Die 68er Bewegung
Inhaltsverzeichnis
1.0 Die 68er Bewegung
1.1 Einführung
1.2 Die Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland
1.2.1 Die „Spiegel-Affäre“
1.2.2 Die Große Koalition
1.2.3 Die Notstandsgesetze
1.2.4 Außerparlamentarische Opposition und Studentenbewegung
1.2.4.1 Internationale Forderungen
1.2.4.2 Die Proteste gegen den Springer-Konzern
1.2.4.3 Die Radikalisierung der Studentenbewegung
1.2.4.4 Höhepunkt und Niedergang der Studentenbewegung
1.3 Die Ereignisse im Ausland
1.4 Die Ereignisse in der DDR
1.5 Die Folgen der 68er-Bewegung
1.6 Persönliche Beurteilung der 68er-Bewegung
Thesenblatt
Personenregister
Quellenverzeichnis
1.0 Die 68er-Bewegung
1.1 Einführung
Die sechziger Jahre waren die Wendezeit der Nachkriegsgeschichte. Beide deutsche Staaten
veränderten ihr Gesicht nachhaltig. In dieser Zeit entwickelten sich unterschiedliche Denkmuster,
Erwartungshaltungen und Handlungsweisen. Daß die sechziger Jahre eine Zeit des Umbruchs
werden würden, wurde zuerst an der „Spiegel-Affäre“ deutlich. Die Polizeiaktion gegen das
Hamburger Nachrichtenmagazin setzte erstmals eine breite Demokratiedisskusion in Gang. ähnlich
wirkten sich die Auseinandersetzungen um die Notstandsgesetze aus, die in der Mitte der sechziger
Jahre ihrem Höhepunkt zustrebten. Kritiker der Notstandsgesetze sprachen von einem
„unerträglichen Machtzuwachs“ für den Staat. Nachdem die vergangenen Jahre den ökonomischen
Wiederaufbau und die Eingliederung und Verankerung im westlichen Bündnis gebracht hatten,
wurde die Bundesrepublik Deutschland nun mit neuen Bewährungsproben konfrontiert. Man mußte
mit der Aufarbeitung der schwierigen Vergangenheit beginnen, die bisher verdrängt worden war.
Begonnen wurde die Aufarbeitung durch eine Anzahl von spektakulären NS-Prozessen. Eine andere
Belastungsprobe stellte der Vietnamkrieg für das deutsch-amerikanische Verhältnis dar. Während
die Regierung in unerschütterlicher Vasallentreue zur westlichen Vormacht hielt, reagierte die
Nachkriegsgeneration mit Protesten. Am Ende der sechziger Jahre wurden die, vom
„Wirtschaftswunder“ verwöhnten, Westdeutschen dann auch noch mit einer beginnenden Rezession
konfrontiert. Auf diese wirtschaftlichen Schwierigkeiten reagierten CDU/CSU und SPD mit der
Großen Koalition. Damit setzten sie die Parlamentsdemokratie einer nicht unerheblichen Belastung
aus. Denn das daraus resultierende Fehlen einer starken Opposition im Parlament schwächte die
Demokratie und förderte die innenpolitische Radikalisierung. Weltpolitisch hinkte das getrennte
Deutschland hinterher. Auch als USA und Sowjetunion nach der Kubakrise (1962) erste
Entspannungsschritte unternahmen, blieben die beiden deutschen Staaten mit den alten
Feindbildern behaftet. Erst die neue Sozialliberale Koalition im Westen, und die Ablösung
Ulbrichts durch Honecker im Osten koppelten Deutschland an den internationalen
Entspannungsprozeß an. Die DDR faßte in den sechziger Jahren Tritt. Die ersten sichtbaren
Zeichen wirtschaftlichen Aufschwungs wurden stolz registriert. Die Verbesserung der
Lebensverhältnisse war allerdings oft nur vordergründig. Denn das kulturelle Leben wurde
beschnitten, die junge Generation zwanghaft streng erzogen und jede noch so leise Opposition
verfolgt. Die Hoffnungen vieler Ostdeutschen auf einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ a
la Prag wurden schnell zerschlagen. Denn die SED-Führung reagierte auf den „Prager Frühling“ mit
einem gezielten Ausbau des Stasi-Apparates. Dem Großteil der Ostdeutschen blieb also nur die
Anpassung an die Gegebenheiten, denn mit dem Mauerbau (13.08.1961) war die Flucht in den
Westen für die meisten unmöglich geworden. Doch der wichtigste Unterschied in der Entwicklung
von Bundesrepublik und DDR zeigte sich erst am Ende des Jahrzehnts. Denn zu dieser Zeit vollzog
sich ein einschneidender Wandel in Politik und Kultur der Bundesrepublik. Die Protestbewegungen
waren Ausdruck dieses Wandels. Das Verständnis der Demokratie begann sich stark zu verändern.
Bisher meist nur als bloße Wahlform verstanden, wurde sie nun als neue Lebensform erkannt, die in
jedem Teilbereich der Gesellschaft und des täglichen Lebens eingefordert werden konnte. Dieses
neue Demokratieverständnis fand seinen Niederschlag unter anderem in der Regierungserklärung
des Bundeskanzlers Brandt : „Wir stehen nicht am Ende unserer Demokratie, wir fangen erst
richtig an.“ Dieser westdeutsche Emanzipationsprozeß fand allerdings kein Gegenstück in der
ostdeutschen Entwicklung. Vom Abbau autoritärer Strukturen war hier nichts zu spüren. Damit
kam also zur politischen Trennung auch noch die mentale Spaltung hinzu.
1.2 Die Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland
1.2.1 Die „Spiegel-Affäre“
Die „Spiegel-Affäre“ ereignete sich im Oktober 1962. Verursacht wurde sie durch den Artikel
„Bedingt abwehrbereit“ in der „Spiegel“-Ausgabe vom 10.10.1962. Der Verfasser, Conrad Ahlers, berichtete darin über das NATO-Manöver „Fallex 62“ und deckte verschiedene Schwächen des
westdeutschen Verteidigungssystems auf. Die Bundesanwaltschaft leitete daraufhin ein
Ermittlungsverfahren ein. Am 26.10.1962 wurden die Räume des „Spiegel“ besetzt, Beweismaterial
beschlagnahmt und der Herausgeber Rudolf Augstein, sowie mehrere leitende Redakteure unter
dem Vorwurf des Landesverrats verhaftet. Conrad Ahlers wurde, ohne jede Rechtsgrundlage; an
seinem spanischen Urlaubsort durch die spanische Polizei verhaftet. Die Verhaftung ging auf das
persönliche Eingreifen von Verteidigungsminister Strauß zurück. Diese „Nacht- und
Nebelaktionen“ gegen den „Spiegel“ arlamierten die öffentlichkeit. Die Medien sahen den
Rechtsstaat bedroht. Reden des Bundeskanzlers Adenauer, in denen er die Aktionen gegen den
Spiegel unterstützte und seine Antipathie gegen Blatt und Herausgeber zugab, verstärkten die
Solidarisierung der öffentlichkeit noch zusätzlich. Gerade in den ersten Tagen traten vor allem
Studenten bei den Protestbewegungen auf. In diesen Tagen traten zum ersten Mal in der Geschichte
der Bundesrepublik Straßendemonstrationen als allgemein anerkannte politische
Meinungsäußerung auf. Früher galt diese Form der Meinungsäußerung als suspekt. Langsam zeigte
sich, daß sich das Politikverständnis grundlegend geändert hatte. Die Westdeutschen waren nicht
länger bereit, autoritäres Schalten und Walten der Regierung hinzunehmen. Wenn die „Aushöhlung
der Demokratie“ drohe, könne und müsse sich Widerstand regen. Durch diese Wende im Denken
der Menschen und den Abbau des „Untertanengeistes“ ist die „Spiegel-Affäre“ durchaus als Zäsur
zu betrachten. Denn mit ihr ging auch die ära Adenauer zu Ende. Die Regierung hatte ihr Ansehen
in der öffentlichkeit irreparabel beschädigt und Verteidigungsminister Strauß mußte aufgrund
schwerer Vorwürfe seinen Posten verlassen. Von den Vorwürfen gegen den Spiegel hingegen blieb
nichts übrig. Somit ist diese Affäre als ein erster wichtiger Sieg für die „neue“ Demokratie beendet
worden.
1.2.2 Die Große Koalition
Am 1.Dezember 1966 wurde Kurt Kiesinger (CDU) zum Bundeskanzler einer Koalition aus
CDU/CSU und SPD gewählt, nachdem zwischenzeitlich Ludwig Erhardt regiert hatte. Die
wichtigste Aufgabe dieser „Großen Koalition“ bestand in einer möglichst schnellen Beendigung der
Rezession, sowie der Beseitigung der zweiprozentigen Arbeitslosigkeit und bestehender
Haushaltslücken bei Bund und Ländern. Um der Rezession schnellstens entgegen zu wirken, wurde
im Juni 1967 das „Stabilitätsgesetz“ (Gesetz zur Förderung von Stabilität und Wachstum der
Wirtschaft) erlassen. Dieses verpflichtete Bund und Länder auf die Erfordernisse eines
gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts (Preisniveau, hoher Beschäftigungsstand, stetiges
Wirtschaftswachstum usw. ) zu achten. Bestand die Gefahr, daß die Einhaltung des
„Stabilitätsgesetzes“ nicht gewährleistet werden konnte, mußte die Bundesregierung die
„konzertierte Aktion“ einberufen. Dieser Zusammenschluß von Gewerkschaften,
Unternehmerverbänden und Industrie- und Handelskammer hatte die Aufgabe Möglichkeiten zur
Einhaltung des „Stabilitätsgesetzes“ zu finden und zu verwirklichen. Diese Maßnahmen gaben dem
Staat die Möglichkeit in die wirtschaftlichen Prozesse einzugreifen, wenn der Markt sich nicht
selbst regulieren konnte. Mit dieser Wirtschaftspolitik wurde ein konjunkturentsprechender
Ausgleich des Bundeshaushalts erreicht. Durch erfolgreiche Verständigung mit den
Entscheidungsträgern in Ländern und Gemeinden über wirtschaftliche Probleme konnte dieser
Erfolg noch gesteigert werden. In den Rezessionsjahren 1966/67 waren die Investitionen zwar um
8,4% gesunken, konnten aber schon im Folgejahr um mehr als 12% gesteigert werden. Die
Arbeitslosigkeit erreichte 1969 mit 179000 Arbeitslosen fast Vollbeschäftigung. Mit dem
Arbeitsförderungsgesetz und dem Gesetz zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall wurden die
Chancen für die Vollbeschäftigung weiter verbessert. Das Jahr 1968/69 kann also als ein zweiter
wirtschaftlicher Aufschwung in der Bundesrepublik Deutschland betrachtet werden.
1.2.3 Die Notstandsgesetze
Eine weitere einschneidende Maßnahme der Bundesregierung war die Aufnahme der
Notstandsgesetze in das Grundgesetz am 30.Mai 1968. Die Notstandsgesetze waren nötig
geworden, da die Alliierten die Erlangung vollständiger staatlicher Souveränität von ihrer
Aufnahme ins Grundgesetz abhängig machten. Vorausgegangen waren diesem Beschluß jahrelange
Diskussionen, die ihren Anfang 1958 auf einer Konferenz der Polizeigewerkschaften nahmen, als
der damalige Innenminister Gerhard Schröder (CDU) eine änderung des Grundgesetzes
forderte. 1960 legte er einen ersten Gesetzesentwurf vor, der aber abgelehnt wurde. Gescheitert ist
dieser auch in den folgenden Jahren immer wieder am Widerstand der SPD. Frei wurde der Weg
erst durch die Bildung der schon erwähnten „Großen Koalition“. Kernstück der Notstandsgesetze ist
die Notstandsverfassung. Durch sie ist dem Staat die Möglichkeit gegeben, bei inneren oder
äußeren Bedrohungen Grundrechte aufzuheben. Als Bedrohungen werden Gefahren für die
freiheitliche Grundordnung des Bundes oder eines Bundeslandes, Spannungs- und
Verteidigungsfälle und Naturkatastrophen angesehen. In allen diesen Fällen können Grundrechte
(Post- und Fernmeldegeheimnis, Recht auf Freizügigkeit, freie Berufswahl u.a.) eingeschränkt bzw.
aufgehoben werden. Desweiteren war ein gemeinsamer Ausschuß aus Bundestag und Bundesrat
vorgesehen, der die demokratische Staatsordnung auch in Notfällen aufrechterhalten sollte.
Zugleich wurden eine Reihe „einfacher Notstandsgesetze“ verabschiedet, die ohne änderung des
Grundgesetzes angewendet werden können (Ernährungs-, Wasser- und Verkehrswesen ). Gegner
der Notstandsgesetze befürchteten, daß diese Gesetze Eingriffsmöglichkeiten des Staates zugunsten
demokratiefeindlicher Kräfte bieten würden, unter Umständen sogar durch den Einsatz von
Bundeswehr und Bundesgrenzschutz. An den Notstandsgesetzen entzündete sich eine heftige
öffentliche Auseinandersetzung. Am 11.Mai 1968 kamen über 70.000 Demonstranten zu einem
„Sternmarsch auf Bonn“ zusammen, um gegen die Notstandsgesetze zu protestieren.
1.2.4 Außerparlamentarische Opposition und Studentenbewegung
Der „Sternmarsch auf Bonn“ war die größte Kundgebung in einer langen Reihe von
Protestaktionen, zu denen sich Gewerkschafter und Politiker, Professoren und Künstler, Studenten
und Schüler zusammengefunden hatten. Diese Kette von Protesten war ein Anzeichen für das
Entstehen der Außerparlamentarischen Opposition (APO). Die Diskussionen um die
Notstandsgesetze, das Fehlen einer starken Opposition im Bundestag, die Verknöcherung der alten
Gesellschaft und der Antikommunismus der Bundesregierung waren wesentliche Ursachen für die
Bildung der Außerparlamentarischen Opposition. Ihre Forderungen richteten sich ausdrücklich
gegen das parlamentarische System und die „etablierten“ Parteien. Insbesondere die Entwicklung
der SPD zur Volks- und Regierungspartei und die Abkehr von den sozialistischen Gruppierungen in
der SPD haben zur Herausbildung der APO beigetragen. Denn viele dieser nun ausgeschlossenen
Vertreter einer innerparteilichen Opposition wurden zu Mitgliedern der Außerparlamentarischen
Opposition. Besonders der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) hob sich hervor. Die SPD
hatte sich schon im Juli 1960 vom SDS getrennt und ihm die finanzielle Unterstützung gestrichen,
weil sie seine Vorstellungen für unvereinbar mit den Grundsätzen der SPD hielt. Nachdem der SDS
die folgenden Jahre eher wenig Bedeutung hatte, spielte er 1966 eine große Rolle für die
Formierung der Außerparlamentarischen Opposition. Eine weitere Wurzel der APO lag in der
Ostermarschbewegung der Atomwaffengegner. Diese von christlichen, pazifistischen und
sozialistischen Gruppen gebildete und nur locker organisierte Protestbewegung hatte 1967 über
150.000 Marschteilnehmer. Sie wandten sich gegen Aufrüstung und Atomwaffen. SPD, CDU/CSU;
FDP und DGB lehnten diese Bewegung mit dem Vorwand ab, sie sei kommunistisch gesteuert bzw.
unterwandert. Den eigentlichen Kern der Außerparlamentarischen Opposition bildete jedoch der
SDS, denn nur er schien die nötigen Voraussetzungen und eine geeignete Aktionsbasis( über
Kontakte zu Gewerkschaften) für größere Protestbewegungen zu bieten. Die Hauptanliegen des
SDS und der Studentenbewegung waren die Offenlegung der nationalsozialistischen Vergangenheit
von Prominenten und Professoren, die Wiederentdeckung des Marxismus als aktuelle
Gesellschaftstheorie, die Anprangerung des imperialistischen Systems, die Verweigerung des
„Konsumfetischismus der Wohlstandsgesellschaft“ und die Forderung nach einer umfassenden
Veränderung der Gesellschaft, mit der Hochschulreform (Demokratisierung der Hochschulen) als
Anfang. Zur Durchsetzung ihrer Forderungen setzten die Studenten neuartige, aus den USA
stammende, Verweigerungs- und Protestformen ein. Beispiele dafür sind Go-in, Sit-in und Teach-
in. Grundlage der Gesellschaftskritik des SDS, die die Studentenbewegung und die
Außerparlamentarischen Opposition beeinflußte, war die Wiederentdeckung des Marxismus. Die
positive Interpretation des Historischen Materialismus und seine Verknüpfung mit Elementen des
Existentialismus und der Tiefenpsychologie Freuds übte eine große Faszination auf die
Studentenbewegung aus. Einer der bedeutendsten Vertreter des Existentialismus war der
französische Philosoph Jean Paul Sartre. Er vertrat einen neuen Humanismus in einer Welt
ohne Gott: Auch politisch Sartre war aktiv. Während des 2.Weltkriegs trat er als
Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus auf. Später hob er sich dann durch die
Gründung einer Partei, des Rassemblement Démocratique Révolutionnaire, und seit Ende der
sechziger Jahre als Protektor von Gruppen der äußersten Linken hervor. Besonders stark war seine
Wirkung als Romanschriftsteller und Dramatiker. In vielen Abhandlungen, Romanen u. Dramen
erläutert er seine illusionslose Lehre vom Menschen, durch die er für viele Menschen zum Vorbild
wurde. Richtungweisend war auch der Philosoph Herbert Marcuse, der schon die
amerikanische Studentenbewegung stark beeinflußt hatte. Von Bedeutung war auch die sogenannte
„Frankfurter Schule“. Sie ist eine theoretische Grundlage der APO. Ein mit dem 1923 gegründeten
Frankfurter „Institut für Sozialforschung“ verbundener Kreis von Sozialwissenschaftlern und
Philosophen befaßte sich in seinen Arbeiten unter verschiedenen Aspekten mit einer „Kritischen
Theorie“ der Gesellschaft. Sie konzentrierten sich auf die „Erforschung gesellschaftlicher
Zusammenhänge und auf Widersprüche in der scheinbaren Geschlossenheit“ der Gesellschaft.
Auch Daniel Cohn-Bendit beeinflußte sowohl die deutsche, als auch die französische
Studentenbewegung maßgeblich. Er gilt als einer der Träger der Studentenbewegung.
Außereuropäische Gedankenträger und Vorbilder der Studentenbewegung waren Mao Tse-tung
, Che Guevara und Ho Tschi Minh. Ihre Ideen beeinflußten das Denken und die
politischen Aktivitäten vieler Studenten.
1.2.4.1 Internationale Forderungen
Die Forderungen der Studentenbewegung blieben jedoch nicht nur national begrenzt. Man
protestierte sowohl gegen den grausamen Krieg der Franzosen gegen die algerische
Befreiungsbewegung, als auch gegen den Vietnamkrieg der Amerikaner. Kein anderes innen- oder
außenpolitisches Thema hat die Studenten in Westdeutschland so in Empörung versetzt, wie der
Vietnamkrieg. Die von den USA angewandten Mittel (Dauerbombardement und Napalm) wurden
von jedermann verurteilt und ließen das Bild der „guten“ westlichen Welt langsam verschwimmen.
Durch die unmenschlichen Methoden der USA im Vietnamkrieg verloren viele Studenten die USA
als ihr Vorbild und jedes Vertrauen in die dahinter stehende Demokratie. Speziell auf dem
Ostermarsch 1966 und auf dem Kongreß „Vietnam - Analyse eines Exempels“, der am 22.Mai 1966
in Frankfurt am Main stattfand, wurde viel über den Vietnamkrieg diskutiert und gegen ihn
protestiert. Die Regierung der Bundesrepublik bejahte allerdings sowohl den Vietnamkrieg an sich,
als auch die Kampfmethoden der US-Truppen speziell. Mit der Eskalation des Vietnamkrieges (ab
1967) nahmen die Proteste gegen den Vietnamkrieg weiter zu. Dabei kamen auch verstärkt
Flugblattaktionen zum Tragen, in denen US-Soldaten zum Desertieren aufgerufen wurden. Aber
auch weltweit abgehaltene Kongresse und Konferenzen gehörten zu den Formen des Protestes
gegen den Vietnamkrieg. Auch nachkoloniale Auseinandersetzungen um die Herrschaftsmethoden
im Iran boten Anlaß für Protestmärsche in der ganzen Bundesrepublik. An Demonstrationen gegen
die Niederschlagung des „Prager Frühlings“ fehlte es ebenfalls nicht. Die meisten Bewegungen
waren durch heftige Proteste gegen westliche Schutzmächte charakterisiert. Der Eindruck, daß der
Westen seinem „moralischen Anspruch, überall auf der Welt Vorkämpfer von Demokratie, Freiheit
und Menschenrechten zu sein“, nicht mehr gerecht wurde, führte zu einer allgemeinen moralischen
Enttäuschung unter den Studenten.
1.2.4.2 Die Proteste gegen den Springer-Konzern
In den Medien wurde das Bild des moralisch überlegenen Westens aber weiterhin
hochgehalten. Für die Studenten stellte dies die Glaubwürdigkeit der öffentlichen
Berichterstattung in Frage. Besonders die Zeitungen und Zeitschriften des Springer-
Konzerns zogen die Kritik linker Kreise auf sich. Diese Kritik richtete sich vor allem
gegen die marktbeherrschende Position auf dem Zeitungssektor.(
Marktanteile des Springer-Konzerns an den Zeitungen im Jahr 1968:
Tageszeitungen 39 %;
überregionale Zeitungen 81,5 %;
Sonntagszeitungen 90 %;
Programmzeitschriften 48 %; ),
Diese Konzentration wurde als Bedrohung für die Pressefreiheit und die Freiheit der
öffentlichen Meinungsbildung angesehen. Dem Springerverlag wurde eine einseitige,
falsche und voreingenommene Berichterstattung über linke Bewegungen und den
Vietnamkrieg vorgeworfen. Speziell die positive Darstellung der Rolle der USA rief
vielfältige Proteste hervor. Axel Springer hatte die Grundlinie seiner Zeitungen
im Sinne der sozialen Marktwirtschaft und des Bündnisses mit dem Westen
persönlich abgestimmt. Aus dieser Grundlinie ergab sich sein konsequenter
Antikommunismus. Dies zeigen Aussprüche wie : „Man ist gegen den Kommunismus
wie man gegen Krebs ist“.
1.2.4.3 Die Radikalisierung der Studentenbewegung
Die zunehmende Radikalisierung der Studentenbewegung zeigte sich bald auch im
Kampf gegen den Springerkonzern. Vor allem nach dem Attentat auf Rudi Dutschke
am 11.04.1968, organisierte der SDS, der die „systematische Hetze der
Springerpresse“ für das Attentat verantwortlich machte, zahlreiche Anti-Springer-
Demonstrationen. Sie dauerten teilweise mehrere Tage an und führten zu Angriffen
auf Konzernniederlassungen in Westberlin und der Bundesrepublik. Dabei wurde
unter anderem versucht, den Druck und die Auslieferung der „Bild“-Zeitung durch
Anwendung von Gewalt zu verhindern. Die Radikalisierung des Protestes der
Studentenbewegung begann mit dem Besuch des persischen Schahs. Vom 27.Mai bis
zum 4.Juni 1967 statteten der Schah von Persien, Mohammed Reza Pahlawi , und
seine Frau Farah Diba der Bundesrepublik einen Staatsbesuch ab. Man rechnete
mit starken Protestbewegungen der Schah-Gegner, die die Unterdrückung und
Verfolgung der Opposition in seinem Land kritisierten. Deshalb wurden
umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen veranlaßt. Autobahnen und Straßen, die der
Schah passierte, wurden für den Verkehr gesperrt. Die Rheinschiffahrt wurde
stillgelegt,Häuser und Geschäfte wurden geschlossen oder von der Polizei besetzt. Als
der Schah am 2.Juni 1968 Berlin besuchte, kam es auch hier trotz umfangreicher
Vorkehrungen zu Demonstrationen. Vor der Berliner Oper kam es dann zu
Auseinandersetzungen zwischen Schah-Anhängern und -Gegnern. Nach Versuchen
der Polizei, die Demonstranten zu zerstreuen, kam es in einem Hof zu
Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten. Dabei wurde der 26-jährige
FU-Student Benno Ohnesorg von hinten durch einen Polizeibeamten erschossen.
Die Polizei sprach von „Notwehr“. Dieser Vorfall war das weithin beachtete Signal
und der Beginn einer gewalttätigen Konfrontation zwischen Studentenbewegung und
Staatsgewalt. Sie versetzte Berlin monatelang in „ eine Art Ausnahmezustand“ und
führte zum Rücktritt des Polizeipräsidenten, des Innensenators und des Regierenden
Bürgermeisters von Berlin. Der zweite Vorfall, der den bisherigen Rahmen des
Protests endgültig sprengte, ereignete sich am Gründonnerstag, dem 11.April 1968.
An diesem Tag versuchte der 23jährige Anstreicher Josef Bachmann auf dem
Kurfürstendamm, Rudi Dutschke zu erschießen. Dieser wurde schwer verletzt in ein
Krankenhaus gebracht und Bachmann, nach einem Schußwechsel mit der Polizei
ebenfalls schwer verletzt, verhaftet. Rudi Dutschke war der führende SDS-
Theoretiker und einer der Wortführer und „Ideologen“ der Studentenbewegung. Die
Tat Bachmanns wurde von der APO und der Studentenbewegung, aber auch von
verschiedenen „etablierten“ Zeitungen und Zeitschriften mit der Berichterstattung der
Springer-Presse über die Studentenbewegung in Zusammenhang gebracht. Anzeichen
dafür sahen sie in der Erklärung Bachmanns, er habe Dutschke erschießen wollen,
weil dieser ein Kommunist sei und er Kommunisten hasse. Die nun folgenden
Aktionen sprangen von Berlin auf alle Hochschulstädte in der Bundesrepublik über
und führten unter anderem auch zu Blockaden und Gewaltaktionen gegen Springer-
Verlagshäuser. Die Parteien und die Staatsführung verurteilten diese Unruhen aufs
Schärfste und betonten aber auch, daß man nicht die „große Mehrheit der Studenten
für das Verhalten einer kleinen Gruppe verantwortlich“ (30.April 1968; aus einem
Bericht über die Osterunruhen) machen könne. Sie forderten diese Mehrheit auf, sich
„den radikalen Rädelsführern“ zu verweigern.
1.2.4.4 Höhepunkt und Niedergang der Studentenbewegung
Nach den Osterunruhen traten die Auseinandersetzungen um die Notstandsgesetze in
ihr letztes Stadium. Den Hintergrund der erneuten Parlamentsdebatten und
außerparlamentarischen Demonstrationen bildeten Unruhen und Streikbewegungen in
Paris, die sich schnell in ganz Frankreich verbreiteten. Aber trotz Verbindungen
zwischen französischer und deutscher Studentenbewegung griffen diese Unruhen
nicht auf Deutschland über. Die Protestaktionen gegen die Notstandsgesetze verliefen
überwiegend friedlich. Auch der „Sternmarsch nach Bonn“, an dem sich unter
anderem auch Anhänger des SDS sowie Funktionäre und Mitglieder der IG Metall
beteiligten, verlief ohne gewalttätige Auseinandersetzungen. Der DGB (Deutscher
Gewerkschaftsbund) hatte diesen Sternmarsch nicht offiziell unterstützt, sondern zu
einer eigenen Großdemonstration in Dortmund aufgerufen. Hieran beteiligten sich
zirka 15.000 Menschen. Parallel zu diesen beiden Großkundgebungen fanden
Protestdemonstrationen in Frankfurt, München, Göttingen, Hamburg, Berlin, und
Freiburg statt, an denen sich insgesamt etwa 150.000 Menschen beteiligten. Am
30.Mai 1968 wurde die Notstandsverfassung, trotz aller Proteste, vom Bundestag
verabschiedet. Am 28.Juni 1968 trat sie in Kraft. Die Auseinandersetzungen um die
Notstandsgesetze markierten den Höhepunkt der Außerparlamentarischen
Opposition, machten jedoch gleichzeitig Anzeichen für den Zerfall deutlich. Das
ohnehin spannungsvolle Verhältnis zwischen Gewerkschaften und
Studentenbewegung zerbrach nun völlig, als die DGB-Führung Streiks gegen die
Verabschiedung der Notstandsgesetze ablehnte, da sie Streiks gegen
Mehrheitsbeschlüsse des Bundestags als verfassungswidrig ansah. Der SDS büßte in
den folgenden Jahren sowohl politisch, als auch an den Hochschulen mehr und mehr
an Bedeutung und Einfluß ein. Angesichts der Verabschiedung der Notstandsgesetze,
der Zerschlagung des Pariser Aufstands (Juni 1968), der „Liquidierung“ des Prager
Frühlings (21.August 1968) und der Fortführung des Vietnamkrieges kam es zu
erheblichen Zweifeln am Erfolg der Protestbewegung und zur allgemeinen
Resignation. Als Reaktion darauf und auf der Suche nach neuen Strategien spaltete
sich die Bewegung in verschiedene Richtungen und Gruppierungen, während sich der
SDS am 21.März 1970 selbst auflöste.
1.3 Die Ereignisse im Ausland
Nicht nur für die Bundesrepublik Deutschland war das Jahr 1968 ein Jahr der
Unruhen. überall auf der Welt traten kam es in diesem Jahr zu mehr oder weniger
heftigen Unruhen. In den USA nahmen die Demonstrationen und Proteste gegen den
Vietnamkrieg zu. Der Protest, der am Anfang des Krieges recht gering war, nahm mit
der zunehmenden Eskalation des Krieges immer mehr zu. Getragen wurde er zu
großen Teilen von den Friedensdemonstrationen der „Hippies“ und den
Intellektuellen Amerikas. Auch die Proteste gegen die Diskriminierung der schwarzen
Bevölkerung nahmen weiter zu. Als am 4.April der Babtistenpfarrer Martin Luther
King , ein Vertreter des passiven, gewaltlosen Widerstandes der Schwarzen,
erschossen wurde, kam es in über 100 Großstädten zu spontanen Aufständen und
tagelangen, bürgerkriegsähnlichen Zuständen, bei denen insgesamt 46 Aufständische
getötet, 2.600 verletzt und 21.000 verhaftet wurden. In Paris gingen im Mai Arbeiter
und Studenten gegen die Regierung von de Gaulle auf die Straßen. Diese
Bewegungen legten das gesamte industrielle und infrastrukturelle Potential
Frankreichs lahm. Sogar die Regierung de Gaulles geriet ins Wanken. Sie hielt sich
nur durch umfangreiche soziale Zugeständnisse und massiven Polizeieinsatz. Erst an
diesen Aufständen in Frankreich erkannten die Studenten in Deutschland die
Bedeutung der Arbeiterklasse für eine Protestbewegung. Aber auch in vielen weiteren
Ländern kam es zu Unruhen und Protestbewegungen, um gegen soziale Mißstände,
Unterdrückung und Kriege zu kämpfen. Oft stellten Studenten dabei den Großteil der
Protestanten. So auch in Mexiko, vor und während der Olympischen Spiele. Am
2.Oktober wurden auf einer Massendemonstration zirka 500.000 Menschen mit
Panzern, Hubschraubern und Maschinengewehren angegriffen. Bei dieser Aktion, von
der Regierung als „Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung“ bezeichnet, verloren
500 Jugendliche ihr Leben. Auch im Ostblock gab es Anzeichen einer sozialen
Protestbewegung. In der CSSR, unter der im März 1968 an die Macht gekommenen
Regierung um Alexander Dubcek, wurde eine Demokratisierung und
Reformierung des Staates eingeleitet. Mit ihr suchte man die öffnung zum Westen
und zeigte sich bereit, in der Wirtschaft Marktmechanismen einzuführen. Diese
Politik wurde als „Prager Frühling“ bekannt. Das Experiment wurde auch von der
Bevölkerung der DDR aufmerksam verfolgt. Die SED betonte allerdings immer
wieder ihre Abneigung gegen den „Prager Frieden“, da er Anzeichen des Beginns
einer Konterrevolution in sich trage. Schon sehr früh plädierten Ulbricht und andere
führende Regierungsvertreter der DDR für das militärische Eingreifen des
Warschauer Paktes in der CSSR. Am 21.August 1968 wurden diese Vorschläge mit
Unterstützung von Truppen der Nationalen Volksarmee verwirklicht und damit die
Anfänge eines „Kommunismus mit menschlichen Antlitz“ gewaltsam beendet. Auch
die Regierung um Alexander Dubcek wurde wenig später gewaltsam abgesetzt. Diese
völkerrechtswidrige Okkupation ließ viele DDR-Bürger zum ersten Mal an ihrem
Staat zweifeln. überall im Land fanden sich kleine Gruppen von Menschen, die mit
dem „Prager Frühling“ sympathisierten. In den Berichten der Sicherheitsorgane der
DDR wurden diese Proteste „als Vorkommnisse staatsfeindlicher Hetze“ dargestellt.
Unter diesem Vorwand wurden Protestler dann auch schärfstens verfolgt, mit
Berufsverbot belegt oder sogar eingesperrt. Diese Entwicklung war eine große
Enttäuschung für viele Intellektuelle, die sich vom „Prager Frühling“ eine positive
Beeinflussung der DDR-Politik erhofft hatten. Eine weitere Bewegung in den
sechziger Jahren, die hauptsächlich in den USA und Westeuropa auftrat, war die
Bewegung der „Hippies“, die wegen ihrer Naturliebe auch „Blumenkinder“ genannt
wurden. Sie stammten überwiegend aus der bürgerlich-intellektuellen Mittel-und
Oberschicht, deren Wert- und Normenvorstellungen von ihnen als Belastung
empfunden wurden. Die „Hippies“ lebten nach einem sehr kollektiven, spielerischen
Lebensstil. Charakteristisch war ihre konsequent unbürgerliche Lebensweise. Sie
fühlten sich zur östlichen, insbesondere zur indischen Lebensphilosophie hingezogen.
Katmandu war einer der größten Anziehungspunkte für die Vertreter der „Hippie“-
Bewegung. Die Leistungsgesellschaft wurde von ihnen strikt abgelehnt. Aggressionen
wollten sie durch Liebe ersetzen. Ihr Schlagwort lautete : „Make love - not war“. Aber
nur wenige Hippies lebten konsequent nach ihrer Philosophie. Viele waren nur
Mitläufer, die von bestimmten Aspekten der Lebensphilosophie der „Hippies“
angezogen wurden. Sie sahen den Reiz in der bindungslosen Lebensweise, in
Drogenkonsum und in freimütig ausgelebter Sexualität. Dies waren die sogenannten
„Plastic-Hippies“, von denen 1967 über eine halbe Million in den USA herumzog.
Die überfüllung und der übermäßige Drogenkonsum führten jedoch schnell zum
Verfall der städtischen Hippiekolonien. Außerdem wurde ihnen das Leben durch
regelmäßige Polizeikontrollen schwergemacht. Durch die wenig später einsetzende
Kommerzialisierung von Bekleidungs- und Lebensformen, wurden die „Hippies“
auch noch ihrer ideologischen Grundlagen, nach denen sie ja Leistungs- und
Kommerzgesellschaft ablehnten, beraubt. Diese Entwicklungen führten dazu, daß ein
Großteil der „echten Hippies“ aufs Land auswanderte, um dort in Ruhe nach ihrer
Philosophie leben zu können. Am Ende der sechziger Jahre ebbte die „Hippie“-
Bewegung langsam wieder ab.
1.4 Die Ereignisse in der DDR
Mit dem Bau der Mauer begann der Aufschwung der Wirtschaft und die Steigerung der
Lebensqualität der Bevölkerung in der DDR. Die Mauer bildete ein nahezu unüberwindbares
Hindernis gegen die weitere Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte. Auf der Basis dieser neuen
wirtschaftlichen Stärke festigte sich auch die Stellung der DDR-Führung im Innern und nach außen.
Die DDR stieg schnell zur zweitstärksten Industriemacht im Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe
(RGW) und zum wichtigsten wirtschaftlichen und politischen Partner der Sowjetunion auf. In
zunehmenden Maße wurde sie auch von Politikern und öffentlichkeit der Bundesrepublik als
zweiter deutscher Staat respektiert. Dies stärkte das Selbstbewußtsein der DDR-Führung, die sich
langsam von der Ideologie und den wirtschaftspolitischen Vorstellungen der Sowjetunion lösen
wollte. Verschiedene Wirtschaftskonzepte in der Mitte der sechziger Jahre ließen die Wirtschaft der
DDR schnell und konstant anwachsen. Dazu gehörten zum Beispiel das „Neue ökonomische
System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft“ (NöSPL), dessen Einführung am 24./25.Juni
1963 beschlossen wurde. Erst in den Jahren 1969 und 1970 zeigten sich ernste Schwierigkeiten, die
gesteckten Planziele zu erreichen. Als Konsequenz daraus, beendete das Zentralkomitee der SED
das Neue ökonomische System und kehrte zu einer straffen zentralen Leitung der Wirtschaft
zurück. Das Scheitern dieses Wirtschaftskonzeptes war einer der Gründe für die Ablösung Walter
Ulbrichts durch Erich Honecker im Mai 1971. In den frühen sechziger Jahren kam es außerdem zu
umfangreichen Erhöhungen der Sozialleistungen und zum Ausbau des öffentlichen
Bildungssystems. Auch die Grenzanlagen wurden in den sechziger Jahren weiter ausgebaut. Eine
„Anordnung über die Ordnung in den Grenzgebieten und den Territorialgewässern der DDR“ vom
19.März 1964 legte einen 500m breiten „Schutzstreifen“ und eine 5 km breite „Sperrzone“ fest, in
denen sich niemand ohne Genehmigung aufhalten durfte. Diese Grenzanlagen wurden im Laufe der
Zeit eine von „Volkspolizisten und Hunden scharf bewachte, mit Stacheldrahtverhauen,
Selbstschußanlagen und Mienengürteln unpassierbar gemachte Grenzbefestigung“.
1.5 Die Folgen der 68er-Bewegung
Der SDS hatte sich am 21.März 1970 selbst aufgelöst. Die ehemaligen Mitglieder vereinigten sich
nun in anderen Parteien und Bewegungen. Einen Teil dieser ehemaligen Mitglieder zog es nun in
die neu gegründete „Deutsche Kommunistische Partei“ (DKP), die immer noch den
„Realsozialismus“ vertrat und seit der Gründung im September 1968 von der SED finanziell am
Leben gehalten wurde. Reformerisch gesinnte junge Menschen fanden in der Sozialdemokratie eine
neue politische Heimat. Zwischen 1969 und 1972 gewann die SPD über 300.000 neue Mitglieder.
Für die ehemalige Arbeiterpartei war diese Umschichtung der Mitgliedschaft eine harte
Belastungsprobe, da es oft zu Streit in den eigenen Reihen kam. Die Sozialliberale Koalition, die
mit dem Versprechen „mehr Demokratie zu wagen“ angetreten war, nahm weiteren Schwung aus
der Protestbewegung. Auch für die Integration vieler Angehöriger der Außerparlamentarischen
Opposition wurde gesorgt. Dies geschah durch eine Amnestie für Demonstrationsdelikte, die 1970
von Bundespräsident Heinemann verfügt wurde. Ein kleiner Teil der ehemaligen Mitglieder des
SDS, der an Staat und Gesellschaft völlig verzweifelte, tat den Schritt in die Illegalität und suchte
sein Heil im Terrorismus. Ein bekanntes Beispiel ist die „Rote Armee Fraktion“ (RAF). Weitere,
aber eher unbedeutende Bewegungen waren die diversen Gruppen der Stalinisten, Maoisten,
Trotzkisten und Leninisten. Der Terrorismus und seine Bekämpfung war eines der Hauptthemen der
siebziger Jahre. Seine Ursprünge hatte der Terrorismus in der 68er-Bewegung. Am 2.April 1968
wurden in Frankfurt zwei Kaufhäuser durch Sprengkörper in Brand gesetzt. Als vermutliche
Brandstifter nahm die Polizei unter anderem die Studentin Gudrun Enßlin und ihren Freund
Andreas Baader fest. Der Berliner Rechtsanwalt Horst Mahler übernahm die Verteidigung
vor Gericht. Publizistisch unterstützt wurden die Beiden von der Kolumnistin Ulrike Meinhof,
die regelmäßig für die Hamburger Zeitschrift „Konkret“ schrieb und dadurch auch öffentliche
Bekanntheit erreichte. A.Baader und G.Enßlin wurden zu drei Jahren Haft verurteilt. Als das Urteil
dann rechtskräftig wurde, verschwanden sie im Untergrund. Am 4.April 1970 konnte Andreas
Baader dann ein weiteres Mal verhaftet werden. Aber schon wenig später wurde Baader bei einer
Ausführung aus der Haftanstalt Berlin-Tegel, die sein Rechtsanwalt veranlaßt hatte, mit
Waffengewalt befreit. Die führende Rolle bei der Befreiung, bei der ein Universitätsangestellter
schwer verletzt wurde, spielte Ulrike Meinhof. Im Untergrund fingen Baader, Meinhof, Enßlin und
Mahler an, die RAF aufzubauen. Das Konzept der RAF sollte auf dem Prinzip der„Stadtguerillas“
aufbauen, das ursprünglich von bolivianischen Revolutionären stammte. Durch die Ermordung von
Politkern, Polizei- und Militäroffizieren sollte das Machtgefüge des Staates erschüttert werden. Die
nötigen Finanzen sollten durch Erpressungen und Banküberfälle beschafft werden. Die Gründe für
diesen Terrorismus sind in der Enttäuschung der Terroristen über den Ausgang der
Studentenbewegung zu sehen. Eines der Hauptziele der RAF war, die Bevölkerung zum
bewaffneten Kampf gegen das Regime zu ermutigen. Als dies nicht gelang, zog sie sich immer
mehr in sich selbst zurück und weitete ihre Attentate aus. Im Juni 1972 wurden mit A.Baader,
Holger Meins, Jan-Carl Raspe, Gudrun Enßlin und Ulrike Meinhof die führenden Kader
des deutschen Terrorismus verhaftet. Der Kampf des Terrors war damit aber noch lange nicht zu
Ende, sondern nahm sogar noch zu. über Kontakte zu der, nun an Bedeutung gewinnenden,
„Bewegung des 2.Juni“ gelang es den Inhaftierten, den Terrorismus in Deutschland weiter zu
kontrollieren und auszuweiten. Das Gefängnis wurde dabei zum „Generalstab“. Ihren Höhepunkt
erreichten die Aktivität der Terroristen nach dem Prozeß gegen Andreas Baader. In dieser Zeit kam
es zu mehreren Mordattentaten und Entführungen(Erschießung des Generalbundesanwaltes
Siegfried Buback und seines Fahrers auf offener Straße; Ermordung des Vorstandsvorsitzenden der
Dresdner Bank, Jürgen Ponto). Am 28.April 1977 wurden Andreas Baader, Gudrun Enßlin und Jan-
Carl Raspe wegen vierfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Am 18.Oktober begingen
Baader, Enßlin und Raspe Selbstmord in ihren Zellen. Die Bundesregierung versuchte den
Terrorismus in Deutschland mit allen Mittel zu bekämpfen. Durch eine nahezu einheitlich
beschlossene Veränderung des Grundgesetzes wurden die Möglichkeiten für eine weitreichende
Terrorismusbekämpfung geschaffen. Dazu gehörten unter anderem die Aufstellung verschiedener
Anti-Terror-Einheiten in Polizei und Bundesgrenzschutz und die Ausweitung der Aufgaben des
Verfassungsschutzes. Durch mehrere Anti-Terrorismus-Gesetze wurden die Möglichkeiten des
Kampfes gegen den Terror weiter ausgebaut. Eines der ersten Anti-Terrorismus-Gesetze war der am
28.1.1972 beschlossene „Radikalenerlaß“. Dieser Erlaß sollte dazu dienen, die Beamtenanwärter
auf ihre Verfassungstreue zu prüfen. Zweifel daran sollten zur Ablehnung führen. Neben viel
Zustimmung in der öffentlichkeit haben diese Gesetze aber auch Kritiker gehabt. Von den
Vertretern der CDU/CSU wurde mehr Härte im Kampf gegen den Terrorismus gefordert. Viele
andere äußerten ihre Bedenken, daß eine zu harte Gesetzgebung den liberalen Rechtsstaat
gefährden könne.
Andere wichtige Entwicklungen, die ihre Ursprünge in der 68er-Bewegung haben, sind die
Frauenbewegung und die Hochschulreformen. Die Anfänge der neuen Frauenbewegung fanden
zwar keine große Beachtung in der öffentlichkeit, hinterließen langfristig aber tiefe Eindrücke in
der Gesellschaft. Die Frauenbewegung hat ihre Ursprünge unter anderem in dem „Aktionsrat zur
Befreiung der Frau“. Dieser wurde von Berliner Studentinnen, die im SDS aktiv waren, ins Leben
gerufen. Sie protestierten damit gegen die autoritären Verhaltensstrukturen ihrer männlichen
Genossen im SDS, der ja eigentlich selber Antiautorität einforderte. Auch die Hochschulreform hat
ihre Anfänge in den sechziger Jahren. In dieser Zeit ging es hauptsächlich um die Modernisierung,
Demokratisierung und Internationalisierung des Bildungswesens. Zum einen wurde die
Verflechtung von traditioneller Schule, Hochschulwesen, Berufsausbildung und der
Erwachsenenbildung erkannt. Zum anderen wurde es erstmals auch den Kindern traditionell
bildungsferner Schichten ermöglicht, weiterführende Bildungsgänge zu belegen. Am Ende der
sechziger Jahre fand das deutsche Bildungssystem den Anschluß an internationale
Bildungsentwicklungen. Diese Bildungsreformen wurden erst in der Mitte der siebziger Jahre durch
die ölkrise gebremst.
Natürlich hat die 68er-Bewegung nicht nur auf diesen Gebieten Veränderungen verursacht. Jedoch
sind dies sind die wichtigsten Entwicklungen, die ihren direkten Anfang in der 68er-Bewegung
genommen haben.
Persönliche Beurteilung der 68er-Bewegung
Insgesamt ist die 68er-Bewegung als breitangelegter Wandel des Politik- und
Demokratieverständnisses zu sehen. Sie brachte außerdem vielfältige Sozial-, Gesellschafts- und
Hochschulreformen. Sie brachte die zunehmende Politisierung des täglichen Lebens und zeigte
verschiedene gesellschaftliche Konflikte in der Bundesrepublik auf. Die Protestbewegungen und
Demonstrationen zeigten, daß es viele Menschen gab, die sich nicht mit den bestehenden
Problemen abfanden und auch bereit waren für ihre Beseitigung zu kämpfen. Dabei hoben sich
besonders die jungen Intellektuellen hervor. Sie waren die Träger und „Anstifter“ der Proteste.
Allerdings muß man auch die negativen Seiten sehen. Denn am Ende der sechziger Jahre kam es
auch zu vielen unfriedlichen Demonstrationen. Außerdem brachte die 68er-Bewegung einen neuen
Terrorismus hervor, der so vorher nicht bekannt war. Durch Anschläge und Attentate in den
siebziger Jahren wurden viele Menschen getötet und noch mehr verletzt. Trotzdem war die 68er-
Bewegung sehr wichtig für die Entwicklung der Bundesrepublik. Auch weltweit wurden überall
Zeichen des Protestes für Frieden und Demokratie gesetzt.
Thesenblatt
1.)“Die Spiegel-Affäre ist eine Zäsur der 60er Jahre und als Beginn der neuen Demokratie zu
betrachten. Sie entfachte den Kampf für mehr Demokratie in der Gesellschaft.“
2.)“Die Diskussionen um die Notstandsgesetze weiteten die Proteste aus und verschärften sie
zunehmend. Trotzdem wurden die Notstandsgesetze verabschiedet.“
3.)“Die Außerparlamentarische Opposition hat ihre Ursachen im Fehlen einer starken Opposition,
den Diskussionen um die Notstandsgesetze, der Verknöcherung der alten Gesellschaft und dem
starken Antikommunismus der Bundesregierung.“
4.)“Die Studentenbewegung, als eine der Wurzeln der Außerparlamentarischen Opposition, hat ihre
Ursprünge in den Protesten für mehr Demokratie an den Hochschulen und wurde erst durch
innenpolitische Probleme und Konflikte in der Bundesrepublik Deutschland politisiert.“
5.)“Die Studentenbewegung erfuhr eine starke Beeinflussung durch in- und ausländische
Kommunisten, Philosophen und Schriftsteller.“
6.)“Die Protestbewegung von 1968/69 zeigte neue Formen und Möglichkeiten des Protestes.“
7.)“Die Forderungen der Studenten blieben nicht national, sondern unterstützten Friedens- und
Demokratiebewegungen weltweit.“
8.)“Die Kämpfe gegen den Springer-Konzern haben ihre Ursachen in subjektiver
antikommunistischer und antistudentischer Berichterstattung desselbigen.“
9.)“Der Tod Benno Ohnesorgs und das Attentat auf Rudi Dutschke zeigen die Spannungen in der
Gesellschaft und lösten die Radikalisierung der Proteste aus.“
10.)“Die Verabschiedung der Notstandsgesetze und die Nichterfüllung kurzfristiger Ziele und
Hoffnungen im In- und Ausland kennzeichnen den Höhepunkt und leiten den Beginn des
Niedergangs der Studentenbewegung ein.“
11.)“Am Ende der 60er Jahre kam es weltweit zu Aufständen und Protestbewegungen für mehr
Demokratie und Frieden.“
12.)“In der DDR bedauerte die öffentlichkeit die Zerschlagung des „Prager Friedens“ und fand sich
mit dem Leben in einem separaten ostdeutschen Staat ab. Die Wirtschaft erlebte in den 60er Jahren
einen starken Aufschwung.“
13.)“Als direkte Folgen der 68er-Bewegung sind die neue Frauenbewegung, die Bildungsreform,
aber auch das Entstehen des Terrorismus in der Bundesrepublik Deutschland zu sehen.“
14.)“Die 68er-Bewegung bewirkte eine Demokratisierung der Gesellschaft, erreichte aber keine
ihrer kurzfristigen Zielstellungen.“
Personenregister
1.) Walter Ulbricht
- deutscher Politiker,
- geb. am 30.Juni 1893,
- gest. am 1.August 1973,
- 1960-1973 Vorsitzender des Staatsrates der DDR,
2.) Erich Honecker
- deutscher Politiker,
- geb. am 25.August 1912,
- gest. am 29.Mai 1994,
- 1976-1989 Vorsitzender des Staatsrates der DDR,
3.) Brandt, Willy - deutscher Politiker,
- geb. am 18.Dezember 1913 in Lübeck,
- gest. am 8.Oktober 1992,
- 1957-1966 Regierender Bürgermeister von Berlin,
- 1969-1974 Bundeskanzler,
- 1971 Friedensnobelpreis für seine Ostpolitik,
4.) Rudolf Augstein - deutscher Publizist,
- geb. am 5.November 1923 in Hannover,
- Mitbegründer(1946) und Herausgeber des „Spiegels“,
5.) Conrad Ahlers - deutscher Journalist und Politiker,
- geb. am 8.November 1922 in Hamburg,
- gest. am 18.Dezember 1980 in Bonn,
- 1962-1966 stellvertretender Chefredakteur des „Spiegels“
während der „Spiegel-Affäre“,
- 1969-1980 Leiter des Bundespresse- und Informationsamtes,
6.) Franz Josef Strauß - deutscher Politiker (CSU),
- geb. am 6.September 1915 in München,
- gest. am 3.Oktober 1988 in Regensburg,
- 1956-1962 Bundesminister der Verteidigung (1962 Rücktritt),
- 1966-1969 Bundesminister der Finanzen,
- einer der schärfsten Kritiker der sozial-liberalen Koalition und
ihrer Ostpolitik,
7.) Konrad Adenauer - deutscher Politiker,
- geb. am 5.Januar 1876 in Köln,
- gest. am 19.April 1967 in Rhöndorf bei Bonn,
- 1917-1933 Oberbürgermeister von Köln,
- 1949-1963 Bundeskanzler,
8.) Kurt Georg Kiesinger - deutscher Politiker(CDU),
- geb. am 6.April 1904 in Ebingen, Würtemberg,
- gest. am 9.März 1988 in Tübingen,
- 1966-1969 Bundeskanzler
- 1967-1971 Vorsitzender der CDU,
9.) Ludwig Erhardt - deutscher Politiker(CDU),
- geb. am 4.Februar 1892 in Fürth, Bayern,
- gest. am 5.Mai 1977 in Bonn,
- 1949-1963 Bundesminister der Wirtschaft,
- 1957-1963 Vizekanzler,
- 16.10.1963-1.12.1964 Bundeskanzler,
10.) Gerhard Schröder - deutscher Politiker(CDU)
- geb. am 11.September 1910 in Saarbrücken,
- gest. am 31.Dezember 1989 in Kampen,
- 1953-1961 Bundesminister des Innern,
- 1961-1964 Bundesminister des Auswärtigen,
- 1966-1969 Bundesminister der Verteidigung,
11.) Siegmund Freud - österreichischer Psychiater,
- geb. am 6.Mai 1856 in Freiberg, Mähren,
- gest. am 23.September 1939 in London,
- Begründer der Psychoanalyse (Entwicklung der
Tiefenpsychologie),
- beeinflußte Psychologie, Kunst und Literatur und veränderte
das allgemeine Bewußtsein des 20. Jahrhunderts,
12.) Jean Paul Sartre - französischer Philosoph und Schriftsteller,
- geb. am 21.Juni 1905 in Paris,
- gest. am 15.April 1980,
- Vertreter des modernen Existentialismus,
- entwarf ein von Freiheit, Verantwortung und Engagement geprägtes Handeln,
- zeigte Lösung für die Sinnkrise der Moderne auf und wurde
damit zum Vorbild für Millionen,
- lehnte 1964 den Nobelpreis ab,
- weitere Informationen
13.) Herbert Marcuse - deutscher Philosoph,
- geb. am 19.Juli 1898 in Berlin,
- gest. am 29.Juli 1975 in Starnberg,
- 1965 Professor an der FU-Berlin,
- große Wirkung auf die linksintellektuelle Jugend in den USA
und in der BRD,
- gilt als geistiger Führer der Protestbewegung von 1968,
14.) Daniel Cohn-Bendit - gilt als wichtiger Träger der Studentenunruhen,
- geb. 1945 in Montauban, Frankreich,
- erhielt 1958 deutsche Staatsbürgerschaft,
- begann 1967 in Frankreich zu studieren,
- nahm schon im Frühjahr 1968 an verschiedenen
Demonstrationen in Frankreich teil
- folgte Einladungen von Universitäten, zu Vorträgen und
Kongressen, in ganz Europa,
15.) Mao Tse-tung - chinesischer Politiker (Kommunist)
- geb. am 26.Dezember 1893 in Shao Shang,
- gest. am 9.September 1976 in Peking,
- Mitbegründer und Führer der KP in Shanghai,
- Mitbegründer und erster Präsident der, am 20.September 1954
geründeten, VR China,
16.) Che Guevaras - kubanischer Politiker
- geb. am 15.Juni 1928 in Rosario, Argentinien,
- gest. am 9.Oktober1967 in Bolivien,
- Guerilla-Führer in Südamerika,
- Präsident der Nationalbank (1959-1961)
17.) Ho Chi Minh - vietnamesischer Politiker,
- geb. am 19.Mai 1890 in Kim Lien,
- gest. am 3.September 1969 in Hanoi,
- Führer der Unabhängigkeitsbewegung in Vietnam,
- Gründer und erster Präsident der, am 2 VR Vietnam,
- wiedersetzte sich den Angriffen der Amerikaner standhaft,
18.) Axel Springer - Inhaber des Springer-Konzerns,
- Antikommunist und Gegner der Studentenbewegung,
19.) Rudi Dutschke - bedeutendster Vertreter der deutschen Studentenbewegung,
- geb. am 7.März 1940 in Schönfeld, Brandenburg,
- gest. am 24.12.1979 in Arhus, Dänemark,
- spielte eine führende Rolle im SDS,
- Attentat auf ihn verursachte schwere körperliche Schäden,
- 1971 Lehrauftrag in Dänemark,
20.) Mohammed Reza
Pahlawi - Schah von Persien,
- bei seinem Berlin-Besuch kam es zu heftigen Protesten gegen
die Regierungsmethoden in seinem Staat,
21.) Farah Diba Pahlawi - Frau des Schahs von Persien,
22.) Benno Ohnesorg - FU-Student,
- bei einer Anti-Schah-Demonstration in Berlin durch Polizisten
von hinten erschossen,
23.) Josef Bachmann - Arbeiter und Kommunistengegner,
- verübte Anschlag auf Rudi Dutschke(verletzte ihn schwer),
- wurde dabei durch Polizei schwer verletzt,
24.) Martin Luther King - Geistlicher und Führer der Farbigen in den USA,
- geb. am 15.Januar 1929 in Atlanta,
- ermordet am 4.April 1968 in Memphis, Tenn.,
- organisierte viele Demonstrationen (1963 Marsch auf
Washington)
- 1964 Friedensnobelpreis,
25.) Charles de Gaulle - französischer General und Politiker,
- geb. am 22.November 1890 in Lille,
- gest. am 9.November 1970in Colombey lesdeux-Eglises,
- 21.Dezember 1958-28.4.1969 1.Präsident der 5. französischen
Republik (1969 Rücktritt),
- schuf die französische Atommacht,
- 1963 deutsch-französischer Freundschaftsvertrag,
- geriet in Gegensatz zu den westlichen Verbündeten,
- 1966 Austritt aus der NATO
26.) Alexander Dubcek - tschechoslowakischer Politiker(Kommunist),
- geb. am 27.November 1921 in Uhrovec, Slowakei,
- 1963-1968 1.Sekretär des ZK der slowakischen KP,
- 1968-1969 1.Sekretär des ZK der KPC,
- Aufbau des „Prager Frühlings“,
- 17.4.1969 Rücktritt vom Amt des Parteichefs,
27.) Gustav Heinemann - deutscher Politiker(SPD),
-1969-1974 Bundespräsident,
28.) Gudrun Enßlin - Germanistikstudentin und Mitbegründerin der RAF,
- Selbstmord am 18.Oktober 1977 in der Haftanstalt Stammheim,
29.) Andreas Baader - Führer und Mitbegründer der „Rote Armee Fraktion“,
- Selbstmord am 18.Oktober 1977 in der Haftanstalt Stammheim,
30.) Horst Mahler - Rechtsanwalt,
- vertrat die „Rote Armee Fraktion“ im 1.Prozeß,
- wurde Mitglied in der „Rote Armee Fraktion“,
31.) Ulrike Meinhof - Mitbegründerin der „Baader-Meinhof-Gruppe“(RAF),
- geb. am 17.Oktober 1934 in Oldenburg,
- Selbstmord am 9.Mai 1976 in der Haftanstalt Stuttgart,
- 1965-1969 Kolumnistin der Hamburger Zeitschrift „konkret“,
- maßgeblich an der Befreiung Andreas Baaders beteiligt,
- im Juni 1972 verhaftet,
32.) Holger Meins und
33.) Jan-Carl Raspe - Mitglieder der „Rote Armee Fraktion“,
- Selbstmord am 18.Oktober 1977 in der Haftanstalt Stammheim,
Quellenverzeichnis
1.)Borowsky, Peter: (Edition Zeitgeschehen) Deutschland 1963-1969.Fackelträger-Verlag,
Hannover 1983, Seite 79 - Seite 126;
2.)Borowsky, Peter: (Edition Zeitgeschehen) Deutschland 1969-1982.Fackelträger-Verlag
GmbH, Hannover 1987, Seite 101 - Seite 160;
3.)Bertelsmann Lexikothek - Unser Jahrhundert in Wort,Bild und Ton -Die 60er Jahre-,
Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH.Bertelsmann Lexikothek Verlag, Gütersloh 1990,
Seite 163 - Seite 172;
4.)Reimer, Uwe: Die Sechziger Jahre - Deutschland zwischen Protest und Erstarrung(1962-
1972).Verlag Moritz Diesterweg, Frankfurt am Main 1993, Seite 5 - Seite 224;
5.)Bauß Gerhard: Die Studentenbewegung der sechziger Jahre in der Bundesrepublik
Deutschland und in Westberlin. Pahl Rugenstein Verlag, Köln 1977, Seite 44 -Seite 213;
6.)Hager, Jens: Die Rebellen von Berlin - Studentenpolitik an der Freien Universität .
Verlag Kiepenheuer & Witsch Köln/Berlin, Gütersloh 1967, Seite 113 - Seite 149;