, den Schrecken verfolgt, wenn man mit einem Mädchen im Kino war. Horrorfilme haben egal wie alt man ist, immer etwas zu tun mit Kindheit und Jugend, mit Probieren und Provozieren, mit Spiel und Wagnis.
Wer sich seine Kindheit nicht bewahrt, wird Horrorfilme nie zu schätzen wissen...
Die Konstellation des Psychothrillers ist durch das sozial abweichende Verhalten seiner Figuren definiert. Der Held erscheint neurotisch und seelisch deformiert.Irgendwas stimmt mit ihm nicht. Spannung entsteht dadurch, daß der Zuschauer am Anfang nichts davon weiß, daß die Figur ein Problem hat. Sie wirkt völlig normal, hat einen ordentlichen Beruf, lächelt, ist gut gekleidet: es könnte eine eine blondgelockte, verführerische Frau sein, die man auf jeder Party treffen kann: wie Glenn Close in "Eine verhängnisvolle Affäre". Erst im Laufe der Zeit treten, wie bei der Entwicklung eines Filmnegatives, das sich langsam entwickelt, ihre psychotischen Charakterzüge hervor. Die Person bringt damit andere in eine kritische Lage. Sie erzeugt Verwirrung und Chaos, das bis zum Mord führen kann.
Da wir alle gern unsere Mitmenschen kritisieren und analysieren, ihren Charakter und ihr Sternbild zu deuten versuchen, ist das Gesellschaftsspiel Psychothriller jedem vertraut. Es ist zur Mode, zum Trend geworden. Besonders die Dreiecksgeschichte eignet sich ideal für die innere Grammatik des Psychothrillers. Eifersuchts- und Ehedramen fallen in dieses Fach. Fahrstuhlfilme ziehen den Helden immer nur abwärts, ein unbearbeitetes Kindheitstrauma treibt späte Blüten. Selbst Psychoanalytiker erscheinen ungefährdet. Sie hätten oft selbst eine Behandlung bitter nötig, wie Dr. Elliott in "Dressed to Kill". Zu den stärksten Motiven zählen Persönlichkeitsspaltung und Gedächtnisverlust - meist verbunden mit einer schweren Identitätskrise. Der Psychothriller weist oft Spurenelemente eines Erotikthrillers auf. Auch zahlreiche andere Spielarten wie Voyeurismus, Gewalt oder Horror tauchen in diesen Filmen auf.
Geht man filmhistorisch zurück, so trifft man auf expressionistischen deutschen Film und seine vom Wahnsinn angehauchten Figuren - Mörder, Psychoten, Sonambulen : Dr. Calligari läßt grüßen.
Hollywoods Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Ab dem frühen 40er Jahren bevölkerten die "kaputten" Typen und "eiskalten" Ladies die Leinwand, ein ausgesuchtes Personal für Psychothriller. Deutsche Schauspieler, Regisseure und Kameraleute wirkten bei diesen schattenhaften Iszenierungen in düsterem Schwarzweiß mit. Sie brachten ihre Erfahrungen und Kenntnisse des "Chiaroscuro" aus dem deutschten Stummfilm mit ein, übertrugen sie auf den realistischen Hollywoodfilm, der an die Stelle der Symbolik psychologisches Raffinement und Doppeldeutigkeit setzte. Es seien hier stellvertretend für viele nur einige Namen genannt wie: Billy Wilder, Fritz Lang oder Peter Lorre.
Allein die Schauplätze, die Dekors, die Kameratechnik und die Motive der "Schwarzen Serien" schienen für den Psychothriller wie geschaffen. Auf diesem Humus gedeihen vorzüglich neue Rosen und krankhafte Beziehungen. Die Angst-Lust-Psychosen dieser Filme brachten Frauen auf die Leinwand, die ihren Sex Appeal eiskalt und mit kühler Berechnung einsetzten, um sich den Mann zu unterwerfen, vom Hals zu schaffen oder um Reichtum und Macht zu gewinnen.Ein klassisches Beispiel dafür ist Barbara Stanwyck in "Frau ohne Gewissen", die ihren Liebhaber dazu benutzt, den Ehemann zu ermorden ; am Ende ist auch der Lover der Betrogene, als er erkennen muß, daß er nur als Ersatzmann vorgesehen war.
Orson Welles führte in "Die Lady von Shanghai" Rita Hayworth nicht nur als bösartige, intrigante Schlange und dämonisches Weib vor, er demontierte in der berühmten Spielszene auch ihr Image, den Mythos der Idealfrau des amerikanischen Kinos. Strenggenommen kann man diese Filme, die nahezu alle von Männern geschaffen wurden, aber auch als Rache an den sich emanzipierten Frauen im Zweiten Weltkrieg verstehen.
Die Filme Hitchcocks sind in ihrer Mehrzahl unter die Psychothiller einzureihen. Denn Who`s - done - it - Filme interessierten ihn wenig. Dafür geraten in seiner Welt des gehobenen Mittelstandes Personen unter falschen Verdacht, sie verschwinden oder quälen sich durch Identitätskrisen. Im schlimmsten Fall leiden sie unter Persönlichkeitsspaltung wie Anthony Perkins in "Psycho ", dem Paradebeispiel der Gattung. Immer bewegen sie sich auf einem trügerischen Parkett aus Einbildung und Realität, wobei häufig ein verdeckter Katholizismus und eine verklemmte Sexualität später als tiefere Ursachen ihrer Ängste ans Tageslicht kommen.
Am 13. August 1899 wurde Alfred Joseph Hitchcock als drittes Kind des Gemüsehändlers William Hitchcock und seiner Frau Emma Jane (geb. Whelan) in Leytonstone/London geboren. Hitchcock behauptete immer, daß seine Familie schonseit Jahrhunderten zu den Gemüsehändlern des East Ends gezählt habe. Dies ist eine Übertreibung, um nicht zu sagen, es ist eine Lüge, denn es ist nicht nachweisbar. Ende des Jahres 1907 zog die Familie Hitchcock nach Poplar/London. Alfred Hitchcockbesucht den Howrah House Convent. Seit seinen frühesten Jahren war Alfred Hitchcock ein Einzelgänger und Zuschauer, immer eher ein Beobachter als ein Teilnehmer. Er hatte wenige Spielgefährten und Freunde. Er las sehr viel, hauptsächlich Reiseliteratur. Generell muß Hitchcock seine Kindheit nicht sehr gemocht haben. Das beweist der Fakt, daß er den Fragen der Journalisten nach seiner Kindheit immer auswich. Er erfand teilweise Geschichten, wie die, daß er einmal von einem Polizisten eingesperrt wurde, obwohl er nichts getan hatte. Der Auftrag für diese Aktion kam von seinem Vater, der mit dem Polizist befreundet war. So saß Hitchcock einen Tag im Gefängnis. Ob diese Geschichte wahr ist, konnte nicht bewiesen werden. Aber Insider glauben, daß Hitchcock eine ungerechte Bestrafung von seinem Vater übertrieb und diese Geschichte erfand. In der Folgezeit jedoch mied Hitchcock jeden Kontakt zur Polizei. Er machte nicht einmal einen Führerschein.
1910 zog seine Familie wiederum um, diesmal in den Stadtteil Stepney. Am 5.Oktober besucht Hitchcock für 3 Jahre das St. Ignatius College in Stamford Hill/London. 1913 beendete er die Schulausbildung. In der Folgezeit besucht er verschiedene Abendkurse an der Londoner Universität. Er entwickelt erstes Interesse für den Film. In dieser Zeit erscheint der Spielfilm "Der Student von Prag" von St. Rye.
Der 12.Dezember 1914 ist ein für Hitchcock sehr prägendens Datum. Sein Vater stirbt nach langem Leiden. Diese Angst vor dem langsamen Ableben verarbeitete Hitchcock in zahlreichen Filmen. Ab dem Frühjahr 1915 arbeitete Hitchcock im Büro der Henley Telegraphen-und Kabelgesellschaft. 1918 erscheint seine erste Kurzgeschichte "Gas". 1920 wird Hitchcock Zwischentitel-Entwerfer im Londoner Studio der amerikanischen Filmgesellschaft Famous Players-Laskey. 1921 treffen sich Hitchcock und Alma Reville zum erstenmal in den Studios von Famous Players-Laskey. Die erste Regiearbeit leistet Hitchcock 1922/23 mit dem Film "Mrs Peabody" ("Number Thirteen"). Desweiteren lernt Hitchcock 1922 die Grundlagen der Filmarbeit von George Fitzmaurice. 1923 gehen die Filmstudios der Famous Players-Laskey pleite. Im selben Jahr arbeitet Hitchcock als Regieassistent für Graham Cutts, welcher den Film "Woman to Woman" inszenierte. Noch im selben Jahr verlobte sich Hitchcock mit Alma Reville.
1924 übernimmt Hitchcock Regieaufgaben für die britisch-deutsche Coproduktion "The Blackguard". Die Produzenten waren Michael Balcon und Erich Pommer. Gedreht wurde in den Ufa-Studios in Berlin. Im Frühjahr des darauffolgenden Jahres kehrte Hitchcock nach London zurück und drehte unter großen finanziellen Problemen seine ersten beiden Filme "The Pleasure Garden" und "The Mountain Eagle". Im Mai 1926 starten die Dreharbeiten zu dem Film "The Lodger" unter Hitchcocks Regie. Der Film mußte nach Fertigstellung jedoch mit Ivor Montagu überarbeitet werden, da der Film vom Verleiher C.M. Woolf abgelehnt wurde. Am 2. Dezember heiratete Hitchcock Alma Reville in Knightsbridge. Die Hochzeitsreise geht nach Paris und St. Moritz.
1927 ist ein sehr produktives Jahr. Hitchcock arbeitet als Regisseur an den Filmen "Downhill" und "Easy Virtu". Gegen Ende des Jahres beginnen die Dreharbeiten zu "The Ring", wo sich Hitchcock zum erstenmal als Drehbuchautor versucht. Auch die Arbeiten zu "The Farmer's Wife" begannen schon 1927.
Im Jahre 1928 drehte er den Film "Champagne" mit Batty Balfour in der Hauptrolle. Desweiteren arbeitet er an "The Mauxmen" mit Anny Oudra. Am 7. Juli wird seine erste Tochter Patricia Alma geboren. Ab November begannen die Arbeiten zu "Blackmail", bei dem Hitchcock Regie und das Drehbuch beisteurte. 1927 hatte Hitchcock bei British International Pictures einen Vertrag unterzeichnet und führte zusammen mit Maxwell mit dem Film "Blackmail" den Tonfilm ein.
1930 wurde die Hitchcock Baker Productions Limited zu Werbezwecken gegründet. Noch im selben Jahr drehte er "Murder" und begann mit den Arbeiten zu "The Skin Game". 1931 gönnte sich Hitchcock eine kleine Pause, zu Weihnachten machte er zusammen mit seiner Familie eine Weltreise. 1932 beendete er mit den Filmen "Number Seventeen", "Endlich sind wir reich" und "Lord Camber's Ladies" die Zusammenarbeit mit British International Pictures.
1933 wagte sich Hitchcock auf ein neues Gebiet. Er inszenierte das Musical "Waltzes from Vienna". Von Mai bis August 1934 begannen die Aufnahmen zu "The Man Who Knew too Much". Weihnachten wie auch in der Folgezeit zu Weihnachtenmachte er Winterurlaub mit seiner Familie in St. Moritz.
1935 folgten zwei Filme, die er in Zusammenarbeit mit Bennet realisiert. Diese hießen "39 Steps" und "Secret Agent". Joan Mary Harrison, mit der Hitchcock später ein Verhältnis haben wird, wird seine Sekretärin. 1936 drehte Hitchcock den Film "Sabotage". Von März bis Mai 1937 arbeitete er an dem Film "Young and Innocent". Im Oktober erfolgen die Aufnahen zu dem ersten und einzigen Film nach einem fremden Drehbuch "The Lady Vanishes".
Ab 1. September bis Mitte Oktober 1938 arbeitet Hitchcock an dem Film "Riff Piraten". Im selben Jahr unterzeichnet Hitchcock einen Vertrag mit David O. Selznick. Am 1. März 1939 verläßt Hitchcock mit seiner Familie London und kommt über New York und Florida nach Los Angeles. Dort trifft er auf Ernest Hemingway und Thomas Mann. Der 8. September ist der Termin für den Drehbeginn zu "Rebecca". 1940 drehte Hitchcock "Foreign Correspondent" ("Mord") und "Mr. und Mrs. Smith". Die Dreharbeiten zu "Before the Fact" ("Suspicion"/"Verdacht") zwischen dem 10. Februar und 24. Juli 1941 erweisen sich als sehr schwierig. In der Folgezeit fertigt Hitchcock Kurzfilme für die britische Libary of Information an. Joan Harrison beendet die Beziehung zu Hitchcock. Im Mai bis Juni 1942 entsteht in Zusammenarbeit mit Thornton Wilder das Drehbuch für "Uncle Charlie". Am 26. September stirbt Hitchcocks Mutter. Das ist der Beginn einer schweren Zeit für Hitchcock, denn am 4. Januar 1943 begeht sein Bruder William in London Selbstmord. Hitchcock stürtzt sich in Arbeit und dreht von Juli bis November "Lifeboat". 1944 folgen zwei Kurzfilme mit dem Titel "Bon Voyage" und "Aventure Malgache". Am 10. Juli dreht er seinen ersten Film mit Ingrid Bergman. Unter Mithilfe von Salvador Dali entsteht "Spellbound". Im Oktober 1945 entsteht der Film "Notorious" ("Berüchtigt"). Im April 1946 erfolgt die offizielle Gründung der Transatlantic Pictures mit Sidney Bernstein. Im Dezember beginnen die Arbeiten zu "Der Fall Paradine".
1947 produzierte Hitchcock "Rope" ("Cocktail für eine Leiche") bei Transatlantic Pictures. Dies war Hitchcocks erster Film in Technicolor. 1948 beginnen die Aufnahmen zu "Under Capricorn" in England. 1949 drehte Hitchcock mit Marlene Ditrich und Jane Wyman "Stage Fright" ("Die rote Lola"). Am Jahresende wurde Transatlantic Pictures aufgelöst. 1950 drehte Hitchcock "Der Fremde im Zug" mit seiner Tochter in einer Nebenrolle. Das Drehbuch schrieben Raymon Chandler und Czenzi Ormonde.1952 heiratet seine Tochter in New York. Im August wird "Zum Schweigen verurteilt" in Quebec gedreht. Am 17. April wird seine erste Enkelin Mary geboren. Im Juli experimentiert Hitchcock mit der 3-D-Technik beim Dreh zu "Bei Anruf Mord". Dies ist der erste Film mit Grace Kelly. Im May 1954 wird "Über den Dächern von Nizza" in Südfrankreich produziert. Am 2. Juli wird seine zweite Enkelin Theresa geboren. Im Herbst dreht Hitchcock "Immer Ärger mit Henry". Mit diesem Film beginnt eine langjährige Zusammenarbeit mit Bernard Herrmann, der ihm für zahlreiche Filme die Musik schreibt. 1955 beginnt Hitchcock mit den Dreharbeiten zu "The Man Who Knew too Much". Diese endeten erst im Juli. Im Januar kommt es zu der ersten Begegnung mit dem Filmreporter Francois Truffaut. Am 20. April 1955 erhält Alfred Hitchcock die US-Staatsbürgerschaft. Am 2. Oktober startet die Fernsehserie "Alfred Hitchcock Presents". Der erste Film heißt "Revenge" mit Vera Miles in der Hauptrolle. Von März bis Juni 1956 realisiert Hitchcock den Film "Der falsche Mann".
Das Jahr 1957 beginnt problematisch. Hitchcock muß sich einer Leistenbruch- und Gallenoperation unterziehen. Gegen Ende des Jahres dreht Hitchcock nach schwierigen Vorarbeiten den Film "From Amongst the Dead". Am 30. September läuft die Serie "Suspicion" an. Noch im selben Jahr veröffentlichte Claude Chabrol ein Monographie von Hitchcock. 1958 verfilmt er Kurzgeschichten von Roald Dahl (welche ich mit Genuß gelesen habe) fürs Fernsehen. Am 18. April muß sich Hitchcocks Frau Alma einer Krebsoperation unterziehen. Gegen Ende des Jahres drehte Hitchcock den Film "North by Northwest"("Der unsichtbare Dritte"). Am 27. Februar 1957 wird Enkelin Kathleen geboren. Die Produktion von "No Bail for the Judge" wird abgebrochen. Vom 7.-9.Juli dreht Hitchcock das Fernsehspiel "Arthur". Hitchcock wird auf ein Buch von Robert Bloch aufmerksam. Der Titel des Buches lautet "Psycho". Er wollte eigentlich einen jungen Autor damit beauftragen das Buch zu bearbeiten und in ein Fernsehdrehbuch umzuschreiben. Aber diese Fassung genügte Hitchcock nicht, und er wollte, daß es noch einmal überarbeitet werden sollte. So kam er durch einen Rat einiger MCA- Mitarbeiter auf Joseph Stefano. Die beiden trafen sich nun über Wochen, um über Einzelheiten zu sprechen. Dabei wollte Hitchcock das Gerüst und die Geschichte des Buches beibehalten. Stefano riet Hitchcock die Figuren etwas sympatischer anzulegen.als im Buch.
Psycho ist die Geschichte einer Frau - Marion, welche 40.000 Dollar von ihrem Chef stiehlt, um damit ihren Liebhaber von seinen Schulden zu befreien, ein neues Leben zu beginnen und ihren Geliebten zu heiraten. Auf der Fahrt zu ihm hält sie an einem einsam gelegenen Motel an und trifft den Besitzer - Norman Bates, einen scheuen Mann, der sehr unter seiner herrschsüchtigen und tyrannischen Mutter leidet.
Die junge Frau geht nun hinauf in ihr Zimmer und will sich von den Strapazen ihrer Reise erholen. Sie geht unter die Dusche. Dort wird sie brutal überfallen und einer Vergewaltigung gleichartig erstochen. Dem Zuschauer wird suggeriert, daß dieser brutale Akt von der Mutter durchgeführt wurde. Dann ist die alte Frau verschwunden. Als der Besitzer Norman die Leiche findet, wirkt dieser wirklich bestürzt. Er beseitigt sehr gewissenhaft alle Spuren der Tat. Marions Leiche, ihre Kleider und das Geld verstaut er in ihrem Auto und versenkt dieses. Doch Marions Verschwinden bleibt nicht unbemerkt. Drei Leute suchen nun nach ihr: ihre Schwester Lila, Sam und Arbogast, einen Versicherungsagent, der beauftragt worden war, nach dem Geld zu suchen. Als erster wird Arbogast mißtrauisch, weil Norman es ihm verweigert ihn zu seiner Mutter zu bringen. Er berichtet nun den anderen von seinem Verdacht und kehrt heimlich in das Haus zurück. Ergeht nun langsam den ersten Stock hinauf und wird, oben angekommen, ebenfalls mit zahlreichen Messerstichen getötet. Lila und Sam erkundigen sich derweil beim Sheriff des Ortes über Norman und seine Mutter. Zu diesem Zeitpunkt erfahren sie, daß die Mutter bereits seit zehn Jahren tot ist. Nun beschließen die zwei das Motel zu durchsuchen. Dabei entgeht Lila nur knapp dem Tode. Während des anschließenden Kampfes stellt sich heraus, daß Norman unter Schizophrenie leidet und, wenn er sich mit seiner Mutter identifiziert, zu einem pathologischem Mörder wird.
Stefanos Arbeit gefiel Hitchcock sehr gut. Das einzig Positive, was er aber über das Skript sagte, war: "Alma mochte die ersten Szenen sehr.". Aber Hitchcock war es noch nie gelungen seine Freude zu etwas zu äußern. Insofern war dies schon ein Erfolg. Hitchcock wollte diesen Streifen mit sehr wenig Geld umsetzen. Dabei halfen ihm die Umstände, daß er ein Fernsehteam mit Studio jederzeit zu seiner Verfügung hatte, daß Anthony Perkins Paramount noch einen Film schuldete, und er ihn für eine geringe Gage verpflichten konnte, daß es damals der Karriere förderlich war, wenn man mit Hitchcock arbeitete. So konnte er auch Janet Leigh, Vera Miles und John Gavin für sich zu äußerst günstigen Konditionen gewinnen.
So kam Hitchcock mit 800.000 Dollar Produktionskosten aus. Zwischen November 1959 und den ersten Januarwochen 1960 inszenierte Hitchcock "Psycho" in den Revuestudios. Aber der Dreh sollte streng geheim bleiben. So schrieb man immer "Wimpy" auf die Drehklappe, um Neigierige auf eine falsche Fährte zu locken. Er engagierte als Kameramann John L. Russel, anstelle von Robert Burks, seinem Cutter blieb er jedoch treu. Es wurde sein langjähriger Mitarbeiter George Tomasini. Hitchcock arbeitete sehr eng mit seinen Schauspielern zusammen und berücksichtigte auch Verbesserungsvorschläge ihrerseits. So war es der Einfall von Anthony Perkins, daß der Mörder Norman den ganzen Film hindurch Süßigkeiten aß. Die wohl berühmteste Szene bzw. Sequenz ist die Duschszene. Von Anfang an hatte sich Hitchcock dazu entschlossen, Saul Bass den Entwurf für diese Sequenz zu überlassen. Saul Bass hatte schon in "Aus dem Reich der Toten" und "Der unsichtbare Dritte" die Titelsequenz geschaffen. Dieser sollte das Storyboard entwerfen. Klar war auch, daß Hitchcock speziell für die Duschszene ein professionelles Nacktmodell engagieren würde.
Eben genau diese Szene ist es, die einer genauen Analyse bedarf.
Der eigentliche Mord dauert 45 Sekunden, hatte 70 Kamerapositionen und 116 Einstellungen. Für die Analyse weite ich den Zeitraum etwas aus und betrachte auch die Entwicklung bis hin zum Mord. Meine Analyse beginnt mit der Szene, in der Norman durch das Hinterzimmer des Empfangsraumes geht. Das ist Normans Zimmer. Der Raum wird nur schwach erleuchtet durch eine Lampe. Das Fenster ist mit einer Gardine verhangen. Es ist draußen dunkel. An den Wänden hängen Bilder und ausgestopfte Vögel. Die Vögel sind eine Art Symbol. Norman interessiert sich für ausgestopfte Vögel (er hat ja seine Mutter auch ausgestopft). Die Vögel, die zusehen sind, sind Geschöpfe der Nacht, sie sind Späher. Genau das gefällt dem Masochismus von Norman. Er kennt diese Vögel. Er fühlt sich von ihnen beobachtet und kommt ins Zweifeln, wenn er sein Schuldgefühl in den Blick der Vögel überträgt. Norman unterbricht seine Gang durch das Zimmer als er an der anderen Seite angelangt ist. Er hadert kurz mit sich und horcht dann doch. Er hört ein Rumpeln im Zimmer neben an. Nun stutzt er kurz und dreht sich doch um.
Die Kamera fährt den ganzen Weg, den Norman durch das Zimmer geht, neben Norman her. Die Einstellungsgröße ist Nah, die Perspektive Normal. Die erste Einstellung dauerte 26 Sekunden. Nun kommt ein Umschnitt.
Der Blick fällt auf ein Gemälde an der Wand. Der Zuschauer sieht Norman über die Schulter. Norman nimmt nun das Bild von der Wand, welches die Geschichte der Susanna im Bad erzählt. Es ist die Geschichte einer Frau, die von Voyeuren überfallen wird, deren Erregung dadurch erzeugt wird, daß sie ihr beim Auskleiden zusahen. Hinter dem Bild wird ein kleines helles Loch sichtbar. Norman geht näher zum Loch hin und sieht hindurch. Die Einstellungsgröße ist Groß. Die Sequenz dauerte bis Minute 0.31 .
Es folgt eine weitere Einstellung von Norman. Diesmal blickt die Kamera seitlich auf ihn. Norman wird beim Schauen durch das Loch gefilmt. Er sieht gierig hindurch. Die Einstellung ist Groß. Die Szene dauert bis Minute 0.34 an.
Die bis jetzt gezeigten Szenen sollen den Zuschauer neugierig machen und ihn dazu verleiten selbst zum Voyeur zu werden. In der folgenden Szene wird dem Zuschauer gegeben was er wollte. Es wird gezeigt was sich hinter dem Loch abspielt. Der Blick fällt auf Marion, die sich gerade entkleidet (sie zieht ihre Pullover aus). Marion steht in einem dunklen Raum vor einem Bett. An den Wänden hängen Bilder. Direkt hinter Marion befindet sich eine geöffnete Tür zu einem hell erleuchteten Raum. Einzelheiten im Raum sind nicht deutlich auszumachen. Es handelt sich vermutlich um das Bad mit der berühmten Dusche. Der Zuschauer sieht nun mit Normans Augen. Die Einstellung schwankt zwischen Amerikanisch und Halbnah. Ich würde jedoch mehr zun Amerikanisch tendieren, da hier die Betonung mehr auf der Handlung Marions liegt als auf der Umgebung. Die Szene dauert bis Minute 0.39 an.
In der nächsten Einstellung wird die Aktion des Sehens beim Zuschauer noch mehr betont. Sie zeigt Normans Auge in einer Detailaufnahme. Die Aktion gleicht jedoch mehr einem Starren als einem Zuschauen. Die Sequenz dauert bis Minute 0.41 an.
Die nächste Einstellung zeigt wieder Marion beim Entkleiden. Marion steht nach wie vor an der selben Stelle. Sie zieht nun ihren BH aus. Jedoch bevor genaue Konturen ihrer Brust sichtbar werden, erfolgt wiederum ein Umschnitt. Dies hat den Grund, daß es sich damals nicht gehörte, die weiblichen Geschlechtsorgane offen und bewußt zu zeigen. Heute hätte man sicher keine Skrupel davor. Aber gerade dieser Fakt der "Beinahe-Enthüllung" fesselt den Zuschauer. Das ist wie wenn man einem Hund ein saftiges und blutiges Steak hinhält, und bevor er es sich schappen kann, zieht man es wieder weg. So fesselt man seine Aufmerksamkeit. Diese Szene dauerte bis Minute 0.43. Die Einstellungsgröße hat sich nicht verändert.
Nun erfolgt ein erneuter Umschnitt auf Normans Auge. Auch hier ändert sich die Einstellungsgröße gegenüber vorher nicht. Der Zuschauer beneidet Norman nun, weil es nur ihm vergönnt ist, Marion zu sehen. Der Zuschauer entwickelt also eine emotionale Bindung mit Norman. Es gibt sicher auch Zuschauer, die mit Norman Mitleid empfinden, da ja noch eine Wand zwischen ihm und Marion ist, er also nicht an sie herankommt. Es könnte aber auch sein, daß es Menschen gibt, die Mitgefühl mit Marion verspüren, da sie einer Vergewaltigung gleich von Norman angestarrt wird. Welcher Fall auch immer - der Zuschauer wird gefesselt. Er geht mit dem Film mit, weil er sich entweder sagt: "Hoffentlich entdeckt sie das Loch nicht!" oder "Hoffentlich sieht sie das Loch und geht ins Bad!". Das war eine Absicht Hitchcocks. Die Szene dauerte bis Minute 0.47 an.
Nun erfolgt ein weiterer Umschnitt. Wir sehen jetzt wieder Marion. Sie hat bereits einen Morgenmantel über ihren nackte Körper gezogen. Sie geht in Richtung Bad, zögert kurz und geht dann doch nach rechts aus dem Blickfeld von Norman. Die Szene dauert bis Minute 0.51. Die voyeuristische Szene ist beendet.
Die nächste Einstellung ist wieder in Normans Zimmer. Die Kamera filmt seitlich an der Wand über Normans Kopf. Der Blick fällt auf einen ausgestopften Vogel. Als Norman seinen Kopf hebt, füllt dieser fast das gesamte Fernsehbild aus. Beim Aufrichten hängt Norman das Bild wieder an. Nun überlegt Norman kurz und geht aber relativ zielsicher aus dem Zimmer. Dabei fällt die Tür sehr abrupt zu und schreckt den Zuschauer ein wenig auf, da man diese Aktion nicht unbedingt erwartete. Dies verdeutlicht eine weitere Absicht Hitchcocks. Er möchte den Zuschauer überraschen. Nichts ärgert ihn so, wie der Gedanke beim Zuschauer 'Ich weiß schon was jetzt kommt'. So leitet Hitchcock sehr oft bewußt den Zuschauer auf eine falsche Fährte. So ist bereits die erste Szene im Film eine Irreleitung. Denn der Zuschauer erwartet eine andere Art von Film, wenn er zwei sich liebende Menschen nach dem Liebesspiel sieht. Doch "Psycho" ist kein Drama oder Liebesfilm, sondern ein Thriller mit Anspielungen zum Horrorfilm. Auch die Fahrt Marions zu ihrem Geliebten mit den vielen Einzelheiten (Polizist u.a.) ist eine Irreführung. Eine weitere Irreführung wird noch im Laufe der Analyse auftreten.
Doch zurück zur Analyse; in die Tür, die Norman zuschlägt, ist ein Fenster eingebaut. Dieses ist jedoch durch eine Gardine verhängt. In einem Fenster kann man sich spiegeln, also ist ein Fenster einem Spiegel ähnlich. Das ist vielleicht eine Anspielung auf die unterdrückte zweite Seele Normans, die er nur qualvoll ausleben kann. Die Szene dauert bis Minute 1.10. Die Perspektive ist Normal mit leichten Nuancen von oben. Die Einstellung änderte sich nicht.
Die nächste Einstellung findet im Empfangsbereich statt. Norman schreitet auf die Kamera zu. Er verharrt kurz. Die Kamera schwenkt nach links, Norman folgt ihr und geht nach links an ihr vorbei. Die Perpektive ist Normal, der Zuschauer hat das Gefühl Norman direkt gegenüberzustehen. Aber Norman würdigt der Kamera keinen Blick. Die Szene dauert bis 1.20 Minuten an.
Die nächste Einstellung spielt draußen. Norman geht vom Motel ins gegenüberliegende Haus. Es ist Nacht. Im zentralen Bereich des Bildes befindet sich ein Schatten eines Hauses, welches aufgrund der mangelnden Beleuchtung nicht deutlich zu erkennen ist. In ein paar Fenstern sind Lichter. Der Himmel ist wolkig. In der Gegend stehen wahllos Bäume. Das Haus im zentralen Bereich ist etwas höher gelegen. Im rechten Bildrand ist noch das Haus zu erkennen, welches Norman gerade verlassen hat. Der Anblick von dem horizontalen Haus in der Bildmitte und dem vertikalen Haus rechts am Bildrand ist sehr angenehm. Der Zwischenraum zwischen Haus und Motel ist unregelmäßig gepflastert. Die Einstellung ist Total, da eine gewisse Betonung auf der Umgebung liegt. Die Szene dauert bis 1.32 Minuten an.
Die nächste Aktion findet im Haus statt. Der Blick fällt auf eine Tür ähnlich der Tür zu Normans Zimmer. Der Raum ist gut erhellt. Norman kommt nun durch die Tür ins Haus und geht links an der Kamera vorbei. Die Einstellung ist Halbnah. Die Perspektive ist in den Grundzügen eine normale, hat jedoch Aspekte der Froschperspektive. Die Szene endet bei 1.36 Minuten.
Die nächste Einstellung ist eine 180 Drehung der vorhergehenden Szene. Im rechten Bildrand befindet sich eine Treppe mit Teppich. Norman geht nun zielgerichtet auf die Trepp zu, bleibt aber auf der 1. Stufe stehen und kehrt um. Er geht jetzt links an der Trepp vorbei in eine Art Durchgang. Links befindet sich ein Schrank und geradeaus eine Lampe. Norman steckt nun seine Hände in die Hosentasche und geht nach links aus der Szene. Die Perspktive ist eine leicht erhöhte Normalperspektive. Die Sequenz dauert bis 1.49 Minuten.
Die nächste Einstellung ist in dem Raum wo Norman hineingegangen war. Der Blick fällt in einen Raum, wo links ein Schrank mit Gäsern steht. Norman geht nun bis ganz nach hinten an einen Tisch und setzt sich auf einen davorstehenden Stuhl. Der Tisch und die darüber hängende Lampe sind nur halb zu sehen, da der Blick durch einen Mauervorsprung gehindert wird. Norman blickt nun zurück in die Kamera und wieder zurück auf den Tisch und wieder in die Kamera. Die Einstellung ist Weit und dauert bis 2.01 Minuten.
Die folgende Szene spielt sich in Marions Zimmer ab. Marion sitzt an einem Schreibtisch und schreibt etwas. Ihren Kopf stützt sie auf eine Hand. Das Licht kommt von rchts hinten. Links befindet sich ein verdeckter Spiegel. Im gesammten Film tauchen unabläßlich Spiegel auf. Dies war von Hitchcock bewußt so angeordnet worden. Der Spiegel ist nicht nur ein Zeichen für eine gespaltene Persöhnlichkeit, er bedeutete auch das bedürfnis Hitchcocks nach der Erkenntnis des eigenen Inneren.Die Einstellungsgröße ist Nah . Die Sequenz hat eine Länge von 4 Sekunden.
Die nächste Einstellung versezt den Zuschauer in den Blickwinkel von Marion. Sie schaut auf ein kleines Büchlein und rechnet ihre Unkosten von den 40000 Dollar ab. Die Einstellungsgröße ist Detail. Die Sequenz dauert bis 2.08 Sekunden. Die Perspektive ist eine Vogelperspektive.
Nun kommt es zu einem Umschnitt. Nun sehen wir wieder die vorletzte Einstellung. Marion wirft einen verzweifelten nach oben und seufzt. Dann reißt sie einen Zettel aus dem Buch und zerreißt ihn. Dann schwenkt die Kamera leicht nach links. Marion sieht nun sehr unglücklich nach unten, dreht sich nach links (Richtung Dusche ??) und steht auf. Sie geht nun in zur Dusche. Die Kamera schwenkt mit Marion mit. Die Einstellung ist amerikanisch und dauert bis 2.33 Minuten an.
Die nächste Einstellung ist dem voyeuristischen Blick Normans zu Beginn sehr ähnlich. Der Zuschauer sieht Marion ins Bad gehen. Der Raum wirkt dabei dunkel die Dusche aber sehr hell. Es sieht aus als ob Marion in eine andere Welt geht. Marion bückt sich nun zur Toilette. Die Szene dauert bis 2.38 Minuten an.
In der nächsten Einstellung wird die Toilette von oben in einer Großaufnahme gezeigt. Marion wirft nun das Papier hinein und spült. Der Spülvorgang wird "genußvoll" und sehr genau verfolgt. Diese Sequenz dauert 3 Sekunden.
Die nächste Szene zeigt Marion im Bad in einer Nahaufnahme. Marion richtet sich auf. Sie schließt nun die Tür und geht zum Bad. Als sie ihren Mantel auszieht, blickt die Kamera auf einen nackten Rücken. In dem Augenblick wo Marion die Tür schließt, endet die, bis zu diesem Zeitpunkt laufenden und äußerst dramatischen, Musik. Diese Sequenz dauert bis 2.46 Minuten an.
Die nächste Sequenz zeigt in einer Detailaufnahme den zu Boden fallenden Mantel. Die Kameraposition befindet sich am Boden. Die Kamera schwenkt nun leicht nach links und zeigt Marions Beine, wie sie in die Dusche steigen. Diese Sequenz hat eine Länge von 5 Sekunden.
Die nächste Szene spielt sich weiter oben ab. Es zeigt eine vage Siluette auf dem Duschvorhang. Das ist vermutlich eine sich bückende Marion. Diese Szene dauert bis 2.52 Minuten an.
Die nächste Sequenz findet in der Dusche statt. Marions Kopf kommt von unten ins Bild. Oben links ist ein Duschkopf zu erkennen. Die Einstellung ist Nah. Marion blickt nach oben und, erst jetzt kommt Wasser aus dem Duschkopf. Das Wasser spritzt von oben links nach rechts unten. Damit wird das Motiv des Zerschneiden schon angedeutet. Diese Szene dauert bis 3.02 Minuten an. Als nächstes sieht man den Duschkopf von unten. Das Wasser scheint in die Kamera zu laufen.Das ist eine Froschperspektive. Die Sequenz dauert aber nur 1 Sekunde.
In der Folgezeit werden die Einstellungen immer schneller aufeinander folgen. Der Zuschauer wird nun durch eine höhere Frequenz auf das Finale vorbereitet.Die Erregungen und Emotionen werden hochgeschaukelt.
Im Film wird nun Marion gezeigt, wie sie genüßlich duscht. Dies geschieht mal von oben (Marion streicht sich über den Hals - 3.05), von der Seite (Marion genießt die Dusche und dreht sich zum Zuschauer um - 3.09), mit Zoom (Marion dreht sich nach rechts - 3.16) oder mit einer Kamera, die in der Wand zu seien scheint (zwischen Wand und Marion) so das der Vorhang sichtbar wird (3.19). Zwischendurch wird einmal der Duschkopf seitlich eingeblendet (3.16 - 3.18).
Meine Analyse geht nun an einem Punkt weiter, wo die Kameraposition sowohl Marion (unten), den Vorhang (Bildmitte) und die Badtür (oberer Bildrand) zeigt. Nun kann man sehen wie die Tür langsam auf geht. Ein Schatten wird hinter dem Vorhang sichtbar. Die Kamera konzentriert sich nun auf diesen. Die Kamera zoomt nun an den Schatten heran. Dieser wird nun immer deutlicher. Der Schatten zieht den Vorhang auf. Sichtbar werden die Umrisse einer Gestalt. Wer diese Gestalt ist kann der Zuschauer nicht sagen, da die helle Lampe auf der anderen Seite des Bads einen blendet. Die Umrisse deuten jedoch auf eine feminine Person. In der rechten Hand hält die Person (Norman) ein Messer. Er hebt nun den rechten Arm und droht zuzustechen. Das ist eine Amerikanische Einstellung. Die Sequenz dauert bis 3.35 Minuten an. Nun erfolgt ein Umschnitt auf Marion. Sie dreht sich um. Gleichzeitig setzt die so bekannte Musik ein, die einem durch Mark und Knochen geht. Die Einstellung ist Nah und dauert nichteinmal 1 Sekunde. Noch innerhalb einer Sekunde wird Marions Kopf in Großaufnahme gezeigt. Ein Schrei ertönt. In der nächsten Sekunde folgt die Einstellung mit Marions Mund in einer Detailaufnahme.
Der Zuschauer nimmt nun die Position von Marion ein und sieht von unten auf den Schatten: Der sticht zu. Das Messer bewegt sich von oben nach unten (3.38). Nun sieht der Zuschauer mit den Augen des Schattens auf Marion herab. Diese befindet sich links unten im Bild und versucht die Stiche sbzuwehren (3.39). Die nächste Einstellung zeigt eine größere Nahaufnahme des Schatten, welcher zum erneuten Stich ausholt (3.39). Der Arm des Schattens mit dem Messer wird sichtbar. Er bewegt sich von unten nach oben (3.39). Schon hier sind (wie auch in der Folgezeit ) die gegeneinander gerichteten Bewegungen auffällig, die den Zuschauer aufwühlen sollen.
Die nächste Einstellung zeigt die Geschehnisse von oben direkt unter der Decke. Es ist zu sehen, wie Marion vergeblich versucht die Stiche abzu wehren . Das Messer dringt in Marions Körper ein (3.40). Die nächste Einstellung zeigt Marions Gesicht wie es sich nach links wegdreht (3.41). Nun folgt wieder der Blick von oben (Vogelperspektive) auf die Geschehnisse. Da sticht der Mörder von links nach unten rechts auf Marion ein (3.43 ). In der folgenden Einstellung wird Marions Gesicht in einer Großaufnahme gezeigt. Immer noch ertönt der Schrei ( 3.44 ). Dann sieht man wie von oben näher auf das Messer gezoomt, wie selbiges von links nach rechts bewegt wird. Nun wird wieder die Sichtweise Marions eingesteut. Aus ihrer Perspektive sieht man wie der Schatten zum erneuten Stich ausholt (3.45).
Direkt darauf folgt der Blick des Schattens auf Marion. Ihr Gesicht bewegt sich von rechts nach links aus dem Bild (3.46). Darauf folgt wieder der Blick auf den Schatten (Vogelperspektive) wie er diagonal zusticht (3.46). Nun wird kurz Marions Gesicht eingeblendet. Noch in der selben Sekunde erscheint das Motiv, wo durch das ausströmende Wasser der Schatten sichtbar ist. Nun sticht das Messer durch das diagonal strömende Wasser (3.47). In der nächsten Sekunde wird Marions Gesicht (Großaufnahme) und die vorletzte Szene (siehe 3.47) eingeblendet (3.48). In der nächsten Sekunde geschehen wieder mehrere Szenen. Da erscheint Marions Gesicht, das Motiv aus ' 3.47 ' und Marions Bauchnabel, wo das Messer diagonal von oben rechts nach links unten vorbeistreicht. Nun wird wieder das Gesicht von Marion eingeblendet. Noch in der selben Sekunde erscheint eine Detailaufnahme des Messers mit der Bewegung von rechts oben nach links (3.50). Jetzt sieht man den nackten Körper Marions, in den das Messer eindringt. In der nächsten Szene sieht man Marions Gesicht und einen Arm (3.51). Die Kameraposition der nächsten Szene ist etwa zu vergleichen mit dem Blick Marions nach unten auf ihre Füße. Einzelne Bluttropfen fallen ins Wasser. Es erscheint der Eindruck als ob Marion zusammensackt (3.52). Die nächste Szene zeigt Marions Gesicht, wie es sich von oben nach unten bewegt (3.53).
Die nächste Sequenz stellt erneut den Blick Marions nach unten dar (3.54). Als nächtes sieht man die auf Kacheln dahinschleichenden Schatten von Fingern (3.55).Nun schauen wir Marion über die Schulter. Sie hat sich an die Wand gelehnt und gleitet leicht nach unten (3.56). In der fogenden Einstellung sieht man wie der Mörder das Bad durch die Tür verläßt (3.57). Jetzt sieht man eine Hand auf einer Kachel in Detailaufnahme. Die Hand rutscht nach unten versucht aber das Abrutschen durch Einkrallen zu verhindern ( 4.03 ). Marions Kopf wird nun in Großaufnahme eingefangen . Marion dreht sich ein letztes mal und schaut den Zuschauer an. Sie gleitet, begleitet durch die Kamera, nach unten. Marion hebt die Hand und steckt sie dem Zuschauer hilfesuchend entgegen (4.21).
Es folgt die Detailaufnahme einer Hand, welche nach dem Vorhang greift und sich an ihm festkrallt. Das ganze spielt sich ausschließlich am linken Bildrand ab (4.27). Es folgt eine Einstellung, die das Bad von oben zeigt. Dabei trennt die Vorhangstange das Bild in zwei Teile. Auf der linken Seite befindet sich Marion in der Dusche. Auf der rechten Seite sieht man das verlassene nahezu klinischreine Bad (4.27). Die nächste Einstellung zeigt die Vorhangstange die diagonal durch das Bild geht. Der Vorhang spnnt sich und reißt schließlich ab (4.29). Bei der nächste Sequenz ist die Kameraposition, wie schon in der Szene, wo Marions Mantel zu Boden fällt, direkt am Boden vor der Toilette. Der Vorhang fällt zu Boden .Ihm nach fällt auch Marion neben die Toilette.
In dieser Szene setzt die Musik aus, es ist nur noch das Geräusch des Wassers zu hören (4.31). Es wird noch einmal die Szene eingeschoben, in der der Duschkopf von unten zu sehen ist (4.32). Der nächste Blick richtet sich auf die Wanne in der sich noch die Beine Marions befinden. Das blutige Wasser fließt von rechts oben nach links unten. Die Kamera schwenkt nach links zum Abfluß hin. Nun wird auf den Abfluß gezoomt. Es erscheint der Eindruck als kriche die Kamera in dem Abfluß (4.49). Nun erfolgt ein Umschnitt auf die Detailaufnahme von Marions Auge. Dies erscheint tot und leblos. Auch starrt es mehr als das es blickt.Das Starren ist für Hitchcock nicht nur ohne moralisches Sehvermögen - es ist ein Vorspiel, dem der Tod folgt. Die Kamera geht nun keisförmig sich drehend weg. Marions Gesicht, welches auf dem nackten sich spiegelnden Kachelboden liegt, wird sichtbar (5.18).
Hier beende ich nun meine Anlyse.
Hitchcock versteht es wie kaum ein anderer Filmemacher die Gefühle des Zuschauers zu leiten, zu steuern aber auch zu verwirren. Ob dies nun durch die furchterregende Musik geschieht oder der Eindruck eines alles zerfetzenden Messers, das auf die Leinwand einsticht, ist. Hitchcock wollte das Publikum schocken- es wütend machen.Das Motiv des Zerschneidens taucht auch in anderen Phasen des Films auf. Dieses Teilen des Bildes geschieht z. B. durch einen Kran am Horizont der Stadt Phoenix, durch die vertikalen Bettpfosten, durch ein Telegraphenmast, dessen Schatten Janet Leighs gepaktes Auto " zerschneidet ". Aber dazu tragen auch die schnellen Schnitte der Mordszene, wo 70 Kamerapositionen in 45 Sekunden untergebracht werden, bei. Dies wühlt die Emotionen der Zuschauer auf. Auch der frühzeitige einer Vergewaltigung gleiche Mord an der Hauptdarstellerin war von Hitchcock gekonnt eingesetzt worden, um das Publikum sowohl wütend zu machen, aber es auch zu verwirren, zu verunsichern und es damit zu fesseln.
Hitchcock experimentierte auch mit dem Film. Er provozierte. Er setzt bewußt eine gewisse Weichzeichner - Erotikein, aber ohne dabei zu offen das Thema Sexualität anzuspechen (daher liegt es nahe, den Mord wie eine Vergewaltigung zu sehen). Gespannt war Hitchcock, wie die Szene mit der Toilettenspühlung und der obzönen Geräusche, die diese macht, auf das Publikum und die Kritiker wirken würde. Genau das war es, was auch Paramount in Alarmzustand versetzte (nicht etwa die noch heute als brutal angesehene Mordszene). Die Toilette erschien schon in zahlreichen anderen Filmen (15) Hitchcocks. Sie ist ein Versteck, ein Ort, an dem ein Liebesakt vorbereitet wird oder ein Ort, wo Spione Geheimnisse entdecken (z. B. "Aus dem Reich der Toten", "Der unsichtbare Dritte", "Marnie", "Der zerrissene Vorhang" und "Topas").
Jede Figur in Psycho hat ein Geheimnis, lebt hinter einer Verkleidung oder hat etwas zu verbergen: die heimlichen Pläne der Liebenden in der Anfangsszene, die Beruhigungsmittel, die Janet Leighs Kollegin heimlich nimmt (Pat Hitchcock in ihrer letzten Rolle in einem Film ihres Vaters), die Whiskyflasche, die in einem Schreibtisch eines Arbeitgebers versteckt ist. Hitchcock arrangiert die Details und Ereignisse so flüssig, daß die Handlungen unabwendbar wirken und einander ergeben.
1962 drehte Hitchcock mit Tippi Hedren "Die Vögel". Im September 1963 beginnen die Dreharbeiten zu "Marnie". Am 7. März 1965 erhält Hitchcock den 'Milestone Award'. Von November 1965 bis 1966 dauern die Dreharbeiten zu "Torn Curtain". 1968 wird Hitchcock von der Universität von Kalifornien zum Ehrendoktor ernannt.
Nach einem Schlaganfall von Alma 1971 zieht sich Hitchcock von der Arbeit des Drehs größtenteils zurück. 1972 erhält Hitchcock den 'Golden Globe Award'. Im Oktober 1974 bekommt Hitchcock einen Herzschrittmacher und im November unterzieht er sich einer Nierensteinoperation. 1975 ist Hitchcock körperlich fertig , ihm droht ein Herzinfarkt. Noch im selben Jahr erleidet Alma ihren zweiten Schlaganfall. Aufgrund seines zunehmenden Alkoholkonsums muß sich Hitchcock 1978 einer Entziehungskur unterziehen. 1979 vollzieht sich ein rascher geistiger und körperlicher Verfall Hitchcocks. Am 16. März 1980 ist Hitchcock letzter öffentlich Auftritt. Am 29. April stirbt Hitchcock, mit ihm ein großartiger Filmemacher.